Bedenkenswertes vom Zeitungsfrühstück

Sonntag, Kaffeeduft, Nussecken, eine Kanne Grüntee. Später noch eine, weil er so gut war (diesmal von der Tee-Sommelière, die derzeit im Reisebuchladen köstliche Bioteesorten aus Japan, China und Indien anbietet) – und natürlich die Zeit. Wieder einmal ist ein Großteil der Artikel, die ich besonders beachtenswert fand, nicht online. Dann muss es eben so gehen.

Beginnen wir mit „Vom geistreichen Nichtstun“ von Ulrich Schnabel (unter „Wissen“), in dem es um die Notwendigkeit des Abschaltens geht, um die nötige Muße, die wir uns gönnen sollten, um auf (neue) Ideen zu kommen. Denn die besten Einfälle kommen ja nicht immer während der Arbeitszeit, sondern manchmal unter der Dusche oder beim Spazierengehen. Herbeizaubern lassen sie sich leider nicht. Deswegen seien Pausen wichtig, in denen wir uns, vielleicht ganz allein und fern von E-Mails, Telefon etc. auf uns selbst besinnen. Besonders erholsam für unsere von Informationsflut überlasteten Köpfe sei z. B. der Anblick von Wiesen, Wäldern oder der Blick aufs Meer. Das kann ich nur bestätigen (vor allem beim Betrachten des Meeres kann ich wunderbar abschalten). Müßiggang hat also – wie ich schon lange vermutete – gar nichts mit Faulheit zu tun, er ist die notwendige Voraussetzung für unsere Arbeit, unseren Eifer und unseren Erfolg.

Im Ressort „Reisen“ gab es einen Artikel von Claudia Steinberg („Das lässt tief blicken“) über ungenutzte U-Bahnhöfe in New York. Einer der schönsten ist die City Hall Station. Ein Foto zeigt ihre Pracht: eine gekachelte Kuppel, von dekorativen Dachfenstern geziert – wunderschön. Man kann sie wohl heute wieder beim Vorbeifahren sehen, wenn man an der Endstation des Lexington Local (Linie 6) sitzenbleibt. Während die U-Bahn ihre Schleife dreht, ersteht für ein paar Sekunden die alte Pracht wieder auf.

Aus Karlsruhe kamen in den letzten Jahren zwei interessante Vorschläge, die allerdings kaum Aussicht auf Umsetzung haben. Der eine von Götz Werner, dem Gründer der DM-Kette: Grundgehalt für alle. Leider befürchten viele, dass wir dann gar nichts mehr tun und den ganzen Tag im Jogginganzug vor der Glotze hängen und „Bauer sucht Frau“ gucken würden. Der andere kam von Peter Sloterdijk: Freiwillige Abgaben statt Steuern. Das würde nie klappen, die Leute würden gar nichts mehr zahlen wollen, schon gar nicht freiwillig, homo homini lupus, der Mensch an sich ist schlecht – tja. Der so genannte „mündige“ Bürger ist anscheinend eine Idealvorstellung, die lediglich hervorgekramt wird, wenn man sie (für politische Zwecke) braucht. Denn eigentlich will der Bürger nur faulenzen, dem Staat auf der Tasche liegen und überhaupt keine Steuern zahlen. Oder?

Sehr lesenswert ist Sloterdijks Erwiderung auf seine Kritiker „Warum ich doch recht habe“. Aus zwei Gründen: Zum einen liefert er eine hervorragende Analyse der „Modi der Aneignung“, sprich: Wie eine Regierung, ein Staat an Abgaben kommt. Und zum anderen liefert er eine Idee, wie sich sein Vorschlag mit den freiwilligen Abgaben in die Tat umsetzen ließe. Nämlich indem man den Bürger über einen bestimmten Prozentsatz der Steuern selbst bestimmen lässt, wie bzw. an welche staatliche Einrichtung er das Geld verteilen will.

Ein, wie ich finde, großartiger Vorschlag! Ich hätte das Gefühl, die undurchsichtigen Steuersachen wären ein klein bisschen transparenter. Zumindest wüsste ich, wofür dieser bestimmte Prozentsatz von mir nun aufgewendet wird. Und ich könnte damit Einrichtungen unterstützen, die ich für unterstützenswert halte. Etwa Bildungseinrichtungen, KITAs, Krankenhäuser oder karitative Arbeiten. Man muss also kein Idealist sein, um den Vorschlägen etwas abzugewinnen. Etwas mehr Vertrauen in den „mündigen“ Bürger und nachvollziehbare Vorschläge zur Umsetzung könnten hier sicher interessante Entwicklungen bewirken.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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