Bücherkoffer Nr. 24 von Dr. Peter Plener

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Ich freue mich sehr, dass Dr. Peter Plener, dem ich seit einiger Zeit auf Twitter folge (@peterplener), mir pünktlich zum Welttag des Buches einen sehr schönen Text für die Bücherkoffer-Serie gesendet hat. In seinem Falle handelt es sich allerdings um eine Bücherkiste; den Koffer bepackt er mit anderen Dingen wie seiner Urlaubsgarderobe oder auch Kaffee.

Dr. Peter Plener ist Germanist, Historiker, Kultur- und Medienwissenschaftler. Von 1993 bis 2005 Lehrtätigkeiten an Universitäten im In- (Österreich) wie Ausland, 2001 gründete und bis 2007 leitete er die wissenschaftliche Internetplattform Kakanien revisited. Seit 2004 Tätigkeiten im Parlament, Verteidigungsministerium und Bundeskanzleramt. Publikationen über Literatur, Medien, Kulturgeschichte, Fußball und die österreichisch-ungarische Monarchie.

Und hier seine Gedanken und Anregungen zum Thema Bücherkoffer bzw. -kiste:

„Der Bücherkoffer ist eine Kiste. Das war schon immer so. Da ich aus alten Schulen komme, ist meine medientechnische Flexibilität als ausgesprochen eingeschränkt zu bezeichnen. Eine ubiquitäre Konzentrationsfähigkeit, die sich auf elektronisch relevante Fingerfertigkeit erstreckt, ist mir nicht mitgegeben worden.

Lesen verbindet sich bei mir sehr unmittelbar mit Handhabung. Die Fingerspitzen brauchen die Haptik und eine Hand muss den Bleistift jederzeit führen können. Es gilt umzublättern. Deshalb konnte ich beim Lesen auch nie rauchen. Ich habe es natürlich probiert, doch eigentlich habe ich dann alle Hände voll zu tun, da kann ich nicht auch noch den Genuss der Tabakware beimengen. Oder jenen elektronischen Beiwerks.

Mit Roland Reuß, der in einem Buch des Wallstein-Verlags (der peu à peu eine sehr gute Reihe zur „Ästhetik des Buches“ herausbringt) Paul Valéry zitiert, brauche ich eine „perfekte Lesemaschine“ – und diese ist allein in Papierform an die Hand gegeben. Viele praktische Gründe (erfreulich mangelhafte Strom- und Netzabdeckung am Zielort, Bruchsicherheit des Buches vs. Selbstzerstörungsfreudigkeit eines Books mit “e-“, das daraus stets ableitbare Risiko des völligen Wegfalls von Lektüre bei Ausfall,… genug davon!) lassen sich dafür anführen, weshalb ich immer dann, wenn ich für einige Tage nicht in meiner kleinen Bibliothek oder bei meinem Buchhändler werde sein können, eine Auswahl an auf Papier gedruckten und sodann zu einem Buch gebundenen Zeilen mit mir führe. Zumeist nicht unter den von der UNESCO vorgeschriebenen 49 [! – dazu später] Seiten (“A book is a non-periodical printed publication of at least 49 pages, exclusive of the cover pages…”). Seiten, Blätter und Zeilen: gut gemachte Bücher verfügen über genug Platz für lesensnotwendige Notizen, Striche. Sie haben einen Satzspiegel (“Aurea prima sata est aetas…”), der klug berechnet und gesetzt ist, die Zeilen sind zur perfekten Lesbarkeit hin durchschossen und die Typografie ist von kundiger Hand gewählt worden. Gegen elektronisches Publikationsgut habe ich gar nichts (wenngleich ich angesichts der fortschreitenden Perfektionierung der Medienverbundmaschinen ahne, dass bis dato ungekannte Formen des Lesens und der Rezeption sich einstellen werden, die Ablenkungen und Verfügbarkeit von Anderem Teil dieses Lesens neueren Stils werden lassen – das ist wahrscheinlich gar nicht schlimm, nur eben anders), nutze es selbst immer wieder. Bloß wenn ich wegfahre, interessiert es mich nicht. Dann braucht es eben den Koffer, der eine Kiste sein wird.

