Salons und Salonièren

Als Bücherwürmchen liest man nicht nur viel, man unterhält sich auch gern mit Gleichgesinnten über Literatur. Das kann man natürlich prinzipiell fast überall tun, in der Kaffeepause mit der netten Kollegin, auf einer Party, in der Buchhandlung etc. Oder eben ganz gezielt, indem man zu einem Salon geht. Eine wunderbare Einrichtung, die heute zwar noch nicht gänzlich in Vergessenheit geraten ist, aber wirklich berühmte Salons oder Salonièren wie einst Rahel Varnhagen oder Berta Zuckerkandl gibt es eigentlich keine mehr. Zumindest fallen mir keine ein (ich lasse mich jedoch gern belehren, falls dem nicht so ist). Hier findet sich übrigens eine interessante Übersicht zu einigen weiteren Salonièren.

Doch es gibt ja zum Glück Bücher über diese Frauen und ihre Salons. Beispielsweise Der Text meines Herzens. Das Leben der Rahel Varnhagen von Carola Stern. Rahel Varnhagen führte in Berlin einen bestens besuchten Salon, in dem sich viele Geistesgrößen ihrer Zeit trafen, beispielsweise Jean Paul, Ludwig Tieck, Friedrich Schlegel (die beiden letzteren sind Shakespeare-Kennern als Übersetzer bekannt) oder auch die Gebrüder von Humboldt, um nur einige zu nennen. Sie war leidenschaftlich, vielseitig gebildet, intelligent und zuweilen etwas starrsinnig, dennoch kam sie gut mit den unterschiedlichsten Menschen zurecht, worauf sich gewiss ein Teil des Erfolgs ihres Salons zurückführen lässt. Sie verehrte Goethe auf eine Weise, die an heutigen Starrummel erinnert, und trug gemeinsam mit anderen zu seiner Bekanntheit in Preußen bei.

Zwischendurch lebte sie in Prag und organisierte während der Befreiungskriege die Versorgung der Verwundeten aller (!) Kriegsparteien. Auch in Karlsruhe verbrachte sie längere Zeit, die ihr allerdings lang wurde, weil ihr die intellektuellen Kreise fehlten, in denen sie zu verkehren gewohnt war. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass sich das mittlerweile wesentlich gebessert hat ; ) Jedenfalls: Wer sich für ungewöhnliche Frauenleben und die Geschichte der Berliner Salons interessiert, kommt um dieses Buch eigentlich nicht herum.

Außerdem empfohlen seien in diesem Zusammenhang: Die jüdischen Salons im alten Berlin 1780 – 1806 von Deborah Hertz, Die Berliner Salons von Petra Wilhelmy-Dollinger oder Das gesellige Canapé von Cornelia Saxe. Wenn man sich durch diese Bücher gelesen hat, bekommt man allergrößte Lust, diese schöne Tradition wieder stärker zu beleben.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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9 Antworten zu Salons und Salonièren

  1. Georg schreibt:

    In Karlsruhe gab es auch mal. Erfinde du doch einen. Ich komme.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Echt? Hm, ich denke gerade darüber nach. Ich hatte mal ne zeitlang, war auch toll, aber sehr zeitaufwändig, so ließ ich es wieder einschlafen. Mal sehen … Wo gab es denn in KA einen Salon?

  2. Georg schreibt:

    An wechselnden Orten, glaube ich. Meine Liebste hat das mal organisiert.

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Schön! Schade, dass sie damit aufgehört hat. Vielleicht macht sie es ja mal wieder …

  4. B.ee schreibt:

    Ich sehe schon, mit dem Thema Salon muss ich mich intensiver beschäftigen! Hui!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Es ist ein sehr interessantes Thema, finde ich. Und es gibt wirklich viel gute Literatur darüber … aber du willst ja ein Jahr lang keine Bücher kaufen? Ausleihen aber geht, oder?

      • B.ee schreibt:

        Das mit dem Ausleihen hatte ich mir zu Beginn des Jahres noch offen gelassen, was den Effekt hatte, dass ich Berge von Büchern heimschleppte, die ich dann wieder vor meinen eigenen lesen musste. Also auch weeeeeniger Ausleihen. Ich bleibe jetzt mal eisern.Oder so.

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        : ) Es lebe die Idee an sich!

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