Indoor-Fan liest Outdoor-Ratgeber

Bryson, Bill: Picknick mit Bären – dieses Buch musste ich einfach kaufen! Allein wegen des Titels: Ich hab mich nämlich selbst nie tiefer als ein paar Kilometerchen (wenn überhaupt) in die wunderschönen Wälder Kaliforniens, Oregons und Washingtons getraut, weil ich furchtbare Angst hatte, einem Bären oder anderen größeren Tieren zu begegnen. Mein Liebster fand das natürlich albern. Aber ein Ratgeberblättchen, das uns eine hilfsbereite Frau in einem Touristen-Büro in die Hand drückte, riet für die Begegnung mit einem Puma: „Fight back!“ Da ich mich dazu außer Stande sah, lief ich lieber an den endlosen Stränden entlang des Pazifiks spazieren. Tsunamis (an jedem Strand wurde davor auf großen Tafeln gewarnt) kamen mir unwahrscheinlicher vor.

In Brysons launigem Reiseführer gibt es anfangs viele schreckliche Berichte über Begegnungen mit Bären, manche klingen wahr, manche nach Wandersmann-Garn. Er las diese Geschichten als Einstimmung auf seine Wanderung über den etwa 3460 Kilometer langen (die Angaben schwanken) Appalachian Trail, von Kennern liebevoll AT abgekürzt. Er verläuft im Osten der Staaten von Georgia bis nach Maine. Oder andersrum. Nach den Schauergeschichten musste ich mich fast zwingen, weiter zu lesen. Es lohnte sich dann aber doch sehr: Ein ungewöhnlich witziger Reisebericht!

Bryson hat wohl gerade so eine Phase gehabt, in der er sich beweisen muss, dass er auch in der Wildnis klarkommt. Dazu nimmt er seinen Bekannten Stephen Katz mit, den er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat (und das nicht ohne Grund).

Es geht aber nicht nur darum, wie ein Midlife Crisis-geplagter Mann und ein übergewichtiger Alkoholiker mit Vorliebe für Snickers durch die wundervolle Wildnis latschen oder was für originelle Typen sie dabei treffen. Man erfährt auch jede Menge über die nötige Ausrüstung (Wanderschuhe, Schweizer Messer und eine Kartentasche aus Plastik reichen nicht), die Flora und Fauna rund um den AT, und dass es letztlich gar nicht darauf ankommt, mit Bären zu picknicken oder gar den kompletten AT abzuwandern.

Obwohl viel Abschreckendes geschildert wird, könnte ich mir vorstellen, dass ich Lust zu so was bekäme, wenn ich nicht so ein Indoor-Fan wäre – und wenn ich nicht so eine Angst vor Bären hätte ; )

Warum selber wandern? Bryson, Bill: Picknick mit Bären

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Indoor-Fan liest Outdoor-Ratgeber

  1. Jarg schreibt:

    Geniales Buch … wie alle von Bill Bryson. In die Wildnis zieht es mich nach der Lektüre solcher Bücher durchaus … nur auf die Bären hätte ich auch keine Lust …

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