Zumindest zwei der Belletristik im Wortsinn zuzurechnende Romane sind stets darin (aus erfindlichen Gründen immer einer aus dem 19. Jahrhundert), einige Kriminalromane, etwas Fachliteratur zu meinen Arbeitsgebieten und ein Band Lyrik. Weiters packe ich in diese Kiste zwei Bleistifte, einen Spitzer (gerne auch ein Federmesser; es ist schön anzusehen und passt zusammen mit den Bleistiften gut zum Papier), zwei Schreibblöcke in DIN lang (aus einer Druckerei meines Vertrauens und exakt so gefertigt, wie ich sie brauche: Munken Lynx, 100er Grammatur). Dies ist die Grundausstattung, die verbleibenden Plätze in der Kiste werden an jene Druckwerke verlost, die als Ungelesenes bzw. Angelesenes „vor dem Gesetz“ an den dafür vorgesehenen Orten (Nachtkasten, Schreibtisch, Aktentasche) sich ablegen ließen. (Dies ist eigentlich sehr banal, so macht das doch jede und jeder, denke ich.)

Kurzum: Die Bücherkofferkiste für den Sommer 2015 ist – wie sich nun leicht folgern lassen wird – aufgrund der Ungewissheit, was ich bis zum Zeitpunkt der Abreise noch gelesen haben werde, bislang nur eingeschränkt vorherschreibbar; gewiss sind lediglich diese Bände (NB: Empfehlungen):

# Horcynus Orca von Stefano D’Arrigo, in der Übersetzung von Moshe Kahn (hebe ich gut originalplastifiziert bis dahin auf und habe noch keine Ahnung, ob dieses Monster sich mit der sirrenden Sonnenluft vertragen wird);

# Moby-Dick von Herman Melville (die Northwestern-Newberry Edition; Aufsätze zu den Kapiteln 69 und 38 sind zu schreiben und ich will über diese in Ruhe nachdenken können);

# Ameisengesellschaften von Niels Werber (ich schätze die Arbeiten von Niels ohnehin sehr und überdies braucht es die notwendige Fachliteratur zu systemischen Vergesellschaftungen, um der Fauna vor Ort die Referenz zu erweisen)

# Was ist Dichtung? von Jacques Derrida (bei Brinkmann & Bose, einem meiner drei Lieblingsverlage; eine viersprachige Ausgabe von 48 [! – s.o.] Seiten – und die Antwort auf die Frage ist wohl einfach die, dass Dichtung das ist, was man auswendig lernt; Derrida summt und raunt immer so nett, man muss das aber nicht ganz ernst nehmen);

# Coppelius, Cagliostro und Napoleon von Michael Rohrwasser (bei Stroemfeld, einem weiteren meiner drei Lieblingsverlage; ein Buch von Michael – lesen Sie unbedingt seinen Band Freuds Lektüren; etwas Besseres kriegen Sie zu dem Thema nicht in die Finger! – ist immer eine Herausforderung und ein Gewinn zugleich; und: ich habe noch ein wenig über E.T.A. Hoffmann nachzulesen);

# Kulturmanöver. Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild, herausgegeben von Sema Colpan, Amália Kerekes etc. (weniger weil ich einen Beitrag darin stehen haben werde, sondern weil mich die Aufsätze zur Konferenz aus 2013 in Einem zu lesen interessiert; immer vorausgesetzt, dass der Bibliophilie nicht in sein Geschäftsmodell integrierende Lang-Verlag bis zu meinem Kistenpacken einen Druck zuwege bringt).

