Monthly Flavors: Griechenlands Aroma für zuhause

Als ob die Ferien nie zu Ende gingen: Mein Liebster stellt auf seinem Blog eine tolle Idee aus Griechenland vor, wie man das Urlaubsfeeling, zumindest kulinarisch und olfaktorisch, über’s ganze Jahr ausdehnen kann.

Veröffentlicht unter Virtuelle Ausflugsziele | Verschlagwortet mit , , , , , , | 10 Kommentare

Letzte Chancen: Ganz weit weg

Nun ist es also doch nicht mehr aufzuhalten gewesen: Der Eisenhut Verlag, bei dem mein Buch Ganz weit weg. Leselust und Reisefieber erschien, muss schließen. Ein feiner, kleiner Verlag mit einem schönen, sehr vielseitigen Programm. Mir gefiel auch der Reihentitel „Bibliotope“, zu dem mein Buch gehörte, wunderbar. Denn in Bibliotopen habe ich mich schon immer wohl gefühlt. Doch die schönste Unternehmung kann sich nicht halten, wenn sie nicht wirtschaftlich ist.

Für uns Autorinnen und Autoren bedeutet das nicht nur, bald ohne Verlagsheimat zu sein – was auch im Blick auf geplante Bücher sehr schade ist. Die Bücher, die bisher beim Eisenhut Verlag erschienen sind, wird es bald nicht mehr zu kaufen geben. Ihr habt noch bis Mitte November die Möglichkeit, Ganz weit weg zu bestellen. Bei eurer Lieblingsbuchhandlung, online beim Versandbuchhandel oder direkt beim Eisenhut Verlag.

Wink mit dem Zaunpfahl: Ich suche nun natürlich nach einem Verlag für mein nächstes Buchprojekt (Arbeitstitel: Die Gefahren des Lesens. Essays zu Risiken und Nebenwirkungen). Beim ersten Buch habe ich meinen Verlag über eine Empfehlung gefunden – vielleicht klappt es ja beim zweiten wieder.

Veröffentlicht unter Mensch und Buch | Verschlagwortet mit , , , , , | 35 Kommentare

Virtuelle Ausflugsziele für Bibliophile, Nr. 3

Für alle, denen es heute (wie mir) zu heiß für einen schönen Ausflug ist, habe ich wieder ein paar virtuelle Ausflugsziele zusammengestellt. Viel Spaß!

66 Bookstores on Route 66

So der Titel des englischsprachigen Beitrags, der mir Lust macht, am liebsten gleich meine Siebensachen zu packen und mich auf ebendiese Tour zu begeben. Vielleicht klappt es ja mal eines Tages. Muss ja nicht im Hochsommer sein.

Jede Menge tolle Buchhandlungen – weltweit

Lust auf weitere Buchhandlungen? Dann hilft dieser Link weiter zu den „World’s coolest bookstores“. Eins meiner Highlights ist die Buchhandlung in Portugal, die offenbar besonders bei Touristen so beliebt ist, dass der Laden inzwischen Eintritt nimmt. In der „Powell’s City of Books“ in Portland war ich vor 15 Jahren selbst und schwer begeistert, ja, fast schon ein bisschen erschlagen vom Angebot. Auch im „Strand“ in New York war ich, fünf Jahre ist das schon wieder her! Und kaufte dort ein ganz besonderes Buch, Penny Wise and Book Foolish von Vincent Starrett. Besonders, weil ich zum ersten Mal dem Büchersammelfieber bei einem – für meine Verhältnisse – teuren Buch erlag.

Literarisch Reisen

Ein prima Konzept, finde ich: Das Unternehmen Literarisch Reisen bietet Reisen für Bücherfreundinnen und -freunde an. Man kann sich nach Themen, Zielen oder großen Schriftstellerinnen und Schriftstellern das Passende heraussuchen. Da die Reiseinhalte, hat man in den Boxen eine ausgewählt, in PDFs gut beschrieben sind, eignet sich die Seite auch prima, wenn man für sich allein oder zu zweit ein paar Inspirationen für eine literarische Reise sucht.

