Leseplätzchen, Folge 38

Leseplätzchen kann man gar nicht genug haben.

Leseplätzchen kann man gar nicht genug haben.

Es ist Herbst, die Plätzchenzeit beginnt! Das gilt auch für die Serie Leseplätzchen, die diesmal vom Zeilentiger wiedereröffnet wird.

zeilentiger liest kesselleben – so lautet der ungewöhnliche Name von Holgers Blog. Der Untertitel klärt, hier geht’s um „Erkundungen in Stuttgart und anderswo – Skizzen, Buch, Film, Musik und Gastronomie“. Ich folge seinen vielseitigen Erkundungen nun schon eine ganze Weile und kann euch nur empfehlen, es mir gleich zu tun. Aber kommen wir nun zu seinen Leseplätzchen:

„Könnte ich mir mein Leseplätzchen nach Lust und Laune wünschen, wäre es im Freien: in einer Hängematte am Bach oder in einem Liegestuhl im Hummelbrummengarten, um den sich – bitteschön – irgendjemand anders kümmert. Meinetwegen auch auf einem sonnengewärmten Felsen oder an einen Baumstamm gelehnt, am besten barfüßig und die Beine in einer nachlässig abgeschnittenen Jeans, denn erst dann lebt es sich richtig ungeniert. Als Kesselstadtbewohner ist das alles nicht so leicht zu bekommen, aber dafür gibt es – und deshalb lebt man ja in der Stadt – ganz andere schöne Möglichkeiten. Auch ich bin ein Kaffeehaussitzer – notfalls sogar ohne Tisch. Hier, in den Straßencafés, lese ich am liebsten.“

Kaffee

„Zuhause gibt es nur einen Ort, den ich gerne mein Leseplätzchen nenne: das Sofa. Ein paar Kissen im Rücken, um die harte Kante der Lehne erträglich zu machen, auf dem Tisch Stift und Block, falls es etwas zu notieren gibt, auf dem Fenstersims die Flasche moldawischen Weins (leider leer), zu Füßen die Schallplatten auf dem Teppich, den mir ein Armenier aufgeschwatzt hat, im Rücken ein paar der über die Wohnung verteilten Bücher. Es ist ein Winterabendort, dunkel von draußen her, behaglich drinnen.“

Sofa

„Im Sommer wandert das Leben hinüber in die helle Küche. Und dann in der heißesten Zeit, wenn das Leben so wunderbar einfach wird, weil, wer Hitze liebt, kaum noch etwas anderes braucht, verwandelt die Wohnung für ein paar Wochen ihr Gesicht. Die Küche wird freigeräumt und mit Teppichen, Polstern, Kissen aus dem Wohnzimmer ausgelegt, bei Bedarf ein Stuhl in einen Schreibtisch verwandelt und dann wird hier gelebt und gelesen. Schönes Sommerleben.“

Bodenkissen

Das ist eine wirklich gute Idee, eine schöne helle Küche im Sommer zur Liegewiese umzufunktionieren! Bei den novemberlichen Temperaturen scheint mir der Sommer schon wieder sehr weit weg zu sein … Dir, lieber Holger, ganz herzlichen Dank für deine Leseplätzchen! Und ihr, liebe Bloggäste, seid herzlich eingeladen, die Leseplätzchen-Serie weiter zu beleben – ich würde mich freuen!

 

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#VerschämteLektüren (1): Von Petra von Philea`s Blog

Petra Gust-Kazakos:

Kommen wir nun mal zu etwas völlig anderem: Birgit von Sätze & Schätze rief dazu auf, dass wir uns mit unseren schlechtesten Lieblingsbüchern outen sollten. Da konnte ich nicht widerstehen und durfte sogar den Reigen von #verschämteLektüren eröffnen. Ich hoffe, ich bleibe nicht die Einzige, die sich outet …

Ursprünglich veröffentlicht auf Sätze&Schätze:

Petra von Philea`s Blog hat nicht nur “Leselust & Reisefieber”, sondern auch einen Hang zu Schmonzetten. Was ich gut verstehen kann – denn solche Tränendrüsendrücker sind manchmal einfach nicht nur schön, sondern auch schön notwendig. Und mindestens zwei meiner schlechtesten Lieblingsbücher finden sich auch auf Petras Liste. Also, Taschentücher gezückt und ihren Beitrag genießen:

angelique_10275

Mit dieser literarischen Jugendsünde sind Petra und ich übrigens nicht allein: Über 150 Millionen Angélique-Bücher wurden weltweit verkauft, sagt der deutsche Verlag, der sogar eine Seite für die Fans eingerichtet hat: http://www.randomhouse.de/SPECIAL_zu_Anne_Golon_Angelique/aid13899.rhd