In meinen Koffer packe ich hingegen nur Sonnenbrille, Badehose, Pétanque-Kugeln, Espresso-Kanne, ein Kilo neapolitanischen Kaffee und … ein Buch. Ich reise gerne mit leichtem Gepäck, mithin Koffer und Kiste.“

Mit leichtem Gepäck würde ich auch gern verreisen, doch spätestens der Koffer, die Tasche oder gar die Kiste (du bringst mich auf Ideen!) vereiteln diesen Plan stets. Dir, lieber Peter, ganz herzlichen Dank für deine persönlichen Gedanken zu Büchern und zum Lesen und für deine sehr interessanten Lektüre-Anregungen. Denen werde ich noch näher nachgehen …

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Virtuelle Ausflugsziele für Bibliophile

Viele von euch wissen, dass ich gern twittere. Dort bin ich mit vielen interessanten Menschen und Institutionen verbunden, die sich u. a. mit Literatur befassen und jede Menge Links pro Tag verzwitschern. Etliche davon sind unbedingt anklickenswert, weswegen ich euch heute drei meiner Highlights der letzten Zeit vorstellen möchte.

Leselust & Reisefieber: Literarische Landkarten von Arkansas bis Wyoming

Dieser Link passt hervorragend zum Thema, denn mit diesen literarischen Landkarten können Literaturaffine tolle Reisen durch die Vereinigten Staaten planen. Einziger Makel: Auch nach dem Vergrößerungsklick braucht man leider eine Lupe. Tipp für alle, die in der Nähe von Karlsruher wohnen: Im Vis-à-Vis in der Amalienstraße gibt es gerade wunderschöne Lupen für nicht allzu teuer Geld.

Buch-Bars: 16 Incredible Library Bars In London

Wer reist, muss auch mal entspannen. Büchermenschen können das besonders artgerecht in den Londoner Library Bars – nachdem ich diesen Link anklickte, wollte ich am liebsten sofort einen Flug nach London buchen. Allerdings wüsste ich gar nicht, mit welcher dieser wunderbaren Bars ich anfangen sollte …Sie sehen alle toll aus!

Buch & Kunst: Smithsonian Libraries Artists’ Books

Die 20 Smithonian Libraries mit ihren verschiedenen Standorten (die meisten in Washington, D.C.) sind an sich schon eine Erwähnung wert. Unbedingt anschauen solltet ihr euch die Fotos der Künstlerbücher. Gleich das erste, eine Art medizinische Wunderkammer, finde ich großartig. Es erinnert mich an die Buchobjekte von Alexander Korzer, die mich auf der letzten Art Karlsruhe sehr beeindruckt haben. Hier könnt ihr euch ein paar davon ansehen.  Eine Einleitung der Smithonians zum Thema gibt es auf Englisch hier.  Und ein interessantes Blog führen sie auch.

Ich hoffe, meine Highlights gefallen euch auch. Falls das Wetter schlechter wird, habt ihr nun jedenfalls ein paar virtuelle Ausflugsziele fürs Wochenende. Viel Spaß!

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Ex Libris, Exlibris

ExLibris_PZur Besitzklarstellung gibt es viele Möglichkeiten: Man kann beispielsweise seinen Namen ins Buch schreiben oder auch einstempeln. Das Exlibris ist für mich jedoch der schönste Besitzklarsteller. Man zeigt mit einem Exlibris, dass einem ein Buch wirklich lieb is. So jedenfalls sehe ich das und ziere seit Jahrzehnten meine Bücher – also die, die ich voraussichtlich behalten werde – mit einem solchen.

Entworfen hat es mir vor vielen Jahren mein Freund Marcus. Wie wir darauf kamen, können wir gar nicht mehr genau rekonstruieren. Wollte ich eins, weil er so gut zeichnen konnte? Oder war er gerade dabei, welche zu entwerfen und ich wollte dann auch eins? Egal, Marcus hat jedenfalls noch weitere Exlibris entworfen, wie ihr sehen könnt.

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Wie macht ihr das, schreibt ihr euren Namen, vielleicht mit Kauf- oder Lesedatum, in eure Bücher? Habt ihr Stempel oder auch Exlibris? Oder macht ihr das gar nicht?