Veröffentlicht unter Virtuelle Ausflugsziele | Verschlagwortet mit , , | 15 Kommentare

Naturgeschichte der Gespenster

Als Fan der wunderhübschen Reihe „Naturkunden“ aus dem Verlag Matthes & Seitz und weil ich Schauergeschichten mag, war ich natürlich nicht zu halten, als ich von der Naturgeschichte der Gespenster. Eine Beweisaufnahme erfuhr. Allerdings war das Buch inhaltlich ganz anders als erwartet. Dennoch habe ich Roger Clarkes unterhaltsamen Führer durch die Welt der Gespenster, Spuks und Spiritisten sehr gern gelesen.

Ich weiß gar nicht genau, was ich erwartet hatte von der Lektüre. Den ein oder anderen wohligen Schauder? Kalte Schauer vielleicht, die mich beim Lesen überlaufen? Die wären mir bei dieser Hitze jedenfalls sehr zupass gekommen. Auf jeden Fall mehr Berichte, in denen die Echtheit verschiedener Spukerscheinungen zumindest im Bereich des Möglichen liegen könnte. Zumindest etwas, wovor mich wenigstens leicht gruseln würde. Außerdem auch mehr internationale geisterhafte Erscheinungen aller Art. Tatsächlich aber bewegt sich Roger Clarke doch vornehmlich im englischen Spukraum, möglicherweise verhelfen ja dort die vielen Herrenhäuser, Schlösser und die Witterung (Nebel!) den mannigfachen Gespenstergeschichten zu besonderem Erfolg.

Clarke erzählt durchaus von allerlei tendenziell gruseligen Begebenheiten, doch die meisten davon stellten sich (leider) früher oder später als Schwindel heraus. Sein Schreibstil wirkt, bei aller Begeisterung für Schauerliches, eher nüchtern, skeptisch gegenüber paranormalen oder übernatürlichen Ereignissen. Vielleicht gerade weil Clarke so viele dieser Geschichten bis zu ihrem Ende recherchierte, an dem sie sich letztlich einfach nur als – tja – Geschichten erwiesen. Übersetzt hat das Buch übrigens Hainer Kober.

Gegruselt habe ich mich an keiner Stelle, nicht mal ein klitzekleines Bisschen. Aber gut unterhalten. Und man lernt ja auch etwas bei der Lektüre, etwa über die Klassengesellschaft der Gespenster. Die nämlich teilt sich in acht Klassen: Elementar-, Polter-, traditionelle/historische Geister, Manifestationen mentaler Abdrücke, Krisengeister, Zeitsprünge, Geister Lebender und unbelebte Spukobjekte. Die Einteilung stamme übrigens von Peter Underwood. Im Folgenden erklärt Clarke dann, was genau unter den einzelnen Kategorien zu verstehen sei. Auch interessant, dass ausgerechnet viele Errungenschaften der Technik, mit denen man sich wissenschaftliche Aufschlüsse über Spukerscheinungen und andere übernatürliche Phänomene erhoffte, gerade dazu genutzt wurden, welche vorzutäuschen (z. B. frühe Fotografien, Röntgenbilder etc.). Außerdem ist zu erfahren, dass beispielsweise Dienstmädchen gern angebliche Spukerscheinungen inszenierten, um damit ihre amourösen Abenteuern zu vertuschen. Alles in allem sind diese Geister also sehr menschlich (und amüsant).

Mich erinnerte vor allem dieser so menschliche Aspekt an eine Gruselgeschichte, die ich vor vielen Jahren einmal las. Leider weiß ich nicht, von wem sie geschrieben wurde (vielleicht kennt ihr sie?), sie ging ungefähr so: Eine Frau träumt jede Nacht von einem ganz bestimmten Haus, durch das sie in ihren Träumen streift. Eines Tages (ich glaube, sie hatte eine Autopanne) befindet sie sich in einer ihr unbekannten Gegend und sieht in der Ferne ein Haus, auf das sie zugeht. Beim Näherkommen erkennt sie das Haus aus ihren Träumen wieder. Sie läutet und ein Hausdiener öffnet die Tür. Er erbleicht, sie fragt warum, er erklärt ihr, dass es in dem Haus spuke und sagt zu ihr: „Das Gespenst, Madame, waren Sie.“ Im Unterschied zu dieser doch etwas unheimlichen, weil unerklärlichen Geschichte sind die Gespenster, über die Clarke berichtet, am Ende meist zu erklären, von Menschen erdacht, inszeniert, vorgetäuscht.

