Oscar Wilde

Was kann ich noch über ihn schreiben, was nicht alle sowieso schon wissen, gehört haben, gesehen auf Bühnen oder in Filmen oder selbst gelesen? Vielseitiger Schriftsteller, auffallende Erscheinung, eloquenter Ästhet, dessen verbotene Liebe ihm zum Verhängnis wurde. Beginnen wir mit einer Zeitreise.

Wir reisen nach 1854 – mitten hinein ins Viktorianische Zeitalter. Victoria ist seit 1837 Königin und wird dies bis 1901 bleiben; ihr Mann lebt noch. Großbritanniens Wirtschaft boomt zwischen 1850 und 1875, nicht zuletzt wegen der für England günstigen Auswirkungen der industriellen Revolution. London wird wichtigster Bankenstandort der Welt. Die Bevölkerung wird sich bis zum Ende des Viktorianischen Zeitalters verdoppelt haben, die Lebensumstände verbessern sich. Aber die Arbeitsbedingungen für Land-, Fabrik oder auch Bergbauarbeiter waren nicht rosig, trotz neuer Gesetze zu Bedingungen und Arbeitszeit in den 1830er und 40er Jahren. Nur etwa zehn Prozent der Industriearbeiter und Handwerker besaßen eine Ausbildung und konnten sich vielleicht mehr leisten, als ein einfaches Zimmer für die ganze Familie. In Irland, das seit 1801 zum Königreich gehörte, gab es in den 1840er Jahren eine gewaltige Hungersnot, bei der wahrscheinlich eine Million Menschen verhungerten und wohl zwei Mal so viele auswanderten, viele davon in die USA, nach Kanada und nach Großbritannien. Immer wieder Aufstände gegen die britische Regierung. Erst 1869 wurde die Anglikanische Kirche in Irland als Amtskirche abgeschafft. Die soziale Unzufriedenheit war hoch, die englischen Grundbesitzer beuteten ihre irischen Pächter aus.

Was Literatur anging, so waren realistische Romane beliebt, z. B. von Dickens, Thackeray oder den Brontës; aber auch Gedichte, z. B. von Tennyson (seit 1850 Poet Laureate) oder Elizabeth Barrett Browning; Lear, der Dichter herrlicher Nonsens-Gedichte, wurde ebenfalls gern gelesen. In der Kunst hatte sich 1848 die Gruppe der Präraffaeliten zusammengeschlossen, deren Werke stark an Mittelalter und Renaissance denken lassen. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist vielleicht Dante Gabriel Rossetti. Wilde wird Anfang der 1880er Jahre für sie Werbung machen auf seiner langen Vortragsreise durch Nordamerika.

Das also ist die Zeit, in die Oscar Wilde im Jahre 1854 hineingeboren wurde.

Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde (1854 – 1900)

Aber, ach: Was kann ich noch über ihn schreiben, was nicht alle sowieso schon wissen, gehört haben, gesehen auf Bühnen oder in Filmen oder selbst gelesen? Zu meinen persönlichen Favoriten gehören The Happy Prince, The Picture of Dorian Gray, The Importance of Being Earnest, Lady Windermere’s Fan, „De Profundis“, „The Ballad of Reading Goal“, seine Essays, seine Bonmots, tausendfach zitiert und immer noch witzig in ihrer Umkehr gängiger Vorstellungen, ihrer Coolness, ihrer Egozentrik und, ja, auch ihrer Wahrheit.

Weiß man nicht schon alles über sein Leben? Der Ire mit der dichtenden, etwas überspannten Mutter, „Speranza“, die einen Salon führte, dem berühmten Arzt-Papa, die Eltern selbst schon Zielscheibe der Karikaturisten wie später auch ihr Sohn. Oscar, der Student, erst am Trinity College in Dublin, dann dank eines Stipendiums in Oxford, am Magdalen College, schon früh auffallend durch Kleidung, Stil und Geist. Erste Erfolge, seine Vortragstournee durch die USA und Kanada, wo er über seine ästhetischen Überzeugungen referierte, Paris, eingebettet in weitere Tourneen durch England und Schottland seine Hochzeit, weitere Erfolge mit seinen Märchen, seinem Dorian Gray, später mit seinen herrlich pointierten Gesellschaftskomödien.

Und die andere Seite. Eine Liebe zu einem Mann, Beziehungen zu männlichen Prostituierten. Der Skandal, der Prozess, die Wildes bankrott, Oscar zu Zwangsarbeit verurteilt. Und noch immer nicht verstummt, nur geächtet, seine erfolgreichen Stücke ohne Nennung des Autors aufgeführt. Das Exil in Paris, letzte Station, er nennt sich Sebastian Melmoth, nach der Figur aus einem Roman seines Großonkels Charles Robert Maturin. Arm, allein, ein trauriger Tod – selbst dieser noch mit „Zitaten“ Oscars dekoriert: „Entweder geht diese Tapete – oder ich“. Ach, Oscar, was kann ich über dich schreiben, was nicht schon alle wissen, gehört haben, selbst gesehen oder gelesen? Tausendfach zitiert!

