Für passionierte Jäger und Sammler

Eher zufällig (nämlich über die Empfehlungsfunktion bei Amazon) stieß ich auf Eine Nacht mit Lolita von Rick Gekoski und wunderte mich kurz über den Titel, der allerdings durch den Untertitel Begegnungen mit Büchern und Menschen schnell vom Verdacht der Schlüpfrigkeit befreit wurde. Die Beschreibung und die Rezensionen klangen so interessant, dass ich erfreulich günstig eine perfekte Gebrauchtausgabe erwarb.

Wer sich über Bücher und besonders über schöne oder seltene Bücher freuen kann, wird mit Rick Gekoskis Geschichten über Bücher, Autoren und Sammler viel Spaß haben.

Gekosi bemerkte bereits als Student, dass er Talent zum Handeln mit teuren und seltenen Ausgaben hat, und machte dieses Talent schließlich zu seinem Beruf. In 15 Kapiteln erzählt er vom Aufspüren, Erwerben, Verkaufen, erneutem Erwerb und Wiederverkauf, von enthusiastischen Sammlern und kauzigen Autoren, von Preissteigerungen, bei denen Börsianer der blanke Neid packen muss – und von der Leidenschaft für besondere Bücher. Dabei liegt die Besonderheit beispielsweise darin, dass es sich um eine Erstausgabe handelt (aber nicht immer), oder am Zustand des Buches oder auch an der enthaltenen Widmung.

So bot Rick Gekoski 1988 eine englische Erstausgabe von Lolita an mit einer Widmung von Nabokov an seinen Cousin und „mit einer für den Autor typischen kleinen Schmetterlingszeichnung unterhalb der Widmung“ [Nabokov war passionierter Lepidopterologe, es gibt sogar ein nach ihm benanntes Exemplar, den Plebeius (Lysandra) cormion Nabokov]. Preis: 3.250 Pfund. Daraufhin erhielt Gekoski einen Brief des Autors Graham Greene mit den Worten „Wenn Ihr Exemplar von Lolita, das nicht einmal die allererste Ausgabe ist, 3.250 Pfund wert ist, frage ich mich, wieviel die Pariser Originalausgabe mit einer Widmung an mich wert ist.“

Deutlich mehr. Greene bekam 4.000 Pfund und Gekoski verkaufte es für 9.000. 1992 kaufte Gekoski es für 13.000 Pfund zurück und verkaufte es an einen Sammler in New York. Schließlich wurde das Buch bei Christie’s 2002 für 264.000 Dollar versteigert.

Nur eine von vielen erstaunlichen Geschichten. Mir hat das Buch bestens gefallen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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