Wunderschön ist natürlich wieder die ganze Aufmachung dieses Bands und die Fotografien sind faszinierend, insbesondere die zu Beginn eines neuen Kapitels; die sahen wirklich etwas gruselig aus.

Veröffentlicht unter Lesenswertes | Verschlagwortet mit , , , , | 16 Kommentare

Der Werbe-Rabe

RabenturmDie Nummer 45 des Literaturmagazins Der Rabe behandelt in vielfältigen Beiträgen die Freuden, vor allem aber die Leiden der Werbetreibenden und derer, die in der ein oder anderen Weise die Werbung zur Kenntnis nehmen (müssen). Also eigentlich von allen.

Es beginnt schon wieder höchst vergnüglich, gleich im ersten Beitrag von Ono Mothwurf ein Zitat von Jacques Seguela: „Sagen Sie meiner Mutter nicht, daß ich in der Werbung arbeite. Sie denkt, ich bin Pianist in einem Bordell.“ Mit diesem Zitat, das übrigens in mehreren Beiträgen dieses Raben auftaucht, ist natürlich die Marschrichtung weitgehend vorgegeben. Deshalb fand ich auch besonders jene Beiträge besonders gut, die nicht einfach nur ins Lamento über die dämliche Werbung und die bösen Manipulierer einstimmen, beispielsweise den gerade erwähnten „Ich bin Werber. (Bin ich nicht).“ von Mothwurf, „Glanz und Elend des Erfolgs“ von Howard Luck Gossage oder besonders auch „Für ein Pflichtjahr in der Werbung. Ein durchaus ernstgemeinter Vorschlag“ von Karl Michael Armer.

Da es das wunderbare Literaturmagazin Der Rabe ja leider nicht mehr gibt, müsst ihr bei Interesse nach Exemplaren aus zweiter Hand Ausschau halten. Hier geht’s zum kompletten Inhaltsverzeichnis der Nr. 45.

Veröffentlicht unter Lesenswertes | Verschlagwortet mit , , , , , , | 11 Kommentare

Ernst Haeckels Kunstformen

Meer_KunstWer wollte bestreiten, dass die Natur die kunstvollsten Formen hervorbringt? Einen der schönsten Beweise hierfür lieferte Ernst Haeckel Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Kunstformen der Natur und Kunstformen aus dem Meer.

Ernst Haeckel. Kunstformen der Natur – Kunstformen aus dem Meer, herausgegeben von Olaf Breidbach, ist ein prächtiger Band, der mit knapp 25 Euren wirklich günstig ist. Darin finden sich außer den wunderschönen Tafeln mit Ernst Haeckels Illustrationen zu Radiolarien sowie zu allen möglichen Pflanzen und Tieren auch mehrere erhellende Texte des Herausgebers und ein interessanter Text von Irenäus Eibl-Eibesfeld zu unseren Sehgewohnheiten und natürlich zu „Ernst Haeckel – Der Künstler und Wissenschaftler“.

Haeckel war Zoologe und Evolutionsbiologe, Direktor des großherzoglichen zoologischen Museums in Jena und Bestsellerautor (würde man heute sagen). Ende des 19. Jahrhunderts war er international berühmt geworden mit seiner Publikation Welträthsel, die sich auf Deutsch 450.000mal verkaufte und in 27 Sprachen übersetzt wurde. Von 1899 bis 1904 veröffentlichte er in Einzelblättern die Kunstformen der Natur.

Geboren wurde er 1834, studierte Medizin und Naturwissenschaften und präsentierte die ersten Ergebnisse seiner Radiolarienforschung 1860. 1862 dann erschien die Monographie dieser „allerreizendsten Tierchen“ (so Haeckel in einem Brief von 1860 an seine Verlobte) mit einem Atlas von 35 Kupfertafeln. Diese Tafeln sind zunächst einmal faszinierend und überaus dekorativ. Vor Lektüre des Bandes hatte ich nie von Radiolarien gehört. Es sind, wie ich nun aus dem Bildband erfuhr, Mikroorganismen, die es seit dem Präkambrium gibt (welches vor etwa 545 Mio. Jahren endete). Ihre kugelförmigen Gehäuse, auch ihre Komplexität im Vergleich zu ihren einfacher strukturierten Verwandten, den Amöben, faszinierten den Forscher. Es gibt 5000 verschiedene Arten dieser Radiolarien, die auch Strahlentierchen genannt werden. Zu Haeckels Zeiten waren erst mehrere Hundert bekannt. Haeckel beobachtete und untersuchte sie genauestens, seine Gliederungsmuster sind bis heute grundlegend für die Forschung. Seine Darstellung der Radiolarien faszinierte viele seiner Betrachter nachhaltig, Haeckel, dessen Illustrationen von der Sichtweise seiner Zeit, auch vom Jugendstil beeinflusst war, wirkte wiederum selbst auf diesen ein. So wurde eine seiner Radiolarien-Illustrationen das Vorbild für das Monumentaltor zur Pariser Weltausstellung. Wie jenes Tor aussah, seht ihr beispielsweise hier.  Wunderbarerweise finden sich im Internet seine Tafeln zu Kunstformen der Natur. Weitere Infos zu diesem wirklich herrlichen Band gibt es hier.

