Der Reiz der Reiseliteratur

Neulich saß ich – wie üblich lesend – in der Straßenbahn. Beim Aussteigen traf ich einen Kollegen, der mich fragte, was ich gerade lesen würde. „Ein Buch über das Reisen“, erwiderte ich. Etwas verständnislos meinte er, dass richtiges Reisen ja wohl besser sei. Damit mag er von Fall zu Fall durchaus Recht haben, die Antwort zeigte mir jedenfalls, dass er selbst offenbar kein Fan von Reiseliteratur ist. Ich gab zu bedenken, dass es zumindest eine schöne Überbrückung für die Zeit zwischen den Reisen sei. Aber natürlich ist es schwer, jemandem in Kürze den Reiz von Reiseliteratur zu vermitteln (oder überhaupt von irgendetwas, das einem gefällt).

Literatur ist Neigungs- und Geschmackssache. Die einen lieben Krimis, die anderen Sachbücher, die nächsten Liebesgeschichten, wieder andere lesen überhaupt nichts. Ich lese (fast) alles Mögliche. Zu meinen Favoriten aber zählt tatsächlich die Reiseliteratur. Und davon gibt es so viel, dass man sich damit vermutlich locker ein Leben lang beschäftigen kann.

Mit Reiseliteratur meine ich nicht in erster Linie die diversen Reiseführer, die angeschafft werden, um sich ein Bild vom Ferienziel zu machen (auch von Leuten, die sonst eher keine Bücherwürmchen sind). Sondern (literarische) Reiseberichte, Essays, Tagebücher oder Briefe von Reisenden oder Romane und Kurzgeschichten. Mich faszinieren die Gedanken, die sich andere über das Reisen als solches oder über ihre diversen Reiseziele machen, ihre Eindrücke und Erlebnisse. Der Erkenntnisgewinn, der damit verbunden ist, auch wenn man selbst nie eine derartige Reise unternommen hat (oder es vorhat), der Reiz dieser Reise in Gedanken, während man selbst gemütlich auf dem Sofa liegt, lässt sich schwer erklären. Am besten, man probiert es selbst, um herauszufinden, ob es einem gefällt.

Das Lesen über Reisen ersetzt die eigenen Reiseerfahrungen gewiss ebenso wenig, wie das Lesen überhaupt (von Abenteuern, Lieben etc.) das eigene Erleben ersetzen kann. Aber anderer Leute Erfahrungen können uns ja durchaus weiterbringen, indem sie uns neue Perspektiven und Horizonte eröffnen. Vorausgesetzt, man möchte nicht nur unreflektiert konsumieren.

Das Buch, das ich las, heißt übrigens Reisen. Verabredung mit der Fremde und stammt von Dietrich Krusche. Es ist schon ein älteres Buch, wohl vergriffen. Mein Lieblingsverleger hat es mir vor einiger Zeit geschenkt (vielen Dank nochmals, lieber Tobias!). Mir hat es gut gefallen. Und es ist immer wieder interessant festzustellen, dass Autoren, die über das Reisen schreiben, in manchem ganz ähnlich an die Thematik herangehen. Vor allem, wenn sie beispielsweise über Reisen in der Literatur schreiben. Nur den Schritt vom Reisen zum Lesen vollziehen dabei die wenigsten: Nämlich dass das Lesen immer mit einer Reise verbunden ist – einer Reise in andere (Gedanken-)Welten. Egal, ob es sich um einen Roman, ein Sachbuch oder einen Reisebericht handelt. Dabei liegt dieses Thema doch so nahe! Falls ihr mehr darüber erfahren wollt, hätte ich da noch einen weiteren Buch-Tipp für euch …

Ganz weit weg. Leselust & Reisefieber, Foto (c) Petra Gust-Kazakos

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Der Reiz der Reiseliteratur

  1. literatwo schreibt:

    Wenn du Reiseliteratur magst, wird Dich unser Jakobsweg – Projekt auf Literatwo interessieren… Diese Woche mehr dazu!

    Das Photo macht Reiseleselust und wir wollen uns Lesepilgerblasen laufen – passt doch – oder?

    Raily

  2. Pingback: Bücherbilder – Bilderbücher | Philea's Blog

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