Ein paar Lektüreempfehlungen

Ich empfehle allen, die sich (noch einmal) eingehender mit seinen Werken befassen möchten, die kritische Ausgabe seiner Hauptwerke Oscar Wilde, herausgegeben von Isobel Murray bei der Oxford University Press. Dazu die Biographie von Richard Ellmann und fürs Auge das Oscar-Wilde-Album, zusammengestellt von seinem Enkel Merlin Holland. Es zeigt all die Bilder, die wir zu kennen meinen von diesem großen, kräftigen, faszinierenden Mann. Gern in Pose geworfen, gern außergewöhnlich gekleidet.

Ein Dandy?

Ich finde schon. Wilde war für mich der erste Dandy, mit dem ich mich beschäftigt habe, damals während meines Studiums. Er war sogar eines meiner Prüfungsthemen. Mag sein, dass er kein Brummel-Dandy war, also vereinfachte Kleidung nicht sein Thema war, doch sicher ungewöhnliche, die er so selbstbewusst trug, dass er nicht einmal verkleidet oder kostümiert wirkte.

Mag seine Mode nicht stilbildend gewesen sein, die Zeiten hatten sich seit der Regency-Zeit auch gründlich geändert. Ein Dandy hatte es nun deutlich schwerer, denn sein Publikum hatte sich quasi verzehnfacht; zur dünnen Adelsschicht gesellten sich nämlich nun auch die „Neureichen“, der Finanzadel. Aber was Wilde trug, trug er mit Würde, auch wenn er sich zuweilen dem Spott der Karikaturisten des Punch aussetzte. Dazu seine Coolness, sein Geist, sein Witz – eines Dandys mehr als würdig!

Aber er war noch viel mehr als nur ein Dandy, der sich allein um sein Äußeres kümmert, denn außer seinem Talent zur Selbstdarstellung hatte er noch ein viel großartigeres: Wie er schreiben konnte! Packend, witzig, rührend, aufwühlend, aufdeckend …

Ich stelle mir vor, dass seiner dandyhaften Coolness sein Herz in die Quere kam. Kein Kult der Kälte, eher ein Kult, der alles Schöne umfassen wollte, nicht nur das Sichtbare, das Dekorum, auch das Innere, die Einstellung. In seinen Werken jedenfalls lese ich viel Gefühl heraus: für „gefallene Frauen“, einsame Menschen, Getriebene, Gefangene, Geknechtete.

Sein Grabmal auf dem Père Lachaise darf man wohl nicht mehr küssen. Aber das muss ja auch nicht sein.

Nächste Woche geht es weiter mit Max Beerbohm.

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Lord Byron

Ich denke, es sind heute eher Details aus dem Leben Lord Byrons, die stärker im allgemeinen Bewusstsein verankert sind als die tatsächliche Kenntnis seiner Werke. Der Dichter, der den Byronic Hero schuf und zugleich als ebensolcher gesehen wurde, was schon PR-technisch ein interessantes Phänomen ist. Die Liebe zu seiner Halbschwester Augusta, die ihn letztlich zwang, England zu verlassen. Die literaturgeschichtlich bedeutenden Ereignisse in der Villa Diodati. Am bekanntesten aber ist sicher sein Engagement für den griechischen Freiheitskampf: War Brummel der Inbegriff des Dandys, so ist Byron der Inbegriff des romantischen Philhellenen, der sein Leben für die Freiheit Griechenlands ließ.

Um wenige romantische Dichter ranken sich derart romantische Geschichten wie um George Gordon Noel Byron (1788 – 1824). Und sie sind nicht einfach nur Literaturtratsch, obwohl sie für viel Klatsch und zum Teil auch für Skandale gesorgt haben. 1812 wurde er, nach Erscheinen der ersten beiden Gesänge von Childe Harold‘s Pilgrimage, praktisch über Nacht berühmt. Frauen lagen ihm zu Füßen und sandten Briefe und Locken ihres Haars. Das lag nicht nur an dem Erfolg seiner Verserzählung, sondern weil das Publikum den attraktiven Dichter mit seiner Figur „Childe Harold“ gleichsetzte: Ein junger, vieler Lebensfreuden bereits überdrüssiger Mann, der Ablenkung von seiner Melancholie und Enttäuschung in fernen Ländern sucht: „Yet oft-times in his maddest mirthful mood / Strange pangs would flash alonge Childe Harold’s brow / As if the memory of some deadly feud / or disappointed passion lurked below“.

