Gepäckstückchen

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, ich jedenfalls nehme immer viel zu viel Gepäck mit auf Reisen. Und manchmal fehlt trotzdem irgendetwas. Beispielsweise, wenn ich bei niedrigen Temperaturen abreise und am Zielort über 30 Grad herrschen. Dann fällt mir auf, dass es keine gute Idee war, drei Hosen, aber keinen Rock einzupacken.

Dennoch fühlen sich meine Gepäckstücke beim Tragen immer so an, als hätte ich den Inhalt meines Kleiderschranks und Teile unserer Bibliothek eingepackt. Dabei kann man doch am Zielort Wäsche waschen oder Bücher zukaufen, wenn man nicht genug Klamotten oder Lesestoff dabei hat. Auch ist es ja wirklich gar nicht nötig, alle möglichen Medikamente einzupacken. Schließlich führen mich meine Reisen nicht in die Einsamkeit, sondern in Gegenden, wo sich durchaus Apotheken finden lassen. Nur meine ich jedes Mal, mich auf alle Eventualitäten einrichten zu müssen.

Entsprechend liebe ich Schrankkoffer (auch wenn ich keine Lust hätte, sie zu schleppen). Aber diese hübschen Gepäckstücke, die aussehen wie Kommoden und viel Platz bieten, finde ich äußerst verführerisch. Offenbar werden sie auch noch für moderne Reisende hergestellt. Ich war davon ausgegangen, dass die Zeit der Schrankkoffer lange vorbei ist. So fand ich zum Beispiel hier ein Exemplar, das meinen Anforderungen an Platz zwar genügen könnte, für meine Reisen allerdings ungeeignet wäre. Es sei denn, ich gewinne mal ordentlich im Lotto und kann einen freundlichen Kraftmenschen einstellen, der mir das Ding befördert. Denn obwohl es Rollen hat, scheint es mir arg sperrig zu sein.

Etwas zu klein dagegen kommt mir dieses Exemplar vor. Dafür ist es „richtig teuer“.

Wer sich ebenfalls für Schrankkoffer begeistern kann, dem könnte dieses Buch gefallen: Louis Vuitton, 100 Legendary Trunks (mehr dazu hier). Ich selbst kenne es nicht, der Titel klingt jedoch, als wäre es nach meinem Geschmack. Es ist allerdings auch richtig teuer.

Nie ohne Bücher. (c) Petra Gust-Kazakos

Und noch ein Buch-Tipp für die Reise im Kopf oder in echt

Vor einiger Zeit las ich Julia Keays Buch Mehr Mut als Kleider im Gepäck. Danach weiß man wieder so richtig den Reise-Luxus unserer Zeit zu würdigen. Es geht um verschiedene Frauen aus dem 19. Jahrhundert, die aus unterschiedlichen Gründen durch die Welt reisten.

Emily Eden tat es, weil sie als unverheiratete Schwester ihren Bruder, den Generalgouverneur, nach Indien begleitete. Ihr Bruder wollte mit einer Tour durch die indischen Grenzstaaten die politische Lage stabilisieren und sich der Loyalität der anderen Herrscher vergewissern. Monatelang wurde gereist, bis man überhaupt mal am Ziel war. Jeden Abend wurde eine Stadt aus Zelten auf-, und jeden Morgen wieder abgebaut. Man kann sich vorstellen, wie langsam der gewaltige Tross von mehreren Tausend Menschen – allein der Haushalt des Gouverneurs bestand aus 500 Personen – und jeder Menge Tiere vorangekommen ist.

Ganz anders, nämlich unter Entbehrungen und ganz bestimmt mit mehr Mut als Kleidern, reiste Alexandra David-Néel nach Lhasa, einer Stadt, die ihr verboten war. Ebenso faszinierend, wenn auch aus anderen Gründen, liest sich die wahre Geschichte der Anna Leonowens, die in verklärter Form vielen aus Anna und der König bekannt sein dürfte (gibt’s als Musical und Film).

Aber jede dieser Geschichten ist wahr und spannend. Wer Biografien und/oder Reiseberichte mag, ist mit diesem Buch bestens bedient.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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