Veröffentlicht unter Lesenswertes | Verschlagwortet mit , , , , , | 24 Kommentare

Bücherkoffer Nr. 27 von Claudia/Über den Kastanien

Claudias Blog Über den Kastanien gehört zu jenen Blogs, die die Behauptung, Blogartikel müssten kurz sein, um gelesen zu werden, für mich aufs Schönste widerlegen. Denn ihre Beiträge sind so interessant, dass ich sie auch und besonders wegen ihrer Ausführlichkeit schätze. Ihren Bücherkoffer packt Claudia ebenfalls nicht so nebenbei.

Zuletzt beeindruckt hat mich Claudias Beitrag „Kafka in Berlin“. Der ist nun wieder ein Weilchen her, aber ich hoffe, es folgen noch weitere ihrer hochinteressanten Artikel. Bis dahin freue ich mich über den Bücherkoffer (oder besser: den Bücherrucksack), den sie für uns gepackt hat.

Bücherrucksack_Claudia_Kastanien

„Urlaub ohne Bücher wäre für mich undenkbar. Schon meine Eltern schleppten in jeden Ostseeurlaub eine Tasche mit Büchern mit. Am Meer angekommen gingen wir bald in die Kurbibliothek, wo auch wir Kinder uns noch zusätzliche Ferienlektüre ausliehen. Als wir älter wurden, lasen wir die Bücher oft reihum und der Austausch darüber gehörte zum Urlaub dazu.

Leseparadies in der Maremma

Seit drei Jahren fahren wir nun jeden Sommer in die südliche Toskana, immer an denselben Ort, einem idyllisch gelegenen Bauernhof. Hier, inmitten der Natur nur mit dem wirklich für uns notwendigen Dingen umgeben, können wir uns wirklich erholen. Es gibt genügend stille schattige Plätzchen zum Lesen: die versteckte Hängematte zwischen Bäumen, das Hängebett mitten im Wald oder wenn es gar zu heiß wird, auch das Bett im Haus. Ich lese am liebsten abends auf der von Weinreben eingerahmten Terrasse vor unserer Wohnung mit Blick auf die grünen Hügel, auf denen langsam die Lichter in den kleinen Dörfern angehen. Ab und zu kommt mal eine Katze vorbei und legt sich auf die kühlen Terrassenfliesen oder der Hahn fliegt mit viel Anstrengung auf das Dach des Schuppens. In der Dämmerung werden die Zikaden plötzlich noch mal sehr laut nach dem sie tagsüber fast verstummt sind. Doch auch das stört mich nicht beim Lesen und Träumen.“

HängebettimWald_Claudia_Kastanien

„Der Bücherkoffer oder eigentlich der Bücherrucksack ist immer voll und es fällt mir schwer, mich zu beschränken. Es soll nämlich für jede Lesestimmung das passende Buch vorhanden sein. Eigentlich wollte ich mir deshalb einen E-Book-Reader anschaffen, habe mich dann aber doch fürs Erste dagegen entschieden. Zu groß ist mir die Gefahr des Herumzappens. Schon jetzt lese ich immer mehrere Bücher parallel und manchmal geht das auch zu Lasten des wirklich intensiven Verständnisses.

Für alle Fälle steht uns auch noch eine große Bibliothek in unserem Feriendomizil zur Verfügung. Die deutschen Besitzer haben eine sehr schöne Büchersammlung u. a. mit Klassikern der Weltliteratur, wo ich mir auch schon so manche Leseanregung holte. Im ersten Jahr traute ich mich zum Beispiel mal, bei Arno Schmidt rein zu lesen, denn da standen seine gesammelten Werke und ich konnte ein bisschen mehr verstehen, was seine Fans an diesem Autor so reizt.