Schwierige Verhältnisse

Er hatte viele Affären, zum Beispiel mit der verheirateten Lady Caroline Lamb, die ihn „mad, bad and dangerous to know“ nannte (was gut zu seinem Image passte). Skandalös war nicht nur ihre Affäre, sondern auch Byrons Trennung von ihr. Nicht eben zu Carolines Beruhigung trug sein Gedicht „Remember Thee“ bei, eine bissige Erwiderung, nachdem Caroline mal wieder einen ihrer Wutanfälle gehabt und ein etwas melodramatisches „Remember me“ in eines seiner Bücher gekritzelt hatte.

1813 hatte Byron eine Liebesbeziehung mit seiner Halbschwester Augusta, aus der wahrscheinlich Augustas 1814 geborene Tochter Elizabeth Medora Leigh stammte. Byron widmete Augusta mehrere wunderschöne Liebesgedichte, unter anderem die „Stanzas to Augusta“ von 1816. Um den gesellschaftlichen Skandal zu vermeiden, der sich aus dem Publikwerden der inzestuösen Beziehung zwangsläufig ergeben musste, heiratete Byron 1815 Annabella Milbanke. Ihre gemeinsame Tochter Ada, die im Dezember des gleichen Jahres zur Welt kam und heute besser bekannt ist als Ada Lovelace, wurde eine bekannte Mathematikerin und die erste Programmiererin der Welt. Leider lief die Ehe nicht gut, Annabella verließ Byron Anfang 1816. Diese Trennung war dann wohl ein Skandal zu viel: Wenige Monate später verließ Byron seine Heimat für immer.

Kalter Sommer, schwarze Romantik

Er war dabei, als in jenem kalten Sommer (1816 ging wegen eines Vulkanausbruchs als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein) in der Villa Diodati am Genfer See Mary Wollstonecraft, die spätere Ehefrau von Percy Shelley, ihre Idee zu Frankenstein gebar. Selbst sein Leibarzt John Polidori wurde dort zum Schriftsteller mit seiner Erzählung The Vampyre, die das Genre der Vampirgeschichten begründete, die sich ja bis heute erfolgreich gehalten haben. Übrigens soll Polidori bei der Fertigstellung seines Vampyres von einem Romanfragment Byrons beeinflusst worden sein und interessanterweise lief die erste Veröffentlichung unter Byrons angenommener Autorschaft. Vielleicht auch, weil die Hauptfigur „Lord Ruthven“ Byron (oder seinem Image) ähnelte, was dann insgesamt wieder in das ganze Konzept von Byron und seinem Byronic Hero gepasst hätte. Selbst Goethe, mit dem Byron eine freundschaftliche Korrespondenz verband (man widmete einander Werke und Figuren), hielt die Geschichte für eine der besten Byrons.

Es gab natürlich schon vorher Vampire in der Literatur, Goethe hatte sich des Themas mit seiner „Braut von Korinth“ bereits 1797 angenommen („Aus dem Grabe werd’ ich ausgetrieben, / Noch zu suchen das vermißte Gut, / Noch den schon verlornen Mann zu lieben / Und zu saugen seines Herzens Blut.“). Aber nun war die Zeit so richtig reif, um Schauergeschichten dieser Art den angemessenen Boden zu bieten. Byron wiederum verarbeitete den literarisch ergiebigen Sommer in seinem Gedicht „Darkness“.

Freiheitskämpfer für Griechenland

Nach weiteren Affären und Wohnortswechseln, zeitweise lebte Byron in Venedig, später in Pisa, engagierte er sich aktiv für den griechischen Freiheitskampf. Der Philhellenismus war eine Strömung, der sich viele Künstler anschlossen. Manche eher theoretisch, wie Goethe, der Griechenland nie bereiste, sondern eher mit der Seele suchte (Iphigenie) oder auch Delacroix, der das „Massaker von Chios“ malte, ohne je dort gewesen zu sein.

Byron dagegen schritt zur Tat, unterstützte Griechenland mit Geld und segelte schließlich 1823 selbst nach Griechenland. Im Januar des folgenden Jahres traf er in der Festung Mesolongi ein und übernahm das Kommando über – hier schwanken die Angaben – 2.500 oder 3.000 Mann, um das türkisch besetzte Lepanto (gr. Nafpaktos, liegt an der Nordküste des Golfs von Korinth, gegenüber von Patras) zu erobern. Doch noch ehe es dazu kam, erkrankte Byron an Fieber und schließlich an einer Lungenentzündung, an der er im April 1824 starb.