Mit meinem schlechtesten Lieblingsbuch soll ich mich hier outen – das ist gar nicht so einfach. Zum einen weil es mit den Lieblingsbüchern bei mir so eine Sache ist, die sehr stark von meinen aktuellen Interessen abhängt. Was ich einst grandios fand, muss heute nicht mehr zu meinen Lieblingen gehören. Zum anderen ist’s auch schwierig mit dem Begriff schlecht. War das Buch denn wirklich…

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Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher

In gewisser Weise könnte man dieses Buch als Listenbuch im besten Sinne beschreiben (im besten Sinne, weil es nicht um To-dos geht): Lauter Buchtitel und ihre Geschichten, warum wir sie (noch) nicht in Buchhandlungen finden können. Ein wunderschön gemachtes lesens- und sehenswertes Vergnügen!

Nachdem ich Tilmans sehr verlockende Besprechung der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher gelesen hatte, spazierte ich gleich zu meiner Lieblingsbuchhandlung – und nun entzückt das Buch auch mich. Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher, zusammengetragen von Annette Pehnt, Friedemann Holder und Michael Staiger, beruht auf einem wirklich schönen Konzept, das noch dazu sehr sehenswert umgesetzt wurde. Zunächst wurden 200 Autorinnen und Autoren angeschrieben, etwas zu diesem Buch beizutragen. Geantwortet haben – man möchte sagen: leider nur – 71, deren Geschichten zu Buchtiteln, aus denen nie ein Buch wurde oder ein Buch mit einem ganz anderen Titel, sich in diesem Buch finden. Daraufhin haben 71 Grafikerinnen und Grafiker, Designerinnen und Designer der HfG Karlsruhe und des Fachbereichs für Gestaltung der FH Bielefeld Umschläge für diese Titel entworfen, die wir nun gemeinsam mit den kurzweiligen, amüsanten, nachdenklichen, tiefsinnigen „Titelgeschichten“ genießen können.

Das Thema imaginärer, erfundener, nie geschriebener Bücher war mir in den vergangenen Jahren in Variation immer mal wieder begegnet. Beispielsweise als kreativitätsfördernder Vorschlag in Stephan Porombkas Kritiken schreiben. Ein Trainingsbuch. Hier empfiehlt er, virtuelle Bibliografien zu erstellen zu Büchern, die man gern schreiben würde – komplett mit Autor, Titel, Untertitel, Erscheinungsort etc. Reizende Idee – und Spaß macht sie auch! Wer weiß, vielleicht schreibt ja wirklich mal jemand eines dieser Bücher aus einer solchen virtuellen Bibliografie. Außerdem fiel mir in diesem Zusammenhang Alexander Pechmanns Die Bibliothek der verlorenen Bücher ein, worin sich drei Kapitel befinden, in denen es um „Bücher, die nie geschrieben wurden“, „Mehr oder weniger imaginäre Bibliotheken“ und „Bücher, die es vielleicht gibt“ geht. Und schließlich kann man in Rainer Schmitz‘ Mammutwerk Was geschah mit Schillers Schädel? spaltenlang Geschichtchen über ungeschriebene oder erfundene Bücher finden (Spalte 178 – 185). Darunter auch die über Charles Dickens, dessen Geheimtür zu seinem Arbeitszimmer wie ein Regal gestaltet war. Darin befanden sich lauter Buchattrappen, die von Dickens erfundene Buchtitel trugen. Sehr einfallsreich und witzig dazu.

Interessantes am Rande: In der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher wird der Begriff Titrologie erwähnt, natürlich kann man sich denken, was das sein soll. Als ich aber danach googelte, fand ich fast ausschließlich französische Einträge, vermutlich weil, wie es im Buch heißt, sich um den französischen Literaturwissenschaftler Gérard Genette eine Forschungsrichtung entwickelt habe, die sich Titeln, Klappentexten etc. widmet. Im Englischen sprich man anscheinend von Titology, unter Titelogie fand ich mehrere niederländische und auch einen deutschen Beitrag, wobei diese Begriffe wohl auch scherzhaft für in mit Titelhuberei zusammenhängende Aktivitäten stehen. Wieder was gelernt.

