Pioniere des Internets: Jan Exner

Wir schreiben das Jahr 2011. E-Mails, Twitter, Facebook und Blogs bieten uns in den unendlichen Weiten des Webs unendlich viele Möglichkeiten zu kommunizieren. Was einst höchstens irgendwelchen „Computerfreaks“ vorbehalten war, beherrscht heute praktisch jedes Kind. Früher hat man sich getroffen, also in Wirklichkeit, und miteinander gesprochen. Man hat sich gegenseitig angerufen, Briefe geschrieben und Postkarten aus dem Urlaub geschickt, oder, wenn’s mal ganz dringend war, konnte man ein Telegramm aufgeben (ich habe allerdings noch nie eins bekommen). Das ist alles noch gar nicht so lange her.

Die erste E-Mail von einem Computer zum anderen versendete Ray Tomlinson 1971. Bis sich diese Form der Kommunikation ernsthaft durchsetzen konnte, sollten allerdings noch viele Jahre vergehen. Damals besaß schließlich noch kaum jemand einen Computer. Die waren da auch noch reichlich unhandlich und hatten andere Aufgaben zu bewältigen, als zum Texte eingeben, Spielchen spielen oder Filme gucken verwendet zu werden. Wie die meisten Karlsruher wissen, erreichte 1984 die erste E-Mail Deutschland, genauer gesagt Michael Rotert, der seinerzeit Technischer Leiter der Informatikrechner-Abteilung an der Universität Karlsruhe war.

Twitter gibt es seit 2006, Facebook ebenfalls. Und Blogs? Wikipedia meint dazu:

„Die ersten Weblogs tauchten Mitte der 1990er Jahre auf. Sie wurden Online-Tagebücher genannt und waren Webseiten, auf denen Internetnutzer periodisch Einträge über ihr eigenes Leben machten. Die ersten deutschsprachigen Weblogs waren Robert Brauns Weblog, Moving Target und die Cybertagebücher, die später dann von Aktion Sorgenkind übernommen wurden. Über das CL-Netz wurde das Zagreb Diary des niederländischen Journalisten Wam Kat verbreitet.“

Einer der ersten Blogger, die mir persönlich bekannt sind, ist mein Freund Jan. Am 3. April 1998 versendete er per E-Mail an seine Freunde seinen ersten „Bericht aus Frankreich“. Dorthin hat er sich zum Studium begeben und wollte natürlich seine alten Freunde auf dem Laufenden halten. Wenige Tage später stellte er den Bericht mit Fotos online – und es sollten noch viele folgen. Seit 1999 fotografiert Jan wunderbare Sternenhimmel – auch diese Fotos sind online auf seinem Blog zu sehen. Und er befasst sich ausgiebig mit Software, zu der er ebenfalls bloggt. Heute sendet er noch immer seinen alten Freunden per E-Mail seine Berichte, mittlerweile aus England, und sein Blog wächst und wächst.

In dem folgenden Interview stelle ich euch einen der Pioniere der Blogosphäre ein bisschen näher vor.

Wie kamst du auf die Idee, deine Berichte nicht nur per E-Mail zu versenden, sondern auch im Internet zur Verfügung zu stellen? Wolltest du da eine neue Technologie ausprobieren oder ein breiteres Publikum erreichen?

Jan: Ich glaube mir ging es um zwei Dinge: Technik und Archivierung.

Bevor ich nach Frankreich ging war ich als studentischer Mitarbeiter beim „University Support Center“ tätig, einem von Microsoft gesponsorten Callcenter für Unis in Deutschland. Neben dem eigentlichen Support hatte ich da die Webseite gebastelt, so richtig schön enthusiastisch und häßlich. Darauf wollte ich aufbauen.

Und zweitens fand ich es praktisch, bei Nachfragen einfach auf eine URL verweisen zu können. „Hier, da steht das drin.“

Ich selbst habe anfangs nie auf dein Blog geklickt, ich hatte ja den Bericht per E-Mail Weißt du noch, wie sich deine Benutzerrate im Internet entwickelt hat? Wie oft also jemand auf deine Seite oder einen deiner Berichte klickte?

Jan: Die ersten Klicks aus den E-Mails kamen im August 1999, als ich zum ersten Mal Fotos in einen Bericht eingebaut hatte. Vorher war der Traffic vermutlich ausschließlich von mir.

Und wie sehen deine Zugriffszahlen heute aus? Ich schätze, dass sich durch deine vielseitigen Interessen der Kreis tatsächlich sehr stark vergrößert hat?

Jan: Web Analyse Daten habe ich seit etwa 2001, zumindest rudimentäre. Seit 2008 messe ich mit professionellen Tools, dank meines Jobs. Totaler Overkill.

2002 habe ich erstmals die 10.000-Seiten-pro-Monat-Grenze überschritten, 2008 die 20.000. So richtig viel größer ist der Kreis nicht geworden. Aber das ist auch gut so. Ich kann nach wie vor relativ unbeschwert schreiben, ohne mir zu viele Gedanken machen zu müssen über Folgen.

Wie viele Blogs besuchst du selbst inzwischen regelmäßig? Welche kannst du besonders empfehlen?

Jan: Tatsächlich im Browser? Zwei, davon eins sporadisch. Per RSS allerdings folge ich etwa 50 Blogs, davon so 40% beruflich.

Mein Lieblingsblog zurzeit ist Englisch und ab 18, das empfehle ich hier lieber nicht.

Hatten die ersten Blogger untereinander eigentlich Kontakt? So viele waren es ja erst mal nicht.

Jan: Ich habe nie Kontakt gesucht. Ich glaube ich bin aus drei Gründen nie Teil der „deutschen Blogosphäre“ gewesen: Erstens war ich kein Blogger im engeren Sinne. Dafür waren meine Postings zu lang und unregelmäßig. Zweitens bin ich „Hobbyblogger“, habe also weder ein besonderes Sendungsbewusstsein noch Einkommen aus dem Blog. Und drittens bin ich geografisch eben nicht in Deutschland.

Es schmeichelt mir schon, wenn Du mich Pionier nennst : )

Welche weiteren Kommunikationsplattformen nutzt du bzw. würdest du eher nicht nutzen?

Jan: Ich nutze hauptsächlich Twitter. Auf Blogger laufen noch ein paar Blogs, z.B. Babelkid und ein paar andere Dienste nutze ich auch noch. Facebook habe ich abgeschworen, die sind mir zu anstrengend.

Mittlerweile gibt es viele Blogs zu allen möglichen Themen. Was bedeutet es für dich, zu den Pionieren der Blogosphäre zu gehören?

Jan: Gute Frage…

Ich zähle mich ja wie gesagt eigentlich nicht zur Blogospäre, insofern kann ich die Frage gar nicht so richtig beantworten. Pionier lasse ich natürlich gerne gelten. Interessant ist ein Blick auf den Zeitstrahl auf http://www.metaroll.de/bloghistory.html. Sieht ja so aus, als wäre ich wirklich recht früh dabeigewesen…

In erster Linie bin ich beeindruckt, daß ich wirklich seit über 10 Jahren ohne Pause geschrieben habe. Das hatte ich so nie geplant. Stolz? Ja, warum nicht.

Und hier noch der Link zu Jan Exners Blog: http://www.jan-exner.de

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Pioniere des Internets: Jan Exner

  1. Pingback: Tweets that mention Pioniere des Internets: Jan Exner | Philea's Blog -- Topsy.com

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