ExLibris_M_02Ich finde es immer schön, wenn ich gebrauchte Bücher kaufe und darin Widmungen, Namen oder eben auch mal ein Exlibris finde. Diese kleinen Andeutungen aus der Vergangenheit geben dem Buch seine eigene Geschichte – zumindest setze ich mir dann kleine Geschichten zusammen. Ob sie stimmen, ist dabei eigentlich gar nicht so wichtig.

Bei Druckschrift findet ihr übrigens eine schöne Besprechung zu einem tollen Buch über Exlibris von Anneliese Schmitt.

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Zeitungsfrühstück, Folge 81

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Fröhliche Ostern zusammen! Nein, ihr habt kein Déjà-lu-Erlebnis, dieses Wochenende ist wirklich (wieder) Ostern und zwar für orthodoxe Christen. Sie berechnen das Datum für Ostern nach dem julianischen Kalender, weswegen ich nun zweimal in Folge zu köstlichem Lamm, Kartoffeln und Möhren mit Rosmarin, Oregano und Knoblauch aus dem Backofen komme. Aber erst mal gab es unser Zeitungsfrühstück, von dem ich euch nun meine Highlights aus dem Zeitmagazin und der ZEIT Nr. 15 vom 9. April 2015 serviere.

In seiner Kolumne moniert Harald Martenstein diesmal die absurden Auswüchse der Missgunst, leider noch nicht online. In der Serie „Die Wundertüte“ wird beschrieben, wie sich ein Verstärker für Smartphones aus einer Chipsdose basteln lässt. Die famose Idee stammt von Patricia Teslenkos Blog cheaperia – Lifestyle für den kleinen Geldbeutel.  Der Beitrag findet sich hier.

Im Feuilleton ein interessanter Artikel von Jürgen Habermas (leider auch noch nicht online) mit dem Titel „Vom Funken der Wahrheit“ über die Freundschaft und den Briefwechsel von Adorno und Scholem. Der Briefwechsel erscheint bei Suhrkamp, Titel: „Der liebe Gott wohnt im Detail“, Briefwechsel 1939-1969 – die Lektüre könnte sich lohnen. Ebenfalls interessant klingt die Besprechung von Peter Burkes Die Explosion des Wissens, obwohl Maja Beckers es bedauert, dass die Betrachtung der letzten 250 Jahre Von der Encyclopédie bis Wikipedia eben auch 2001 endet. Das ist natürlich schade, aber gewiss werden noch ohne Ende Bücher verfasst, die sich des Themas ab 2001 annehmen. Leider ist der Artikel auch noch nicht online. Ebenso wenig wie der bedrückende Beitrag „Die vergifteten Millionen“ von Georg Blume über die Streitereien um Einfluss und Geld bei Charlie Hebdo. Ihr müsst wohl wieder einen Sonntagsspaziergang zum nächsten Kiosk machen, um die Artikel der Zeit selbst lesen zu können.

Hier duftet das Lamm und mein Magen knurrt vorfreudig. Das Rezept und das nötige Procedere dazu findet ihr übrigens auf dem Blog meines Liebsten – habt noch einen schönen Sonntag!

 

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Zeitungsfrühstück, Folge 80

FotoFröhliche Ostern zusammen! Das aktuelle Zeitmagazin finde ich so gelungen, dass ich euch – nach längerer Pause – mal wieder meine Highlights aus dem Zeitmagazin und der ZEIT Nr. 14 vom 1. April 2015 serviere. Diesmal ganz schön grün.

Cool und rau, außer online

Traditionell beginne ich ja immer mit Harald Martensteins Kolumne. Die aktuelle „Über das coole Berlin und die raue Wirklichkeit“ finde ich online noch nicht, deshalb verweise ich auf eine andere Kolumne, die schon online ist, nämlich „Über fragwürdige Aufrufe für die Fastenzeit“ (was ganz gut passt, da sie ja heute vorbei ist).

Grün, grün, grün sind alle meine Farben

Passend zur Jahreszeit (es grünt und blüht wieder etc.) widmet sich das Zeitmagazin diesmal dem Thema Natur und Grünes bei Einrichtung und Architektur. Den Beginn machen die schönen Illustrationen schicker Möbel Naomi Okubos. Die Möbel zeichnen sich dadurch aus, dass sie in verschiedenen Grüntönen zu haben, mit floralen Mustern versehen oder gut für die häusliche Grünpflanzensammlung geeignet sind. Mehr über Naomi Okubo könnt ihr in diesem englischen Beitrag lesen, der auch einige ihrer Arbeiten zeigt.