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To do: Listen flexibel halten

Zoo3_BogenIch liebe Listen. Ich nutze sie auch fleißig. Aber mit den Jahren werden die langfristigen Listen bei mir immer flexibler. Woran das liegt? Vielleicht, weil ich meine persönliche Unabhängigkeit liebe und mir selbst nicht gern Vorschriften mache.

Im aktuellen Zeitmagazin, der Nr. 47 vom 13.11.2014, stellt Matthias Stolz die Frage, „Warum verbreiten so viele Bücher den Irrglauben, Glück lasse sich Punkt für Punkt erarbeiten?“ und führt gleich zu Beginn eine Liste mit 25 Büchern als Beispiel an. Etwa 66 1/2 Dinge, die eine Frau im Leben machen sollte, 101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist – bedeutet das, dass Männer nur 34,5 Dinge im Leben machen sollten? Aber nein, denn es gibt auch das Buch 100 Dinge, die MANN einmal im Leben getan haben sollte. Na, das widerspricht sich aber, das wären ja schon 166 1/2 Dinge, die man getan haben sollte. Egal, es geht hier ja nicht um Logik, eher um Absurdität.

Stolz jedenfalls geht es um das „Genre der To-do-Listen-Literatur“ und ihre Sinnhaftigkeit. Dabei stellt er, der selbst durchaus ein Fan von To-do-Listen ist, sehr richtig fest: „Das Schlimmste am frühen Tod ist es nicht, nie auf einer Safari gewesen zu sein“ und folgert: „Womöglich ist das Leben doch keine To-do-Liste“. Allerdings! Wenn ich mir vorstelle, was ich mir im Laufe meines Lebens (als Kind, als Jugendliche, als junge Erwachsene und auch später) alles so für mein Leben vorgenommen hatte, um ein glückliches ebensolches zu führen … Vieles hat geklappt, vermutlich genauso vieles ist anders gekommen. Das hat allerdings keinen negativen Einfluss auf mein Empfinden, ein erfülltes Leben zu führen.

Man muss nicht alle To-dos erledigen

Die Listen, die ich führe, seien es jene, die eher in meiner Vorstellung existieren oder die auf Papier, haben eines gemeinsam: Ich muss nicht alle To-dos erledigt haben. Das merkt man natürlich immer erst hinterher. Sicher ist es sinnvoll, Toilettenpapier zu kaufen, wenn das auf meinem Laufzettel steht, oder mal wieder einen Termin beim Augenarzt auszumachen. Aber bei den längerfristigen Listen ist es anders. Da gibt es zum Beispiel die Bücherwunschliste, die sich ständig erweitert, oder die Liste mit Sehnsuchtsorten, die ich gern besuchen würde. Letztere ist stabiler als die Bücherwunschliste, denn selbst wenn ich einen der Orte „abhaken“ konnte, weil ich ihn gesehen habe, weckte das oft neue Begehrlichkeiten und ich möchte ihn immer wieder besuchen.

Frei bleiben beim Lesen

Bei den Büchern ist es ein bisschen anders: Jene, von denen ich noch vor einem Jahr meinte, sie unbedingt lesen zu wollen, interessieren mich nun deutlich weniger, manche verschwinden sogar von der Wunschliste, weil sich offenbar meine Interessen ein bisschen verschoben haben. So bewundere ich einerseits Bücherbloggerinnen und -blogger, die sich vorgenommen haben, ihre Stapel ungelesener Bücher mit diversen Challenges zu reduzieren. Andererseits wäre das nichts für mich. Ich möchte mich beim Lesen frei fühlen, unabhängig von Listen und einfach das lesen, worauf ich Lust habe. Auch mal Bücher wiederlesen, ganz neue lesen oder welche von meinen Stapeln, aber nicht einer bestimmten Reihenfolge nach. Höchsten derjenigen, die sich aus dem Lesen eines Buches ergibt, das möglicherweise ein Interesse weckt, das ich gern mit weiterer Lektüre vertiefen möchte. Oder auch das Gefühl, jetzt aber mal etwas ganz anderes zu brauchen.

