Athen ist schön!

Kürzlich sandte mir meine liebe Schwiegermutter Gerda ein herrliches Foto „vom schönsten Platz der Erde“ – da sind wir uns beide einig.

Die Akropolis, im Hintergrund Athen und der Lykabettos, (c) Gerda Kazakou

„Athen?“, höre ich manche von euch entgeistert aufächzen. „Das ist doch nur groß und laut und schmutzig!“ Ja, das ist die gängige Meinung. Aber glaubt mir, wenn ihr euch einmal so viel Zeit zum Bummeln durch die schönen alten Viertel von Athen nehmt wie zum Beispiel zum Bummeln durch die schöneren Stadtteile von Paris, werdet ihr viele erfreuliche Überraschungen erleben.

In meinem Buch Ganz weit weg gehe ich genauer darauf ein und vergleiche das Bild, das wir von Paris in uns tragen, mit unserem Bild von Athen. Dieses Bild hat sich in uns schon lange geformt, bevor wir einen Fuß in die jeweilige Stadt gesetzt haben und das, obwohl die beiden Städte doch viel gemeinsam haben:

„Beide sind groß und betriebsam, nicht besonders sauber und laut. Beide sind Metropolen von politischer und kultureller Bedeutung, in beiden lässt sich auf Geschichte wandeln, beide haben Geschichte gemacht – als Wiege der Demokratie oder Wiege der Menschenrechte. Sie haben ihre weniger schönen Viertel und ihre bezaubernden, es gibt Armut und Reichtum, eine revolutionsgeprägte Vergangenheit (und gelegentlich eine revolutionswillige Gegenwart), Luxusläden und Billigshops, Nobelrestaurants und Imbisse, Straßencafés, Parks, Museen, Galerien, Theater und so weiter und so fort. Aber es hilft alles nichts. Paris ruft Sehnsuchtsseufzer hervor, Athen eher solche des Bedauerns oder gar des Widerwillens.“ Ganz weit weg, S. 34

All die Bücher, Filme, Fotos, Nachrichten, geschichtlichen Ereignisse etc. prägen unser Bild vorab, sodass man versucht ist, beim Bummeln nur noch die Bestätigung gewisser „Vorurteile“ wahrzunehmen. So, wie sich manche in fremden Städten nur auf die vielfach gelobten Sehenswürdigkeiten stürzen, sehen, was tausend Andere schon vorher gesehen und für gut befunden haben, um es dann auf der eigenen To-do-Liste als „besichtigt“ abhaken zu können. Dass das nicht reicht, um eine Stadt kennen- und vielleicht lieben zu lernen, wisst ihr natürlich selbst. Falls es euch also in den Pfingst- oder Sommerferien zu den griechischen Inseln zieht, gebt Athen eine Chance und schaut es euch genauer an. Dazu noch ein Zitat aus meinem Buch, das euch hoffentlich ein bisschen Lust dazu macht:

„Für die Olympiade 2004 hatten sich die alten Viertel wunderhübsch aufgeputzt, abends vorteilhaft bestrahlte neoklassizistische Fassaden, darüber der Parthenon, überall Cafés und Restaurants, dicht gedrängte Touristenströme, am Rand ein paar fliegende Händler. Und alles summt und brummt und duftet. Dann, etwas höher, die herrlichen alten Villen in Thisío, wo es auf einmal ganz ruhig ist – und das mitten in Athen. Psirí, das auflebt auf in der Nacht, ein Ausgehviertel mit so vielen Bars und Restaurants, dass die Wahl schwer fällt. Das schicke Kolonáki, das mit seinen teuren Läden zum Bummeln lockt. Exárchia, nahe der Universität, das wohl nie seinen anarchischen Ruf loswerden wird. Die vielen Museen und Galerien und immer wieder große Plätze und kleine Parks, verkehrsumtoste Inseln der Ruhe, in denen im Sommer die Zikaden lärmen und Blütendüfte den Smog vergessen machen. Sicher, Athen ist groß und laut und schmutzig – aber aufgrund der vielen Gegensätze, aus denen es sich formt, auch unglaublich faszinierend und in meinen Augen schön.“ Ganz weit weg, S. 36

Mit unserer Meinung „vom schönsten Platz der Erde“ stehen Gerda und ich übrigens nicht allein da. Schon Mark Twain war hingerissen vom Anblick Athens vom Akropolishügel aus:

„Der Vollmond stand jetzt hoch am wolkenlosen Himmel. Wir schlenderten sorglos und gedankenlos an den Rand der hohen Zinnen der Burg und schauten hinunter – ein Traumbild! Und was für ein Traumbild! Athen im Mondlicht! Der Prophet, der dachte, es werde ihm die Herrlichkeit des Neuen Jerusalems enthüllt, hat sicherlich statt dessen dies gesehen! Es lag in der flachen Ebene gerade zu unseren Füßen – ausgebreitet wie auf einem Gemälde -, und wir blickten darauf wie von einem Ballon aus hinab. […] Zu Häupten die erhabenen Säulen, majestätisch noch im Verfall, zu Füßen die träumende Stadt, in der Ferne das silberne Meer – nirgends auf der weiten Erde gibt es ein Bild, das nur halb so schön wäre!“ Twain, Mark: Reise durch die Alte Welt, S. 258f., zitiert nach Ganz weit weg, S. 38f.

Und damit spricht mir Mark Twain aus dem Herzen : )

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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