Genug der langen Vorrede, jetzt folgt der Inhalt meines Bücherrucksacks für den diesjährigen Sommerurlaub:

Reiner Stach Kafka – Die frühen Jahre

Biographien oder biographische Literatur dürfen auf keinen Fall fehlen in meinem Buchgepäck. In den letzten Jahren hatte ich immer Bücher über Hermann Hesse dabei. Auf unseren Reisen nach Italien und wieder zurück nach Deutschland konnten wir uns passend dazu in Montagnola, Calw und Gaienhofen einstimmen oder das Gelesene nachwirken lassen. Kafka hat zwar auch Italien besucht, aber Riva am Gardasee (gehörte damals allerdings zu Österreich-Ungarn) und Venedig liegen (diesmal) nicht auf unserer Reiseroute. Kafka habe ich, angeregt durch einen Prag-Besuch im vergangenen Jahr, wieder für mich entdeckt und ich bin deshalb schon sehr gespannt auf das dreibändige biografische Mammutwerk, das der Literaturwissenschaftler und Lektor Reiner Stach 2014 nach 18 Jahren intensiver Recherchearbeit fertig gestellt hat.

Der Schreibstil Reiner Stachs wurde vielfach gelobt und die Kafka-Biografie soll wohl auch mehr in der Art eines biografischen Romans geschrieben sein. Es erwartet mich also keine trockene Biografie und das steigert natürlich noch meine Vorfreude auf dieses Buch. Der Band Kafka – Die frühen Jahre, welcher in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Sachbuch nominiert war, erschien erst im Herbst 2014, obwohl er chronologisch natürlich der erste ist. Das hängt mit den dürftigen Quellen zusammen, die für diesen Abschnitt von Kafkas Leben zur Verfügung stehen. Es gibt aus den frühen Jahren keine Tagebücher und es sind auch nur wenige Briefe erhalten. Bisher unveröffentlichte Briefe und Tagebücher von Kafkas Freund und Nachlassverwalter Max Brod wären sicher eine große Hilfe bei der Recherche gewesen. Leider ist der Nachlass von MaxBrod aber immer noch juristisch umkämpft. Reiner Stach konnte für Die frühen Jahre wenigstens einige unpublizierte Notate von Max Brod auswerten.

Anne von Canal Der Grund

Für eine gedankliche Abkühlung zur Siestazeit kann vielleicht der Debütroman der Autorin mit dem wunderschönen Namen Anne von Canal beitragen. Das Buch Der Grund aus dem mareverlag handelt im hohen Norden, genauer gesagt in Schweden und Estland. Anne von Canal, Jahrgang 1973, arbeitete viele Jahre in Verlagslektoraten bevor sie selbst zu schreiben anfing. Nach Germanistik und Anglistik studierte sie auch Skandinavistik. Erst für dieses Studienfach entwickelte sie Leidenschaft, ein Jahr lebte sie in Oslo.

Laurits Simonsen, der eigentlich Konzertpianist werden wollte, besteht unerwarteter Weise die Prüfung am Musikkonservatorium nicht. Er beugt sich dem Wunsch des Vaters und wird Mediziner. Mit Frau und Tochter lebt er scheinbar ein glückliches Leben. Bis es auf einem Familienfest zu einem Eklat kommt und ihm deutlicher als vorher bewusst wird, welchen Einfluss sein dominanter Vater auf sein Leben hatte und auch noch hat. Laurits trifft zum ersten Mal eine wirklich selbständige Entscheidung, mit dramatischen Folgen. Das klingt nach einer spannenden Lektüre mit gleichzeitig psychologischen Tiefgang.

Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich durch die differenzierten Besprechungen vom Kaffehaussitzer und von Thomas Brasch, der den Roman gern für den Deutschen Buchpreis nominiert hätte. Wie viel Einfluss kann man auf seinen eigenen Lebenslauf nehmen? Wie ist das Verhältnis zwischen Fremd- und Selbstbestimmung und wie oft kann man neu anfangen? Das sind Fragen, die sich beide Rezensenten stellen und die mich neugierig machen auf die Antworten, die der Roman vielleicht hierfür in petto hat.