Anschließend der Beitrag „Im grünen Bereich“ von Elisabeth Bauer, Tillmann Prüfer und Annabel Wahba. Wir erleben einen Wandel, erstmals leben in unserer Zeit mehr Menschen in Städten als auf dem Lande. Aber der Mensch braucht die Natur, auch oder gerade in der Stadt: als Augenweide, zur Erholung, als grüne Lunge gegen allzu urbane Luft – der Gründe sind viele. Das wirkt sich natürlich auf die Architektur aus. Ein Beispiel dafür ist Kopenhagen – gut gewählt, denn Kopenhagen hat sich beispielsweise vorgenommen, fahrradfreundlicher und bis 2050 CO2-frei zu werden. Klare Ansagen, die sich auf die Stadtentwicklung und die Architektur auswirken. Eine weitere grüne Station ist Mailand, wo es zwei besonders schön begrünte Hochhäuser gibt, in die ich auch einziehen würde – allerdings sind die Preise etwas zu hoch für meinen Geldbeutel. Bosco Verticale heißt das Ganze, entworfen von Stefano Boeri.

Witzig die Idee, sechs Designer zu bitten, aus Fundstücken aus dem Wald verschiedene Objekte zu gestalten. Die Ergebnisse reichen vom Federballset über Schalen bis zu Garderoben und Skulpturen. Sehr putzig auch die „Möbel mit Stiel“ von Sarah Illenberger. Dann gibt es noch hübsche Schwarz-Weiß-Fotos von Ina Niehoff von Zimmerpflanzen, die wohl genügsam und zugleich hübsch anzusehen sind, beispielsweise die Erbsenpflanze (Senecio rowleyanus), sowie Tipps für Pflanzen in der Wohnung.

Mensch und Tier

Beim Blättern durch die ZEIT dann immer mal wieder das Thema Natur. So gibt es auf Seite 8 und 9 Fotos von Füchsen, die inzwischen anscheinend ebenfalls das urbane Leben schätzen: in London gebe es rund 10.000, in Berlin zwischen 1500 und 2000. Im Dossier zeigt der Beitrag „Die Wölfe kommen“ von Stefan Willeke, leider noch nicht online, dass eine gewisse Vorsicht im Umgang mit diesen intelligenten Tieren durchaus geboten ist. Im Feuilleton grünt es ebenfalls, es startet mit „Alles abgeräumt“ von Ingeborg Harms, einem Beitrag über den Umgang der Menschen mit der Natur, beispielsweise in Gesetzen und der Politik. Da auch dieser Artikel noch nicht online zu sein scheint, müsst ihr wohl einen kleinen Osterspaziergang zum nächsten Kiosk machen …

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Bücherkoffer Nr. 23 von Tobias Zeising/lesestunden

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Hiermit ist die Saison offiziell eröffnet! Also, die Bücherkoffer-Saison: Die eröffne ich nämlich mit dem Bücherkoffer von Tobi, der das schöne Blog lesestunden führt. Als ich auf Twitter anregte, die Serie wieder aufleben zu lassen, war Tobi der Erste, der seinen Worten auch Taten folgen ließ.

Apropos Taten: Sehr eindrucksvoll – vom Bücherkoffer abgesehen – ist auch Tobis Toplist, die er immer mal wieder aktualisiert. Eine tolle Analyse aller möglichen Bücherblogs – unbedingt reinklicken!