To-do-Listen fürs Leben

Es ist ein bisschen wie die persönliche To-do-Liste fürs Leben – und es sollte immer eine persönliche sein, denn wieso sollte ich 661/2 Dinge tun, die mir irgendjemand aufträgt, der mich nicht einmal kennt? Da lasse ich mir ungern Vorschriften machen.

Sogar mir selbst mache ich ungern Vorschriften. Ich bin nicht mehr jung, aber immer noch jung genug, um neue Interessen zu entwickeln und zu verfolgen. Wenn eines meiner To-dos nicht mehr dazu passt, streiche ich es mit der gleichen Erleichterung, wie eine Erledigung.

Ziele zu haben, ist sicher sinnvoll, was wäre das Leben ohne sie? Manche muss man auch gar nicht erreichen, sie sind vielleicht sogar als Träume schöner, als wenn ich sie realisieren würde. Wenn mein Leben zwischendurch immer mal wieder ein bisschen die Richtung ändert, was hätte ich davon, mich an starre Ziele und To-dos zu klammern? Ich wäre frustriert. Besser ist es für mich, mich flexibel auf solche Situationen einzustellen und zu versuchen, das Beste daraus zu machen. Das ist nicht immer einfach und kann sogar eine ziemliche Herausforderung sein. Aber sie zu meistern, tut mir genauso gut, wie einen Punkt auf der To-do-Liste abzuhaken.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Listen in eurem Leben gemacht?

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Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm

Petra Gust-Kazakos:

Das klingt gut: Ein Autoren- und Künstlerwochenende – vielleicht habt ihr ja Zeit & Lust?

Ursprünglich veröffentlicht auf vnicornis:

Trommhaus

Trommhaus / Foto: valentino

Vom 28. bis 30. November 2014 (Freitag Nachmittag bis Sonntag) veranstaltet vnicornis zusammen mit der Autoren- und Künstlergruppe Wort & Wasser ein gemeinsames Wochenende im Trommhaus im Odenwald.

Neben Tag- und Nachtwanderungen, Spaziergängen, ausgiebigem Tafeln und Muße planen wir folgende Aktivitäten:

– Lesung von Texten
– Austellung von Grafiken und Bildern
– eventuell eine szenische Lesung
– Gesang
– Erfahrungs- und Ideenaustausch

Wie bereits bei früheren Gelegenheiten ist das Wochenende nicht-kommerziell und verfolgt keinerlei sonstige Zwecke. Kosten fallen lediglich für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an.

Vorgesehen sind zwei Übernachtungen (10 Euro pro Person und Nacht, etwas preiswerter wird es in den sogenannten Bettenlagern). Bettwäsche kann mitgebracht werden, ansonsten einmalig 6 Euro für die Ausleihe vor Ort). Internetadresse mit Anfahrtsweg und weiteren Informationen unter www.trommhaus.de.

Beschreibung Tromm:
Die Tromm ist sowohl ein Berg (577 m über Meeresspiegel) als auch ein Höhenzug inmitten des hessischen Odenwaldes. Wunderbar…

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ÖPNV-Lektüre von David Sedaris

Zoo1_WasserProblemlos ein- und aussteigen: Als mal mehr, mal weniger begeisterte Nutzerin öffentlicher Verkehrsmittel lese ich auf meinen Straßenbahnfahrten gern Kürzeres, um nicht den Ausstieg an der richtigen Haltestelle zu verpassen. Dazu eignen sich die beiden Bücher Nackt und Ich ein Tag sprechen hübsch von David Sedaris ganz gut.

Nackt

Autobiographien sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber die mit witzigen Formulierungen und haarsträubenden Ereignissen gespickten Geschichten aus dem Leben des Autors David Sedaris eignen sich eigentlich auch für Leute, die sonst selten (Auto)Biographisches lesen, aber ein Faible für Autoren wie Goldt oder Kaminer und die gelegentlichen Absurditäten des Lebens haben.

In Nackt geht es um die Marotten von Sedaris, die seines griechischen Vaters, seiner amerikanischen Mutter, seiner griechischen Oma, die im ständigen Clinch mit ihrer Schwiegertochter lebt, und die seiner fünf Geschwister. Er schreibt von seinem Ferienjob in der Nervenheilanstalt, von den Freuden und Leiden eines Trampers und weiteren „Misserfolgen“. Das tut er zwar sehr ironisch, aber auch mit Liebe und Sympathie für sich und seine Mitmenschen. Dabei gewinnt er allerlei mehr oder minder nützliche Einsichten, die manchmal prustend vor Lachen und manchmal still sinnierend zu rezipieren sind.