Klaus Modick Konzert ohne Dichter

Das Buch wanderte gleich nach Erscheinen auf meine Lesewunschliste, denn die Künstlerkolonie Worpswede fasziniert mich schon lange. Mehrmals habe ich den Ort besucht und mir gefällt es dort immer wieder gut trotz der touristischen Vermarktung, der vielen Besucher und der überall anzutreffenden vor allem weiblichen Hobbymaler. Bisher wandelte ich vor allem auf den Spuren von Paula Modersohn-Becker, die sogar in meiner Heimatstadt geboren wurde, was ich erst spät erfuhr, da man sich in Dresden meist mit anderen Kindern der Stadt schmückt. Ich habe mit Begeisterung viel über sie und ihre Beziehungen zu den Künstlerfreunden und -freundinnen gelesen, sowohl in Ausstellungskatalogen, Biographien, Tagebüchern als auch in biografischen Romanen und natürlich habe ich mir ihre Bilder angesehen wo immer es für mich möglich war.

Klaus Modicks Roman dreht sich nun vor allem um die Künstlerfreundschaft zwischen dem Maler Heinrich Vogeler und Rainer Maria Rilke. ‚Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff‘, das berühmte Gemälde Vogelers, diente dem in Oldenburg geborenen Autor als Inspiration für sein Buch. Wie die Idee zu seinem Roman entstand ist hier in einem Interview mit Radio Bremen auf der Leipziger Buchmesse nachzuhören.

Leider ist es mir noch nie gelungen bei meinen Worpswede-Besuchen, den ‚Barkenhoff‘ von innen zu sehen. Zweimal reichte die Zeit, die bei Tagesbesuchen ohnehin immer knapp ist, nicht aus und einmal hatte das Museum wegen Ausstellungswechsel geschlossen. Den Garten habe ich mir allerdings angeschaut und konnte mir gut die sommerabendlichen Treffen der Künstlerfreunde vorstellen.

Modicks Romanhandlung setzt im Jahr 1905 zu einer Zeit ein, in der Heinrich Vogeler auf dem Höhepunkt seines Erfolges ist und doch von Zweifeln geplagt wird, ob er seine künstlerische Eigenständigkeit bewahren kann oder sich zunehmend vom Kunstmarkt beeinflussen lässt. Der Jugendstilkünstler malte nicht nur sondern war auch im kunstgewerblichen Bereich tätig. Er entwarf Möbel, Bestecke, Gläser und war damit sogar erfolgreicher als mit seinen Bildern. Im Bremer Rathaus stattete er die sogenannte ‚Güldenkammer‘ vollständig im Jugendstil aus. Während des ersten Weltkrieges wandte er sich dem Expressionismus zu. Er sympathisierte mit der Arbeiterbewegung und gründete 1919 eine Kommune mit angeschlossener ‚Arbeitsschule‘ auf dem Barkenhoff. Vogeler ging 1931 in die Sowjetunion und starb dort 1942 unter tragischen Umständen.

Auf dem berühmten Gemälde fehlt Rainer Maria Rilke, der Dichterfreund Vogelers. Die Freundschaft der beiden, welche ohnehin fragil war, zerbricht. Mich hat es schon immer etwas verwirrt, dass auf dem Bild alle Menschen so unglücklich aussehen. Ich hatte mir einen Sommerabend auf dem Barkenhoff irgendwie beschwingter und heiterer vorgestellt. Doch es scheint so zu sein, dass in der Künstlerkolonie sehr viele verschiedene und manchmal auch schwierige Charaktere aufeinander treffen. Folgerichtig entwickeln sich die Lebensläufe der Künstler nach der gemeinsamen Zeit auch sehr unterschiedlich. Klaus Modick soll Rilke, dessen Frühwerk er kitschig findet, etwas vom Sockel herunter gehoben haben, in dem er seine Unfähigkeit lebenspraktische Dinge zu bewältigen, thematisiert. Immerhin schätzte Rilke aber als einer der wenigen die Werke seiner Freundin Paula Modersohn-Becker und kaufte ihr als erster eines ihrer Bilder ab.

