New York, New York, du Himmlische!

Hach, New York! Mein Liebster und ich waren vor ein paar Monaten dort. Übrigens war Tom daran nicht ganz unschuldig, da er nicht müde wurde, uns von den Schönheiten seiner Lieblingsstadt zu berichten.

Blick aus unserem Zimmer im 40. Stock. (c) Petra Gust-Kazakos

Der Aufenthalt war wundervoll und obwohl wir zehn Tage lang sechs- bis achtstündige Märsche durch die diversen Stadtteile Manhattans unternahmen (einmal auch durch Brooklyn, Paul und Siri waren aber nicht zuhause, haha), haben wir noch immer längst nicht alles gesehen.

„We were very merry” – unterwegs mit der Staten Island Ferry, ein “Tipp” von Edna St. Vincent Millay. (c) Petra Gust-Kazakos

Wir verbrachten auch viel Zeit in so herrlichen Museen wie dem Guggenheim, der Frick Collection, der Neuen Galerie (die übrigens das hervorragende „Café Sabarsky“ beherbergt), dem MoMA und der Morgan Library (ein Muss für Bücherwürmchen).

In diesem schmalen Häuschen mit der Nummer 751/2 in der Bedford St. Lebte Edna St. Vincent Millay für eine Weile und schrieb „The Ballad oft he Harp-Weaver“, wofür sie den Pulitzer Preis gewann. (c) Petra Gust-Kazakos

Apropos Bücherkauf: Das geht natürlich prima in Manhattan. Allerdings nicht unbedingt in allen Läden, die in den diversen Reiseführern empfohlen werden, wie der „Gotham Book Mart“. Dorthin wollte ich, um Bücher des von mir verehrten Edward Gorey zu erwerben. „Long gone“, bedauerte ein Verkäufer bei „Barnes & Noble“ und empfahl mir stattdessen den von Tom erwähnten „Strand“. Dort fand ich ein anderes Buch, das auf meiner Liste stand: Penny Wise and Book Foolish von Vincent Starrett. Und was für ein Exemplar!

Zunächst war ich etwas erschüttert über den Preis. Aber ich wollte es zumindest ansehen, um zu entscheiden, ob die Suche nach günstigeren Ausgaben lohnt. Der freundliche Herr im sechsten Stock ging mit uns in den Raum, wo die „books about books“ aufbewahrt wurden, zog zielsicher einen ziemlich heruntergekommenen Pappschuber aus den Regalen, entnahm ihm sein Inneres und reichte es mir. Ein gut erhaltenes Exemplar (dank Schuber), mit goldenen Prägungen, die leicht gebräunten Seiten am Rand gefranst, aus einer Zeit, als man die Buchseiten noch mit einem Messer auftrennte (das Buch ist von 1929).

Mir lief bereits der erste Schauer über den Rücken.

Ich blätterte und fand eingedruckt, dass diese Ausgabe aus 300 Exemplaren bestehe, gedruckt auf Hadernpapier, vom Autor signiert, von der 275 nummerierte Exemplare in den Verkauf gingen. Dies war das Exemplar Nr. 64, darunter die Signatur des Autors.

Meine Entscheidung war gefallen. Ich las noch rasch die erste Seite und sah mir ein paar Illustrationen an, klappte es zu und sprach: „Okay, I buy it.“

Wohlgemerkt, ich bin keine Sammlerin. Aber zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, was Büchersammler antreibt: Die Recherche nach einem Buch, die, je länger sie sich hinzieht, dem Buch immer mehr Bedeutung und dem Sammler ein immer stärkeres Gefühl von „Haben wollen“ gibt, die Aufregung beim Gedanken, dass die Suche zu Ende sein könnte, der erste Blick, der Duft, das Innere, der Glücksschauer beim Entdecken der Signatur, das Bewusstsein, etwas Besonderes in Händen zu halten, das in limitierter Auflage existiert. Und genau darum geht es auch in Penny Wise and Book Foolish, von Starrett in wunderbar selbstironischem und amüsant plaudernden Stil geschrieben, der die kenntnisreiche Lektüre sehr vergnüglich macht.

Wenn ich mich richtig erinnerte, ist dies das Haus von Charlotte Lynch gewesen, bei der sich Melville, Poe und andere einmal die Woche trafen. Hier trug Poe erstmals sein Gedicht „The Raven“ vor. (c) Petra Gust-Kazakos

Ein weiterer wunderhübscher kleiner Buchladen ist das „Three Lives & Company“, eine Fundgrube für Bücher über New York (natürlich, wegen all der Touristen), aber auch für vieles andere (ich erwarb dort u. a. ein Buch mit Interviews mit dem großen W. G. Sebald). Das Bild in meinem Header ist übrigens vor dem „Three Lives“ aufgenommen.

Ich kann es kaum erwarten, wieder nach New York zu fahren – und das nicht nur wegen der Buchläden.

Nachmittags im Bryant Park. (c) Petra Gust-Kazakos

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu New York, New York, du Himmlische!

  1. Jakob schreibt:

    Das Cafe, welches ich in NYC waermstens empfehlen kann ist das Cafe Lalo auf der Upper West Side. Es wirbt mit dem Slogan „Das Cafe, wlechse Europaeer gerne in Europa haetten“ – und dem kann ich nur zustimmen. Uebrigens empfehle ich das Cafe eher am Morgen zum Brunch – nachmittags zum Kuchennaschen haeufig ueberfuellt.

    Ansonsten ist die Dachterrasse des Standards, nahe der Gansevoort St., herrlich zum Ausspannen und einem phantastischen Rundumblick auf’s Village und SoHo und den Hudson. Beste Zeit ist wenn’s warm ist und kurz vor Sonnenuntergang. Wer weniger Aublick, aber mehr Bier will, kann auch unten in den Biergarten gehen.

  2. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    schön, wie Du die Sammlerfreude nachvollziehen und die Glücksschauer beschreiben konntest. Uns reichen schon Deine Schilderungen und die Fotos, um eine NYC-Gänsehaut zu entwickeln. Wir waren leider noch nie dort. Obwohl uns eine Freundin, die dort seit Jahren lebt, immer wieder einmal einlädt. Aber mit Hund …
    Irgendwann muss es aber mal sein. Das wissen wir.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh ja, das muss wirklich sein, ihr Lieben, ihr werdet es bestimmt nicht bereuen! Es ist so eine wundervolle, lebendige, inspirierende Stadt! Und vielleicht findet sich ja ein netter Mensch, der so lange auf euren Hund aufpassen kann?

  3. Dina schreibt:

    Oh, was für ein schöner Artikel, liebe Petra, wie toll, dass du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Ich wollte immer nach New York, steht immer noch auf meiner Liste.
    Ich sammle ebenfalls Bücher über Bücher, FIlme über Schriftsteller, es bereitet mir große Freude.
    Dir einen schönen Restsonntag,
    Dina

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh ja, liebe Dina, New York ist unbedingt eine Reise wert! Manche fahren ja „nur“ für ein langes Wochenende, das ist eigentlich zu kurz für diese interessante, vielseitige Stadt. Wie schön, dass wir bei Büchern und Filmen offenbar einen ähnlichen Geschmack haben : ) Liebe Grüße!

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