Die Griechen trauerten um ihn, um den Helden, der zwar keine Kampfhandlung gesehen hatte, aber bereit war, für ihre Freiheit zu sterben. Sein Herz sei in Mesolongi beigesetzt worden, sein einbalsamierter Leichnam wurde nach England überführt. Eine Bestattung in der Westminster Abbey blieb ihm verwehrt, zu skandalös und moralisch verwerflich sei sein Leben gewesen. Immerhin gibt es einen Gedenkstein in der Poet’s Corner. In Griechenland wird Byron bis heute verehrt.

„War Byron ein Dandy?“

Das fragt sich Günter Erbe in Dandys – Virtuosen der Lebenskunst (S. 60) – jein, würde ich sagen. Byron selbst schrieb über sich, er habe „einen Anflug von Dandyismus“ gehabt, „gespielt – & getrunken – & meine akademischen Grade in den meisten Ausschweifungen erlangt“ (zitiert nach Erbe, S. 61).

Er schätzte Brummel, verkehrte sogar im Watier’s Club, der Ritterschlag zum Dandy, wie Erbe schreibt (S. 65), er war ganz sicher ein Gesellschaftslöwe, besonders in der Saison 1812, in der er sich plötzlich berühmt fand. Er besuchte Klubs und Salons, aber Jagd und Glücksspiel und eigentlich auch das mondäne Leben interessierten ihn (auf Dauer) mäßig. Sicher, betrachten wir die Porträts von Byron, erkennen wir seinen Hang für ungewöhnliche, auffallende Kleidung, er ließ sich gern in Trachten und Kostümen porträtieren. Dies aber geht eher in die entgegengesetzte Richtung zum schlicht-eleganten Erscheinungsbild eines Dandys wie Brummel. Emotionale Kälte war ebenfalls nicht typisch für den eher als reizbar geltenden Byron. So folgert Erbe: „Byron war zu sehr Dichter und zu sehr von seinen Affekten beherrscht, als daß er sich in das Korsett des Dandys hätte pressen lassen“ (S. 69).

Dichter, Held und Muse

Viel interessanter finde ich, wie viele Figuren Byron in sich vereint. Natürlich war er ein Dichter. Er war ein Kind seiner Zeit und prägte den Zeitgeist mit seinem Byronic Hero und seiner romantischen Lebensführung. Sein Byronic Hero bevölkert in Variation bis heute die Literatur. Frühe Beispiele sind Puschkins Eugen Onegin und Brontë-Helden wie Rochester und mehr noch Heathcliff; wir finden bis heute Typen, die diesem Archetyp entsprechen, von Severus Snape (Harry Potter) bis Edward Cullen (Twilight).

Er war aber nicht nur Dichter, er hatte auch etwas von einer Muse – das kam mir zumindest in den Sinn, als ich an die Ereignisse in der Villa Diodati dachte. Vielleicht hat seine Anwesenheit Mary und Polidori dazu inspiriert, Literaturgeschichte zu schreiben? Pure Spekulation, ich weiß. Aber so romantisch!

Als es darum ging, zu einem Helden ganz anderer (also nicht literarischer) Art zu werden, nämlich im Kampf, hat ihm sein Schicksal das verwehrt – und doch wird er bis heute als solcher verehrt. Ein interessanter Twist der Geschichte, aber auch ein fairer. Schließlich war Byron durchaus willens zu kämpfen. Wer weiß, vielleicht hat sein Tod die griechische Sache sogar befördert, zumindest mehr als eine womöglich gescheiterte Schlacht um Lepanto.

Man könnte sagen, Byron war ein Rundum-Romantiker, nicht nur literaturwissenschaftlich, auch in Liebesdingen und noch im Tode und darüber hinaus.

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Virtuelle Ausflugsziele für Bibliophile, Nr. 6

Heute wieder drei anklickenswerte Tipps für euch, gefunden in meiner fabelhaften Twitter Timeline und auf schönen Blogs – viel Spaß!

New York City mit Romanen erleben

Auf Twitter folge ich der New York Public Library, die immer wieder auf sehr interessante Beiträge verweist, so etwa auf „The Best New York City Novels by Neighborhood“. Eine Stadterkundung per Literatur – schön für New-York- & Literatur-Fans gleichermaßen. Und mit dem Family Budget Calculator könnt ihr berechnen, ob ihr es euch leisten könntet, in New York oder einer anderen schönen Stadt in den USA zu leben. Wie hieß es einst bei René Lezard: „Leider teuer“ – gilt auch für New York City.

Gogols Nase – animiert

Derzeit sind ja vielerorts die Nasen verschnupft und manche wünschen sie sich weg – oder zumindest den Schnupfen. In Nikolai Gogols Erzählung „Die Nase“ macht sich tatsächlich eine solche selbstständig und verlässt ihren bisherigen Träger. Als dieser eines Morgens erwacht, sieht er sich zwar nicht in ein Geziefer verwandelt, aber nasenlos. Gefunden hat sie derweil sein Barbier in einem Brot. Ja, ganz schön schräg, aber auch ganz schön gut. Bei Open Culture findet ihr eine wunderhübsch altmodisch anmutende Animation der Erzählung.