Ich ein Tag sprechen hübsch

Dieses Buch enthält weitere amüsante und skurrile Episoden aus dem Leben des David Sedaris. Der zweite Teil des Buchs, „Deux“, hat mir übrigens besser gefallen, als die Kurzgeschichten des ersten Teils. „Deux“ enthält lauter Anekdoten im Zusammenhang mit seinen Aufenthalten in Frankreich. Als Amerikaner in Paris hat Sedaris natürlich ebenso schräge Erlebnisse wie zu Hause. Und er beschreibt sie fast noch besser als Ereignisse in seiner Heimat. Insgesamt also ebenfalls lesenswert.

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

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Athen: Free Thinking Zone

FTZ_schaufensterLange Zeit hatte ich den Traum, ein Bücher-Café zu eröffnen. Es sollte ein Ort sein, an dem sich die Menschen in entspannter und inspirierender Umgebung treffen, um zu lesen oder miteinander zu diskutieren, um sich eine Lesung anzuhören oder eine Ausstellung anzusehen. In Athen gibt es einen Ort, an dem dieser Traum Wirklichkeit geworden ist: Die Konzept-Buchhandlung Free Thinking Zone.

Seit mir meine Schwiegermutter vor einigen Monaten von der Free Thinking Zone in Athen erzählt hatte, wusste ich: Das will ich sehen! Und bei unserem Rundgang durch Athen vor einigen Wochen, führte uns unser erster Weg dorthin. Mit der Free Thinking Zone hat Areti Georgili sich ihren Traum verwirklicht – und das ausgerechnet während der größten wirtschaftlichen Krise, noch dazu am Schnittpunkt zweier Viertel, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Das schicke Kolonáki mit seinen exklusiven Geschäften und Exárchia, ein studentisches Multi-Kulti-Viertel, das für Athens rebellische Vergangenheit (und Gegenwart) steht und damit im völligen Gegensatz zu allem, was Kolonáki verkörpert.

FTZ

Die Free Thinking Zone ist nicht einfach nur eine Buchhandlung, sondern ein Knotenpunkt für progressive Gedanken, Konzepte und Themen, um die zeitgenössischen Probleme – übrigens nicht nur Griechenlands – aktiv anzugehen. Hier treffen sich nicht einfach nur Leser, Buchhändler und Autoren, sondern Menschen, die bereit sind, die ausgetretenen gesellschaftspolitischen Denkpfade zu verlassen und die Initiative zu ergreifen.

FTZ_Bar1

FTZ_Bar2Areti muss eine mutige, willensstarke und gut organisierte Persönlichkeit sein, um dieses Wagnis auf sich zu nehmen. Außerdem ist sie überaus freundlich. Ich stellte mich kurz vor und obwohl sie sichtlich mit vielen anderen Dingen beschäftigt war, nahm sie sich Zeit für ein Gespräch. Immer wieder unterbrochen von Telefonaten, es ging um Veranstaltungen, Besuche bei hohen Persönlichkeiten und etliches mehr. Das war aber kein Problem, denn die Buchhandlung bietet so viel fürs Auge, auch wenn man nicht besonders gut Griechisch spricht und daher die griechischen Bücher nicht lesen kann, dass mir keineswegs langweilig wurde. In der Mitte des Raum gibt es eine schöne Bar, ringsherum Tische, Stühle, eine Ecke mit Literatur für Kinder, außerdem Kunst und eine höchst interessante Installation an der Decke der Buchhandlung.

FTZ_Decke

Zwischendurch erzählte Areti, dass sie dabei ist, Kooperationspartner in anderen Ländern zu suchen, beispielsweise in Paris. Falls ihr eine interessierte Buchhandlung in Deutschland kennt, die ein ähnliches Konzept hat, stelle ich gern den Kontakt zu Areti her.

FTZ_Kinder

Da Areti eine kleine Reihe mit Kurzgeschichten und Gedichten griechischer Autorinnen und Autoren herausgibt, kam ich sogar noch zu meinem Lektürekauf, denn die Texte sind auf Griechisch und Englisch gedruckt.

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