In einer Bemerkung im Buch benennt der Autor Klaus Modick die Recherchequellen für seinen Roman, warnt aber ausdrücklich davor, die Geschichte als reine Wahrheit auf zu fassen. Die drei Tage, um die sich die Handlung rankt, sollen wohl in etwa so abgelaufen sein wie beschrieben. Die Rilke-Zitate, zum Beispiel, sind aber anderen Zusammenhängen entnommen. Flattersatz hat auf seinem Blog das Buch ausführlich besprochen. Er merkt an, dass es für jemanden, der nicht gerade Kunsthistoriker ist, sehr schwer ist, zwischen Wirklichkeit und Fiktion in diesem Buch zu unterscheiden. Es besteht die Gefahr, dass das Gelesene sich als historische Wahrheit im Gedächtnis festsetzt. Ein Umstand der mich als Leserin von biographischen Romanen oder Büchern mit starkem historischen Bezug schon lange beschäftigt. Wie viel Fiktion vertragen diese Bücher, um für mich glaubhaft zu sein oder zumindest eine Wahrheit zu transportieren? Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf dieses Buch und hoffe auch, dass ich die Sprache, die manche Rezensenten zu weilen als sehr schwülstig, dem Jugendstil angepasst, beschrieben, beim Lesen aushalten kann.

Katja Petrowskaja Vielleicht Esther

Für ihre Erzählung Vielleicht Esther erhielt die 1970 in Kiew geborene Autorin 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2014 erschien ihr gleichnamiges Buch. Seitdem steht es auch auf meiner Wunschliste, denn es enthält Katja Petrowskajas Suche nach ihren familiären Wurzeln, ein Thema, welches mich in seiner unterschiedlichen literarischen Umsetzung meist unmittelbarer berührt als andere, die weniger mit meinem Leben zu tun haben. Die Autorin geht davon aus, dass jeder so seine Wahrheit der eigenen Familiengeschichte im Kopf hat. Man kennt die Geschichten, die in der Familie erzählt werden, schaut Fotos an und hat natürlich die eigenen Erinnerungen. Doch ist das schon wirklich die Wahrheit? Katja Petowskaja versucht in einzelnen Geschichten der Wahrheit nahe zu kommen und doch bleibt vieles im Ungewissen. Der Umschlag des Buches zeigt Notizen der Großmutter der Autorin, die in den letzten Lebensjahren ihre Memoiren aufschrieb, auch noch als sie schon vollständig blind war. Katja Petrowskaja hat ihre Familiengeschichte, die sehr vielgestaltig ist, in einzelnen Erzählungen festgehalten. Sie enthalten keine Fiktion, sind aber in einer poetischen Sprache abgefasst, die mir beim Reinlesen gleich gefallen hat. Katja Petrowskaja schrieb das Buch nicht in ihrer russischen Muttersprache sondern in deutscher Sprache, welche sie erst mit 26 Jahren begann zu lernen. Hier kann man sich ein Interview mit der sympathischen Autorin ansehen.

Literatur aus Italien

Ich fühle mich als Ignorantin der Kultur unseres Gastgeberlandes, wenn ich keine italienische Literatur dabei habe. Deshalb ist jetzt jedes Mal wenigstens ein Buch eines italienischen Autors im Gepäck. Nachdem ich letztes Jahr kein Leseglück mit den Erzählungen von Elsa Morante hatte, deren Düsternis ich damals gerade nicht ertragen konnte, will ich es diesmal mit Italo Calvino versuchen, von dem ich tatsächlich noch nie etwas gelesen habe, was sicher ein großes Versäumnis ist. In der Bibliothek suchte ich mir Wenn ein Reisender in einer Winternacht aus, laut Klappentext sein internationaler Durchbruch.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, diesmal etwas häufiger in mein Italienischlehrbuch für den Urlaub zu schauen bzw. zu hören. Nicht immer sind alle Speisekarten ins Englische übersetzt und es ist einfach schön, wenn man mit einigen italienischen Floskeln in Geschäften oder Cafés gleich noch viel freundlicher bedient wird. In den abseits der Touristenströme gelegenen Dörfern der Maremma spricht auch nicht jeder Bewohner englisch und deutsch schon gleich gar nicht.

In diesem Sinne wünsche ich euch ‚Buone vacanze‘und einen schönen Lesesommer!“

Ein toller Bücherrucksack, liebe Claudia! Dir ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen und einen wunderschönen Urlaub : )

 

Veröffentlicht unter Bücherkoffer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 13 Kommentare