Sonntags gibt es Zeitungsfrühstück

Der Sonntag lässt sich bei uns immer sehr gemütlich mit dem „Zeitungsfrühstück“ an. Das beginnt bei uns zwischen halb neun und halb zehn, meist begleitet von der Sonntagsmatinee auf SWR 2, gelegentlich auch vom heimeligen Rumpeln der Waschmaschine, und endet irgendwann mittags. Nicht, weil wir so viel essen würden (tatsächlich ist es meist nur ‘ne Schreibe Brot mit Marmelade oder wie heute zwei Scheiben Nussstriezel mit Butter), sondern weil wir dann endlich dazu kommen, die ZEIT und anderes zu lesen. Und zwar gründlich.

Diesmal musste ich außerdem die ZEIT vom vorletzten Donnerstag nachholen, da ich aus aktuellen Anlässen (Buch fertig machen, schöne neue Blog-Welt), bislang nicht dazu gekommen war. Nicht mal zum Kreuworträtsel. Besonders schön fand ich einen Artikel zu „Neptuns Tierwelt“ über faszinierende Lebewesen im weitgehend unerforschten Ozean.

Mit Sorge las ich den Artikel „Kutter in Not“ über die Schwierigkeiten für Freizeitfischer. Werde ich nun etwa nicht mehr auf Norderney „Krabben puhlen mit Käpt’n Knuddel“ (oder so ähnlich) fahren können?

In der aktuellen ZEIT gibt es außerdem ein schönes Extraheft über argentinische Schriftsteller(innen) und interessante Neuerscheinungen.

Und mein Liebster wies mich auf eine Notiz hin, dass Patrick Leigh Fermors Buch über seine Reisen auf der Mani neu aufgelegt wurde. Dazu eine Geschichte, warum ich dieses Buch immer noch nicht gelesen habe (obwohl ich es ursprünglich kaum erwarten konnte):

Im August 2006 starteten wir vom Haus meiner Schwiegereltern nahe Kalamata zu einer dreitägigen Tour über die Mani, einer der „Finger“ des Peloponnes (oder der Peloponnes, wie es, glaub ich, richtiger heißen müsste). Wir fuhren zunächst nach Kardamìli, ein reizendes, im Hochsommer vor Touristen überquellendes Örtchen. Dort nahmen wir im wunderschönen „Café Aman“, das eine Filiale in Kalamata besitzt, ein Mittagessen auf der Terrasse ein. Blick aufs Meer, freundlicher Service, leise, angenehme Musik, Preise okay. Empfehlenswert.

Hier lebt auch der britische Schriftsteller Patrick Leigh Fermor. Ich wusste, dass er mal ein Buch über seine Reisen auf der Mani verfasst hatte und fand es passend, mir für unsere Tour sein Buch zu kaufen. Gleich abends im Hotel wollte ich mit dem Lesen beginnen, doch es sollte anders kommen.

Wir fuhren weiter und machten Station in Thalàmes, um das Mani-Museum zu besichtigen. Es ist in einem winzigen alten Haus untergebracht. Wir unterhielten uns mit einem älteren Herrn, der prima Deutsch sprach, und kamen auf „Férrrmerrr“ zu sprechen (so seine Aussprache Fermors). Von dem schien er nicht viel zu halten. Er fand, dass er nichts von der Mani verstanden habe. Der beste Führer zu Griechenland stamme von Pausanias.

Im Übrigen seien die Bayern, „ein räuberisches Bergvolk am Rande der Alpen“, am ehesten mit den Maniaten vergleichbar. Um seine Meinung zu untermauern, sagte er ein Sprichwort auf, „Zeige so viel Gnade, wie du Haare hast in deiner Hand“. „Naaa“, sagte er und streckte mir seine geöffnete Handfläche entgegen, „und wie viele Chaaarrre chabe ich in mainärrr Chaand?“.

Interessanterweise wetteifern die Orte auf dem Peloponnes darum, wo als erstes die Revolution begonnen hat. Offizieller Feiertag ist der 25. März. In Kalamata war es wohl schon der 23. März, in Areópolis auf der Mani fing es am 17. März 1821 an … (c) Petra Gust-Kazakos

Die weitere Reise und der Aufenthalt waren ziemlich abenteuerlich. Es war schrecklich heiß, über 40 Grad, und natürlich brachen Brände aus. Wir fanden ein gutes Hotel, aber auf dieser Seite der Mani wurde vorsorglich, wegen der Feuer, der Strom abgestellt. Das war zuweilen sogar romantisch, Abendessen etc. im Kerzenschein, aber auch fürchterlich heiß, so ganz ohne „Äärr Kondisson“. Und natürlich beängstigend.

Es war es gar nicht so einfach, bei Touren über die Mani den Feuern auszuweichen. Die Straßen mäandern munter vor sich hin, und man wusste nie, ob man vom Feuer weg oder genau darauf zu fährt. Da es zur gleichen Zeit weitere verheerende Brände in Griechenland gab, war die Feuerwehr überfordert. Auf Flugzeuge mit Wasser konnte man kaum hoffen, die wurden schon andernorts gebraucht.

Alptraumhaft: So nah und näher kamen die Feuer den Häusern. (c) Petra Gust-Kazakos

Nachts, unterwegs vom Abendessen zu unserem Hotel, hielt mein Liebster auf einer einsamen Straße, die natürlich unbeleuchtet war, den Wagen an, schaltete die Scheinwerfer aus und bat mich hinaus. Wir sahen nach oben – einen solchen Sternenhimmel habe ich noch nie gesehen! Unglaublich, wie es funkelte! So etwas kann man nur sehen, wenn keinerlei beleuchteten Städte in der Nähe sind. Ich war hingerissen!

Sehr interessant sind die Höhlen von Pírgos Dírou, Man zieht Schwimmwesten an und los geht’s in Barken mit etwa sechs Personen, die von einem Führer über den Wasserrundweg gesteuert werden. Wunderschön. Die verschiedenen Räume der Höhlen haben poetische Namen wie „Hall of dreams“. Die Stalagmiten und Stalagtiten sind weiß, rosé, manchmal grünlich oder rot wie Rost. Am schönsten waren die kleinen Stalagtiten, so groß wie Salzstangen, aber etwas dicher, die wie Regentropfen in Zeitlupe von der Decke hingen.

Das reizende Örtchen Gýtheio. (c) Petra Gust-Kazak

Sehr hübsch ist auch der Ort Gýtheio mit einem vorgelagerten Halbinselchen, auf dem der Sage nach Helena und Paris ihre erste Liebesnacht verbrachten.

Hier geht’s zur „Liebesinsel“. (c) Petra Gust-Kazakos

Auf der Rückfahrt machten wir noch einmal Station im „Café Aman“ und dann ging es wieder zurück ins gemütliche „Eulenhaus“. Ein schöner Ausflug. Aber seitdem steht der Fermor ungelesen im Regal …

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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