Sonntägliches Zeitungsfrühstück

Nachdem wir am Samstag nicht dazu kamen, sämtliche Zeitungen auf dem Küchentisch zu durchrauschen, war das Programm für diesen Sonntagmorgen klar : ) Mein Liebster holte frische Croissants und dann konnte es losgehen. Hier mein persönliches Lieblingsstrandgut aus dem Informationsmeer.

In der Rubrik „Stimmt’s?“ der Zeit geht es diesmal um die Frage, ob es eine Regel für die Beschriftung von Buchrücken gibt. Wenn wir uns durch unsere Bücherregale kucken, müssen wir fleißig den Kopf nach links und rechts drehen, sofern die Bücher – was meist der Fall ist – aufrecht im Regal stehen. Eine allseits verbindliche Vorschrift, die diese unfreiwillige und ein klein wenig nervige Gymnastik vermeidet, gebe es nicht. Wohl aber einer internationale Norm namens ISO 6357 Spine titles on books and other publications, die sich für die „rechtsdrehende Variante“ entschieden habe, den auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels empfehle. Nur halten sich nicht alle daran. Man könnte natürlich die Stapelvariante wählen. Die wiederum scheitert – so man nicht nach Größe sortiert – daran, dass wertvoller Regalplatz beim Stapeln unterschiedlich großer Bücher vergeben wird. Also wird auch in Zukunft weiter das Köpfchen gedreht.

Doch kommen wir zu einem weltbewegenderen Thema: Im Feuilleton der FAZ findet sich ein befremdliches Interview mit dem Titel „Ihr Deutschen steht allein da„. Befremdlich deswegen, weil sich hier ein amerikanischer Umweltaktivist, Stewart Brand, für die Atomkraft mit Argumenten ausspricht, die hierzulande eher dem „anderen Lager“ ganz smooth über die rhetorisch geübten Lippen gleiten – wer abschalte, müsse Atomstrom aus dem Ausland einführen, moderne Atomkraftwerke seien sicher und überhaupt ist Kohlekraftwerk schmutzich, schmutzich, schmutzich. Und das Problem nachfolgender Generationen sollten diese am besten selbst lösen (also sinngemäß …). Wenn man gehässig wäre, könnte man sagen, da spricht ein älterer Herr (Jahrgang 1938), der etwas frustriert ist, sich immerhin zum Umweltpragmatiker stilisiert und womöglich im Stillen denkt „Nach mir die Sintflut“.

Aber ich will ja nicht gehässig sein, sondern lieber der Argumentation von Andrian Kreye folgen. Ebenfalls im Feuilleton, diesmal der Süddeutschen, geht es in dem Beitrag „Ökologie ist Notwehr“ u. a. gleich um mehrere „umweltpragmatische“ Argumente gegen einen ökologischeren Lebensstil. Statt Hybrid-Autos zu fahren, solle man besser seinen alten Wagen behalten, bis er zusammenfällt, Ökostrom subventioniere den Emissionshandel der Energiekonzerne etc. pp. Doch, wie der Autor sehr richtig feststellt: „Solch ergebnisorientiertes Denken greift aber zu kurz. Der individuelle kleine Schritt aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse verändert für sich gesehen in der Tat wenig. Er schafft in der Masse jedoch gesellschaftlichen Druck. Dieser Druck manifestiert sich mittelfristig in entsprechenden Gesetzen. So wird aus schädlichem Verhalten der Gesellschaft und ihrer Institutionen ganz offiziell ein normwidriges Verhalten.“ Genau. Und deswegen wollen wir auch weiter Ökostrom nutzen, „Bio“ einkaufen und Car Sharing betreiben, statt uns ein Auto, welcher Art auch immer, zuzulegen. Ein bisschen was kann man auch im Kleinen bewirken.

Und zum Schluss noch zwei Perlen aus dem „Wochenende“ der Süddeutschen: Max Scharnigg macht sich in „Veilchen“ höchst vergnüglich und sprachlich gewandt über die Bärlauch-Sammler lustig, leider nicht online, und in „Über Wasser“ stellt Petra Steinberger interessante Architekturentwürfe für Städte auf oder unter Wasser vor, leider ebenfalls nicht online. Am schönsten fand ich das „Lilypad Project“, das andernorts online zu bewundern ist.

Euch noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Sonntägliches Zeitungsfrühstück

  1. Michael Kieweg schreibt:

    Lilypad ist ja toll! Weißt du, ob es eine deutsche oder englische Version der Seite gibt?

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Hallo, lieber Michael! Der Architekt ist Belgier, so viel ich weiß, auf Deutsch fand ich immerhin noch einen Artikel über Lilypad: http://www.cireview.de/masterplan/schwimmende-stadt-lilypad-zeigt-visionaeres-nomadentum-auf/

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