Buch-Tipps von Strange Flowers

James Conway weist auf seinem Blog auf einige lesenswerte Bücher (auf Englisch) hin. Eines davon hat es mir besonders angetan: Moths, Myths, and Mosquitoes: The Eccentric Life of Harrison Dyar von Marc Epstein – klingt herrlich schräg. Es ist die Biographie des amerikanischen Insektenkundlers Dyar, der mit zwei Frauen verheiratet war, aber vermutlich noch mehr Aufsehen erregte, als in den 1920er Jahren ein Truck in der Nähe seines Hauses in Washington, D.C. einbrach. Dyar war nämlich ein Hobby-Tunnelbauer und hatte wohl ein regelrechtes Labyrinth von Tunneln gegraben, die dann eben eines Tages unter dem Truck einbrachen. Schon wegen dieser Geschichte kann ich mir kaum bis April gedulden. Muss ich aber, denn erst dann ist die Biographie erhältlich. Könnte für Leute interessant sein, denen auch schon die Englischen Exzentriker von Edith Sitwell gefallen haben.

So, das war’s für heute. Und morgen geht es weiter mit den Dandys, diesmal im Fokus: Lord Byron.

 

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Barbey d’Aurevilly und das Dandytum

Heute kommen wir zum zweiten Teil meiner kleinen Dandy-Serie mit Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly – allein der Name klingt nach einem romantischen Dandy. Mit „Beau“ Brummel und Alfred d’Orsay verbindet ihn der Hang zu aufwändiger Toilette (wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen) sowie die prekäre finanzielle Situation. Doch Barbey war nicht nur ein Dandy, sondern auch ein fleißiger Schriftsteller und Journalist.

Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly (1808 – 1889)

Als Barbey Jura in Caen studierte, traf er den inzwischen schon vom Schicksal gezausten George Brummel, der dort als englischer Konsul lebte. Diese Begegnung mag in Barbey den Impuls geweckt haben, eines Tages über Brummel zu schreiben. Denn schreiben wollte er unbedingt. Nach seinem Jura-Abschluss zog Barbey nach Paris, um sich dort als Schriftsteller niederzulassen. Schon in Caen hatte er eine Erzählung veröffentlicht in der von ihm, Trebutien und du Méril gegründeten Revue du Caen. Übrigens hatte er mit seiner verheirateten Cousine Louise de Méril sieben Jahre lang eine Affäre, was natürlich ein Skandal für die Familie war. Dank eines Erbes in Form einer kleinen Jahresrente kam Barbey in Paris einigermaßen über die Runden, schrieb Erzählungen, Romane, Gedichte und Literaturkritiken in der ebenfalls von ihm mitbegründeten Revue critique de la philosphie, des sciénces et de la littérature, später auch andernorts.

Seine liebste Beschäftigung, außer dem Lesen, Schreiben und dem Besuch von Cafés und Salons, war die ausführliche Beschäftigung mit seiner Toilette. Mit den Jahren neigte er immer mehr dem Dandytum zu, allerdings weniger stilbildend als Brummel. Barbey nämlich liebte es exzentrischer: kontrastreichen Farben galt seine Vorliebe, er liebte dramatisches Scharlachrot. Sein Benehmen war theatralisch und ungestüm, womit er dem Ideal des beherrschten kühlen Dandys so gar nicht entsprach. Seine Kleidung war Zeitgenossen oft genug Anlass für Klatsch und Karikaturen, viele fanden ihn eher lächerlich als eindrucksvoll. Jene, die ihn bewunderten, schätzten seinen Geist, seine Rede und seinen Schreibstil.

Obwohl er die Bekanntschaft führender Pariser Gesellschaftslöwen („Lions“) machte und selbst ab 1838 den Salon der Marquise du Vallon besuchte, mit der er eine Liebelei hatte, fand er ohne Geld, Opernloge, Wagen und weitere unerlässliche Dandy-Zutaten nie so recht Zugang zu den allerfeinsten Kreisen. Da half es auch nicht viel, dass er nicht länger auf sein Adelsprädikat „d’Aurevilly“ verzichtete. Auch sein fleißiges Schreiben führte nicht dazu, seine Finanzen merklich aufzubessern. Er sparte an Miete und Essen, um sein Dandytum zumindest in seiner Kleidung ausleben zu können. Seine Besucher zeigten sich erstaunt bis tief betroffen über die Einfachheit seiner Bleibe und seiner Mahlzeiten.

