Literarische Rezepte

Weihnachten hat ja viele positive Seiten: Eine Kette von gemütlichen Feiertagen, die man faul mit Nichtstun oder gesellig mit Familie und Freunden verbringt, es gibt (meist viel zu viele) Leckereien zu essen und zu trinken – und schöne Geschenke. So schenkte mir ein guter Freund beispielsweise das reizende Büchlein Die Suppe des Herrn K. von Mark Crick, das ich wärmstens empfehlen kann!

Mark Crick ist Fotograf und Autor. Seine Spezialität: literarische Parodien. Im Untertitel heißt das Buch Eine vollständige Geschichte der Weltliteratur in 15 Rezepten – okay, vollständig ist sie zwar nicht, dafür höchst amüsant. Crick hat die Rezepte im Stile verschiedener Autoren geschrieben. Besonders gut gefiel mir „Lamm in Dillsauce à la Raymond Chandler“ („Das Messer hielt ich noch in der Hand, aber es waren keine Sirenen zu hören“), „Schnelle Misosuppe à la Franz Kafka“ („Das Gefühl, bei seiner eigenen Abendesseneinladung ein Fremder zu sein, war K. nicht unbekannt“) und „Tiramisu à la Marcel Proust“ (wunderbar lange Sätze im Tone Prousts, leider zu lang zum Zitieren).

Zu den Rezepten gibt es Fotos und Illustrationen, die ebenfalls von Crick stammen und hervorragend zum jeweiligen Stil und Ton der Zeit bzw. des Autors passen, einige Beispiele sind auf seiner Webseite zu besichtigen.

Eine äußerst vergnügliche Idee. Vielleicht sollte man mal ein Abendessen arrangieren, das sich aus Cricks Rezepten speist, und vor jedem neuen Gang verliest jemand das entsprechende Rezept …

Eine Fundgrube für Rezepte ist natürlich auch Es muss nicht immer Kaviar sein von Johannes Mario Simmel. Diesen Schelmenroman über eine Art kochenden James Bond wider Willen, der immer das passende Gericht zur Lage zu fabrizieren scheint, habe ich mit 14 oder 15 gelesen. Ich fand ihn ziemlich spannend und manche der Rezepte so interessant, dass ich beschloss, einige von ihnen nachzukochen (wenn ich denn eines Tages meine eigene Küche hätte). Das habe ich zwar bis heute nicht gemacht, aber ich kaufte mir das Buch vor ein paar Jahren, falls ich es doch einmal ausprobieren will. Wem diese Mischung aus Roman und Rezepten ebenfalls mundet, dem seien Die kulinarischen Abenteuer des Fra Bartolo von Leonard Reinirkens empfohlen. Noch ein Schelmenroman, in dem der Held sich mit seinen Gerichten aus brenzligen Situationen manövriert. Sehr appetitanregend!

Eine weitere gute Seite dieser Weihnachtsfeiertage ist ihre weiße und heute scheint sogar die Sonne dazu.

Blick in den Hof (c) Petra Gust-Kazakos

Das richtige Wetter für einen Spaziergang. Aber erst noch schnell kochen …

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Literarische Rezepte

  1. Michael Kieweg schreibt:

    Der Simmel steht auch bei mir bei den Kochbüchern….
    Tolle Bücher zum Schmökern und Kochen sind auch die Bände der Reihe „Zu Gast bei …..“
    aus dem Heyne-Verlag.
    Opulent aufgemacht mit vielen Farbfotos erfährt man Einiges aus dem Leben des entsprechenden „Gastgebers“. In jedem Band sind außerdem jede Menge Originalrezepte enthalten, von Speisen und ganzen Menüs, die dort zubereitet wurden.
    Ich habe leider nur den Band über Monet. Aber zumindest Proust, Cezanne und Manet werde ich mir irgendwann noch anschaffen.

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