Aber kommen wir nun zu seinem Bücherkoffer:

koffer_Tobi

Tobi sagt dazu: „Bei Reisen, da denke ich sofort an das Meer und den hohen Norden, denn da zieht es uns magisch hin, an die rauen Gestade des Atlantiks, der Ost- oder Nordsee. Eine latente Sehnsucht nach etwas, das sich nur schwer fassen und beschreiben lässt. Für gewöhnlich sind unsere Urlaube voller Rastlosigkeit, selten verweilen wir an einem Fleck. Stattdessen wird die Gegend erkundet, viel fotografiert und der Moment genossen, der meist fern von Touristenmassen durch den Eindruck der Natur und Stille, dem Rauschen der Brandung und dem kühlen Wind der See geprägt ist. Soviel ich sonst lese, so wenig aufnahmefähig bin ich in diesen Tagen und so schwer fällt es mir in die Tiefen eines Buches abzutauchen, denn meist bin ich ganz beansprucht von all dem Neuen, dem Unbekannten, dass ich sonst meist nur zwischen den Zeilen finde. Aus diesem Grund schafft es bei mir meist nur ein einziges Buch in den Reisekoffer.

Was das Lesen angeht, so bleibt hier nur der Abend, wenn man nach einem langen, erschöpfenden aber eindrucksvollen Tag sich in ein fremdes Bett verkriecht. Meist in einem kleinen Ferienhäuschen, irgendwo in der Einsamkeit. Oder einem kleinen Gasthaus, an einem ruhigen, einsamen Ort, hoch gelegen über dem Meer mit einem Blick auf den Sonnenuntergang. Nachdem wir den Tag Revue passieren haben lassen, dann haben wir es uns angewöhnt zusammen ein Buch zu lesen. Abwechselnd lesen wir uns dann gegenseitig vor und das hat etwas sehr schönes, denn das Vorlesen, das gehört zum Menschen, wie das Singen und das Erzählen von Geschichten.

Vier Bücher möchte ich vorstellen, die in jedem Reisekoffer hervorragend aufgehoben sind, die genau für einen solche Reise ans Meer, in den Norden geeignet sind, weil sie selbst ein Stück dessen einfangen, was man dort sucht, oft aber auch darüber hinaus gehen. Silver von Andrew Motion ist das neueste Buch und beschreibt, wie der Sohn von Jim Hawkins zur Schatzinsel zurückkehrt und wie anders als erwartet sich dieser Ort präsentiert. Wunderschön sind die Beschreibungen der Insel, der Vegetation und des Meeres und stehen ganz stark im Kontrast zu den dunklen Seelen der Bewohner. Ein eindrucksvoller Roman, der mir noch besser als das Original Die Schatzinsel gefallen hat.

Im Rausch der Stille von Albert Sánchez Piñol ist ein weiteres Buch, das die ganz besondere, arktische Stimmung des Meeres einfängt. Ein irischer Freiheitskämpfer begibt sich als Wetterforscher, mit Proviant und Ausrüstung für mehrere Monate ausgestattet auf einer einsamen Insel. Dort wird er nachts von unheimlichen Wesen aus dem Meer angegriffen, es beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Dieses Buch ist wahnsinnig spannend, besticht aber auch besonders durch diese einsame Insel, die Piñol meisterhaft beschreibt und zum Leben erweckt. Am Ende sind es aber auch in diesem Buch die Menschen, die einen so reinen Ort in etwas ganz anderes verwandeln, dabei aber nicht merken, dass es eigentlich diese eigne Welt, die Natur ist, die sie formt und verändert.

Nicht nur für längere Reisen kann ich jedem nur Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas ans Herz legen. Jeder kennt die Story grob aus den zahlreichen Verfilmungen. Dieses Buch aber ist ein Meisterwerk, perfekt komponiert mit Einblicken in menschliche Abgründe, aber auch in eine Welt, die voller Wunder und Schönheit ist. Die Gefängnisinsel Château d’If, die Flucht von Edmond Dantè und der anschließende Rachefeldzug sind von so vielen verschiedenen Bildern einer scheinbar unendlich großen Welt geprägt, dass man als Leser immer wieder überrascht ist. Ich liebe dieses Buch und selbst wenn jemand einen entspannten Badeurlaub plant, kann er mit diesem Buch zu einem Abenteuer werden.