Barbey über das Dandytum

1845 erschien Barbeys Essay über das Dandytum und Beau Brummel, zu einer Zeit, wie Günter Erbe in Dandys – Virtuosen der Lebenskunst schreibt, „als der Dandy in Frankreich in Gestalt des ‚Lion‘ Furore machte, während er in England im Absterben begriffen war“ (S. 175). Im Verlag Matthes & Seitz erschien 2006 das empfehlenswerte Bändchen Über das Dandytum, übersetzt von Gernot Krämer. Es enthält außer bereits erwähntem Essay auch „Ein Dandy ehe es Dandys gab“, einige Bemerkungen zu Barbey von Zeitzeugen sowie einen Essay von André Maurois „Barbey d’Aurevilly oder Das heroische Gespenst“, der trotz des etwas despektierlich klingenden Titels von Maurois‘ Bewunderung für Barbey zeugt. Im gleichen Verlag gibt es weitere schöne Ausgaben mit Texten von Barbey, darunter auch Gegen Goethe, für dessen Texte Barbey wenig Begeisterung hegte. Eine feine Besprechung dazu findet sich hier.

Für Barbey ist das Dandytum im Unterschied zur Geckenhaftigkeit (einer universellen, menschlichen Eitelkeit) etwas sehr Englisches, das die Franzosen nicht erreichen können: „Mögen sie blasierte Mienen aufsetzen und weiße Handschuhe tragen, die bis zum Ellbogen reichen, das Land Richelieus wird keinen Brummel hervorbringen“ (Über das Dandytum, S.22). Im Unterschied zu anderen Dandys, die außerdem reich oder talentierte Schriftsteller waren, war Brummel für Barbey nur das eine – „das Dandytum selbst“ (S. 26).

Im Unterschied zur Exzentrik sei das Dandytum „eine individuelle Revolution gegen die bestehende Ordnung“, es spiele mit der Regel, übertrete sie auch und doch respektiere es sie (S. 30). „Jeder Dandy ist ein Provokateur, aber ein Provokateur mit Takt.“ (S. 54) Was Brummels anmutige Ironie und seinen wit betraf, so begründet Barbey dies mit den Worten „das Dandytum ist die Frucht einer Gesellschaft, die sich langweilt, und Langeweile macht nicht gütig“ (S: 61). Daher habe Brummel es auch mehr genossen, zu verblüffen als zu gefallen und verstand es, kaltblütig Schrecken und Sympathie zu mischen – und zu verbreiten.

Diese und weitere Beobachtungen Barbeys machen seinen Essay auch heute noch lesenswert für alle, die sich näher mit dem Begriff Dandytum befassen möchten. Für weitere Informationen und wunderbare Bilder zu Barbey d’Aurevilly sei wieder einmal auf Strange Flowers verwiesen.

Und nächsten Sonntag geht es weiter mit Lord Byron, auf besonderen Wunsch von Petra, die das schöne Blog Elementares Lesen führt.

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Dandys – Virtuosen der Lebenskunst

Heute beginne ich mit einer kleinen Serie zum Thema Dandys. Dandys faszinieren mich schon fast so lange wie Salons und Salonièren. Sicher unter anderem deswegen, weil viele von ihnen nicht nur aufgrund ihres Stilbewusstseins und Lebenswandels in die Geschichte eingingen, sondern auch weil sie selbst geschrieben haben – manche sogar über Dandys. Ich beginne die Serie mit einem grundlegenden Werk zum Thema von Günter Erbe und zwei Dandys, die man kennen sollte.

Brummel, natürlich, Disraeli, Lord Byron, Barbey d’Aurevilly, Beerbohm und selbstverständlich der produktivste unter den schreibenden Dandys und mein persönlicher Favorit: Oscar Wilde. Sie und viele weitere werden in Günter Erbes Buch Dandys – Virtuosen der Lebenskunst. Eine Geschichte des mondänen Lebens nicht nur porträtiert, er analysiert auch ihr Wirken und versucht eine Typologie der Dandys.

Darüber hinaus beleuchtet Erbe die sozio-politischen Gründe für den Aufstieg des Dandys besonders in England und Frankreich sowie die Tatsache, dass sich ab der Wende zum 19. Jahrhundert der modische Kompass von Paris auf London einnordete. Plötzlich bestimmten Londoner „Adlige und Sprösslinge des reich gewordenen Bürgertums“, „Müßiggänger und Spielernaturen“ die Mode (S. 8.). Ebenfalls interessant sind seine Betrachtungen der englischen Dandys im Vergleich zu den französischen sowie sein Ausblick „Der Dandy im Zeitalter der Massenkultur“. Insgesamt eine ausgezeichnete Untersuchung!

Manche der berühmten Dandys leuchteten eine Zeitlang am Modehimmel und verglühten, weil sie aus unterschiedlichen Gründen in Ungnade fielen oder pleite waren (oder beides) und endeten zuweilen sehr tragisch. Dazu gehören außer Wilde, sicher das bekannteste Beispiel, auch Brummel, der erste große Dandy, und d’Orsay, der dem englischen Dandytum eine französische Note gab.

