Gemeinschaftslesung – Nachlese

Am Samstagabend lasen verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Neuen Karlsruher Lesebuch vor, die vierte Anthologie dieser Art, diesmal im Info Verlag erschienen (2010).

Schriftsteller, Journalist und Mitherausgeber des Neuen Karlsruher Lesebuchs Matthias Kehle moderierte und las auch selbst. Allerdings nichts eigenes, sondern Gedichte des inzwischen leider verstorbenen Dichters Walter Helmut Fritz. Wie Fritz selbst, las er jedes Gedicht zweimal, wodurch sich die jeweilige Wirkung klarer und intensiver entfalten konnte als beim einmaligen Hören – erst ins Ohr, dann in den Sinn. Denn anders als beim Selbst-Lesen kommen gehörte Gedichte ja nicht gleich beim ersten Mal mit der vollen Eindrucksfülle beim Zuhörer an – zumindest geht mir das so.

Matthias Kehle, Foto: (c) Eveline von Pfeil

Schon die vorlesenden Autorinnen und Autoren gaben dem Publikum eine Vorstellung von den breitgefächerten Themen, Gattungen, Motiven und Genres der Beiträge zum Neuen Karlsruher Lesebuch: So gab es sehr berührende Geschichten, wie „Verschiedene Ebenen“ von Karin Bruder über das frühere Alltagsleben in Rumänien (konzentriert auf einen besonderen, ungewöhnlichen Aspekt) oder „Oma“ von Jasmin Hambsch, hier geht es um die Entfremdung  zwischen einer Großmutter und ihrer Enkelin, die selbst im Wissen um den nahenden Tod ihrer Oma diese Kluft nicht zu überwinden vermag. Es gab eine sehr gute, etwas surrealistische Geschichte von Klaus N. Frick, Autor und außerdem Chefredakteur (http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_N._Frick) der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan, über einen allzu gut funktionierenden Angestellten („Herrn Fehrmanns Problem“) sowie eine heitere Satire von Eva Klingler („Grenzenlos“).

Klaus N. Frick, Foto: (c) Eveline von Pfeil

Manche der Geschichten hatten einen expliziten Bezug zu Karlsruhe, eine wollte sogar, „ein Denkmal setzen“, nämlich „Die Jurks oder vom Glück, Obst und Gemüse zu verkaufen“ von Doris Lott. Der Gemüseladen Jurk, den es mittlerweile in seiner ursprünglichen Form nicht mehr gibt, war einer der ältesten Tante-Emma-Läden Karlsruhes, ganz bei mir in der Nähe. Auch ich habe gern frisches Obst, Gemüse und Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf in dem gemütlichen Lädchen gekauft. Andere Beiträge wiederum sind ganz woanders oder im Unbestimmten verortet.

Eva Klingler, Foto: (c) Eveline von Pfeil

Ein Blick ins Buch bestärkt den Eindruck: Das Neue Karlsruher Lesebuch ist keine lange Ode an die Heimat. Vielmehr zeigt es die Vielfalt der in und um Karlsruhe lebenden Autorinnen und Autoren. Damit ist es mehr als nur ein nettes Geschenk für Karlsruher. Die Anthologie bietet eine gute Übersicht über die aktuelle hiesige literarische Situation. Ich jedenfalls habe mir nach der Lesung gern das Buch gekauft (und noch zwei weitere, nämlich die Drahtamseln von Matthias Kehle und Heroes & Zeroes des unvergessenen Kuno Bärenbold). Wie Gastgeberin und 1. Vorsitzende des Künstlernetzwerk-SW e.V. Eveline von Pfeil ankündigte, wird es im März eine weitere Lesung aus dem Buch, dann mit anderen Autorinnen und Autoren geben, auf die ich mich jetzt schon freue.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Gemeinschaftslesung – Nachlese

  1. Pingback: Klaus N. Frick zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten | Philea's Blog

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