Das vierte Buch Der Blumenkrieg von Tad Williams, das liegt so neben der Spur, dass man es praktisch immer und überall lesen kann. Es handelt von Theo, einem erfolglosen Rockstar, der in einem Märchenland landet, das sich als alles andere als traumhaft offenbart. Irgendwie sehr passend, wenn man selbst auf Reisen ist und dann zusätzlich nochmal, praktisch rekursiv in eine zweite Traumwelt abdriftet. Fantasy von ganz hoher Qualität, mit einer hervorragenden Spannungskurve. Ich habe das Buch vor vielen Jahren gelesen und würde es mir für Unterwegs nun wohl als Taschenbuch nochmal besorgen. Ein perfekter Begleiter für eine Reise, die vielleicht ohnehin schon traumhaft anmutet, weil man fernab der Zivilisation unterwegs ist.

Am Ende wäre es aber wohl vermessen zu sagen, dass ein Buch ganz besonders gut für die Reise geeignet ist. Außer vielleicht der passende Reiseführer. Wenn aber Buch und Urlaubsziel gut zusammen passen, dann wird das Lese- und Reisevergnügen dadurch nur noch größer. Insbesondere dann, wenn man es mit dem/der Liebsten teilt.“

Wie wahr, lieber Tobi! Uns zieht es auch meist ans Meer. Und auch ich kann, wenn ich Blick aufs Meer habe, mindestens ebenso viel Zeit damit verbringen, aufs Meer zu schauen (und natürlich nette Sachen zu unternehmen) wie mit dem Lesen. Ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen! Ich freue mich auf weitere Bücherkoffer der Saison : )

 

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Lektürenotizen & Neuzugänge

Manesses1In letzter Zeit las und lese ich wieder viel Autobiographisches: Sitwell, Agnelli, Millers Kunst des Lesens, FJRs Tagebücher. Und ich freue mich über wunderbare Neuzugänge in meiner Bibliothek: 38 Manesse-Bändchen warten darauf, einen gebührenden Platz in meinen Regalen zu finden.

Edith Sitzwells Mein exzentrisches Leben enthält unter anderem interessante Erläuterungen zu ihrer Auffassung von Poesie, Rhythmus etc. sowie lustige Seitenhiebe auf die Folgen künstlerischen Tuns und Lebens (Kritiker, eigentümliche Briefe angehender Poeten, absurde Bittbriefe …). Anschließend las ich Wir trugen immer Matrosenkleider, die Lebenserinnerungen Susanna Agnellis; schöne Passagen und runtergeschriebene im Wechsel, erstaunlich unpolitisch in Teilen, las sich dennoch nett weg, allerdings ohne allzu bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Und nun der FJRschen Tagebücher zweiter Teil, die sich wieder großartig anlassen. Unterwegs in der Straßenbahn Henry Millers Kunst des Lesens, das sich gut für Leute eignet, die Bücher über Bücher, das Lesen etc. schätzen. Dazwischen genieße ich meine Augenweiden, zum Beispiel Caspar Hendersons Wahre Monster und immer mal wieder den herrlichen Band über Ernst Haeckels „Kunstformen der Natur“ und „Kunstformen aus dem Meer“.

Manesses2Von einem lieben Menschen bekam ich einen ganzen Schwung wunderhübscher Manesse-Bändchen, die aus dem Nachlass seiner Eltern stammen. Ich bin ihm sehr dankbar und voll Vorfreude auf die Perlen, die es zu entdecken gilt, sowie auf etliche Titel, die ich sowieso schon immer mal lesen wollte, aber bislang nicht zur Hand hatte. Dank ihres zierlichen Formats eignen sich die Bändchen zudem perfekt für unterwegs. Nun muss ich nur noch einen schönen Platz für sie finden. Ihr Format ermöglicht Zweireihiges, die dahinter liegenden Bücher wären zwar schlechter zugänglich, aber noch sichtbar. Oder ich sortiere wieder ein paar Bücher aus, mal sehen. Bis dahin können sich die Büchlein noch ein bisschen auf unserem Gästebett ausruhen.

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