„Beau“ Brummel (1778 – 1840)

Anfangs hießen die Dandys noch nicht Dandys – dieses Wort ist laut Erbe erst gegen Mitte des zweiten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts aufgekommen, sondern Beaus. Daher stammt auch der Spitzname, unter dem George Bryan Brummel unvergessen bleiben sollte. Brummel stammte aus einfachen Verhältnissen, besaß ein außerordentliches Gespür für Stil und brachte es zum Modekönig, der nicht nur über die adligen Müßiggänger in den angesagten Klubs (ja, die gab es damals auch schon) herrschte, selbst der spätere König George IV. unterwarf sich seinem Modediktat von 1798 bis 1816.

Brummel war kein Modegeck, es ging nicht um übertriebene Accessoires und Details, im Gegenteil. Es ging um eine Vereinfachung der Herrenmode, diese dafür in allerbester Qualität. Es ging ihm um Eleganz „von raffiniertester Einfachheit“ (S. 9) und vor allem war er überaus geistreich, scharfsinnig und witzig. Zuweilen von fast schon herzlos scheinendem Witz, wie wir ihn auch von manchen Komödien und Bonmots Oscar Wildes kennen. Aber schon Horaz soll ja gesagt haben: „Lieber einen guten Freund verlieren als einen guten Witz“.

Nach einer strahlenden Karriere als der erste Dandy schlechthin wandte sich das Blatt: Er fiel beim Prinzregenten in Ungnade und musste schließlich, hochverschuldet, vor seinen Gläubigern nach Calais fliehen. Dort wurde er eine Weile von Freunden unterstützt und erhielt durch Beziehungen die Stelle als englischer Konsul in Caen. Das war insofern tragisch, weil seine Freunde meinten, er sei ja nun versorgt. War er aber nicht. Immer schlechter ging es ihm finanziell, geradezu verwahrlost war sein einst so perfektes Erscheinungsbild. Er starb verarmt und geistig umnachtet in einer Anstalt in Caen.

Mehr über ihn könnt ihr beispielsweise auf dem Blog Strange Flowers lesen.

Alfred d’Orsay (1801 – 1852)

Geboren und gestorben in Frankreich, hat Alfred d’Orsay für etliche Jahre in London Karriere als Dandy gemacht. Reich, schön und talentiert (Lord Byron lobte seine Tagebücher, später verdiente sich d’Orsay Geld als Porträtist und war damit gewisse Zeit in Mode) war es sein oberstes Ziel, ein Lebemann und Dandy zu sein. Das hat er auch sehr gut hinbekommen. Dies und seine skandalträchtige Beziehung zu Lord und Lady Blessington sowie seine Heirat mit Lord Blessingtons Tochter Harriet aus erster Ehe (und die spätere Scheidung) sorgten nicht nur bei den Modebegeisterten für Gesprächsstoff.

Lady Blessington führte übrigens einen Salon mit Gästen aus der Politik, der Wirtschaft, der Kunst und der Literatur. Zwölf Jahre älter als der schöne Alfred boten ihre Schönheit und Intelligenz ihm den passenden Rahmen, ihr Gatte das passende Vermögen zur Entfaltung seines größten Talents, der neue König der Eleganz zu werden.

Wie schon Brummel hatte auch Alfred nach einiger Zeit mit Geldproblemen zu kämpfen – der aufwändige Lebensstil, die Spielerei … Nach dem Tode des Lords war das Budget der Lady Blessington auf eine bescheidene Witwenrente gekürzt und beide begannen zu arbeiten. Sie schrieb, er malte, beide durchaus nicht ohne Erfolg. Doch schließlich mussten sie, wie schon zuvor Brummel, aus finanziellen Gründen das Land verlassen, das war 1849. Im selben Jahr starb Lady Blessington, Alfred starb drei Jahre später und hinterließ über 100.000 Pfund Schulden.

Mehr über Alfred d’Orsay als Künstler könnt ihr hier lesen.

Wenn euch das Thema gefällt und interessiert, stelle ich euch im nächsten Teil der Dandy-Serie Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly und seine Schrift Über das Dandytum vor.

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Das Haus der vergessenen Bücher

Mit diesem Roman von Christopher Morley verbrachte ich einen gemütlichen Nachmittag. The Haunted Bookshop, so der Originaltitel, erschien 1919 und liegt nun als Taschenbuch aus dem Atlantik Verlag, übersetzt von Renate Orth-Guttmann vor. Ein nettes Schmökerchen für Bibliophile mit Hang zur Nostalgie.

Die Zutaten sind verheißungsvoll: ein Antiquariat in Brooklyn mit einem literaturliebenden, stark qualmenden Antiquar (Roger Mifflin), seiner patenten Ehefrau und einem netten Hund, dazu ein junger Mann und eine neue, bildhübsche Gehilfin für das Antiquariat sowie mysteriöse Ereignisse um ein Buch, das immer wieder verschwindet und auftaucht. Im angenehmen Plauderton erzählt, plätschert das Geschehen freundlich und nicht allzu aufregend vor sich hin. Zur sanften Entspannung durchaus zu empfehlen.

Was mir richtig gut an dem Buch gefiel, waren drei Aspekte: ein Antiquariat, in dem man rauchen darf (heute natürlich undenkbar!), Rogers (oder Morleys) Ansichten zu der bevorstehenden Friedenskonferenz und der Macht der Literatur sowie die zahllosen eingestreuten Lektüre-Tipps. Manche davon wollte ich sowieso schon immer mal, andere klangen einfach nur interessant. Einige habe ich mir nun notiert und tippe euch die Liste ab, vielleicht findet ihr auch etwas für euch darin.

Lektüreempfehlungen von Roger Mifflin:

Thomas Carlyle: Sartor Resartus

Logan Pearsall Smith: Trivia

Robert Burton: The Anatomy of Melancholy

Samuel Butler: Erewhon, The Way of all Flesh und Notebooks

G. K. Chesterton: Der Mann, der Donnerstag war

George Gissing: The House of Cobwebs

F. C. Burnand: Happy Thoughts

E. V. Lucas: Over Bemerton’s

R. L. Stevenson: Die falsche Kiste

Robert Cortes Holiday: Walking-Stick Papers

Leonard Merrick: Whispers about Women

Übrigens: Diese Tipps kommen nicht von ungefähr, denn Christopher Morley war Mitbegründer der Saturday Review of Literature und hatte, soweit ich das anhand des Romans beurteilen kann, einen ziemlichen guten Geschmack bei Büchern

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Später Ruhm

Die lange verschollen geglaubte Novelle Später Ruhm von Arthur Schnitzler wurde vor wenigen Jahren entdeckt und 2014 erstmals veröffentlicht. Inzwischen liegt die reizende Geschichte, die mit melancholischem Zauber und allerlei satirischen Hieblein besticht, als Taschenbuch vor – mir hat sie sehr gut gefallen.

Als Eduard Saxberger von einem Spaziergang zurückkehrt, wartet auf ihn schon ein junger Mann, der es kaum erwarten kann, ihn kennenzulernen. Der Gast, ein Schriftsteller namens Wolfgang Meier, hat in einem Antiquariat den Gedichtband Wanderungen gefunden, den Saxberger vor Jahrzehnten veröffentlicht hatte, und voller Begeisterung gelesen. Fast hat Saxberger selbst nicht mehr an diese Zeit in seinem Leben gedacht, da er hoffte, als Schriftsteller einmal zu Ruhm und Ehren zu gelangen. Die Bewunderung des jungen Schriftstellers lässt in Saxberger, der inzwischen seit 35 Jahren in einem Amt arbeitet, noch einmal die Erinnerung an jene Jahre aufscheinen und man ist mit ihm gerührt von der späten Anerkennung, die Meier dem einstigen Dichter zollt.

Der Besuch wird Saxbergers bis dahin beschaulichem Leben neuen Schwung verleihen. Statt weiter abends in sein Stammlokal zu gehen, um sich dort mit seinen völlig unpoetischen Bekannten zu treffen, gesellt sich Saxberger immer öfter zum Schriftstellerverein „Begeisterung“, dem auch der junge Meier angehört. Und die Begeisterung der jungen, allesamt erfolglosen Künstler über ihn und sein Werk nährt und beflügelt Saxberger für gewisse Zeit. Allerdings muss er auch erkennen, dass sich zwar Geschichte zuweilen wiederholt, aber er nicht mehr an sein Talent der frühen Jahre anknüpfen kann.

Beim Lesen wird einem ganz warm ums Herz darüber, wie sehr sich Saxberger freut und wie schön doch diese Begeisterung der jungen Leute für ihn sein muss. Aber rasch zeigt sich, dass die angehenden Genies sich in ihrer unbedingten Abgrenzung zum – heute würden wir sagen: „Mainstream“ – und in ihrer Verachtung für das bürgerliche Leben und seine Pflichten doch vor allem selbst überschätzen und ein Stück weit auch selbst betrügen. Man kann sich gut vorstellen, dass sie selbst eher künftige Saxbergers sein werden als die gefeierten Künstler der Zukunft oder gar die Erneuerer der Künste, die sie so gern wären.

Insgesamt sehr liebevoll beschrieben und mit einigen hübsch-bösen kleinen Seitenhieben gegen Selbstüberschätzung und Möchtegerntum. Ich rate zu!

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