Reisegepäck im Wandel der Zeiten

Noch bis zum 1. Mai 2011 läuft im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg eine Ausstellung über Gepäckstücke im Wandel der Zeiten. Darüber hatte ich schon viel Gutes gelesen. Da ich aber leider nicht dazu kam, nach Nürnberg zu reisen, habe ich mir wenigstens den Band zur Ausstellung, Reisebegleiter – mehr als nur Gepäck, bearbeitet von Claudia Selheim, im Reisebuchladen besorgt. Ein wunderbarer Katalog und genau nach meinem Geschmack!

Er enthält eine Reihe interessanter Beiträge über die Entwicklung der Gepäckstücke durch die Jahrhunderte. Zum Beispiel darüber, dass es den Begriff „Koffer“, wie wir ihn heute verstehen, erst seit 150 Jahren gibt. Zuvor war damit eher eine Kiste oder Truhe gemeint, also eigentlich ein Möbelstück. Die Koffer, die auf Kutschen transportiert wurden, mussten ja auch ganz anderen Belastungen standhalten, als unsere leichten Rollkoffer. Ich persönlich bin ja ein großer Fan von altmodischen Gepäckstücken, vor allem von Schrankkoffern:

„Sein Charme besteht darin, dass er riesig ist und zugleich in der Art einer Kommode vielerlei Fächer bietet, in die man seine Habseligkeiten ordentlich hineinlegen und auf der Reise problemlos wiederfinden kann. Er sieht schön aus und ist enorm praktisch. […] Zweckmäßig sind solche Riesenkoffer bestimmt. Außer unterwegs, denn die Zeiten, in denen man sich das Gepäck hinterher tragen lassen konnte, sind vorbei. Das erschwert es generell, hübsch altmodische Gepäckstücke mitzunehmen, die damals noch nicht auf Rollen ihren Besitzern folgten.“ [Ganz weit weg, S. 61]

Aber Koffer – oder Truhen – waren oft nicht alles, was zumindest betuchtere Reisende unterwegs mit sich führten:

„Außerdem zählte zum Gepäck alles, was unterwegs zumindest annähernd für die Bequemlichkeit sorgen sollte, die man von daheim gewohnt war. Damals konnte man kaum erwarten, gleiches an den Zielorten vorzufinden (und wünschte sich offenbar wie ich ein bisschen Sicherheit in der Fremde, die früher so viel fremder war als heute). Deshalb packte man vieles ein, was man heute bestenfalls auf einer Campingtour mit sich führen würde: Geschirr, Besteck, Bettzeug, zusammenlegbare Möbelstücke, auch Proviant, das Reiseplaid und so fort.“ [Ganz weit weg, S. 53]

Interessant sind auch die speziellen Gepäckstücke für unterschiedliche Bedürfnisse, sogenannte Reisenecessaires. Darunter verstehen wir ja inzwischen eher das Set mit Nagelschere, Feile und Pinzette. Früher aber waren es Kasten und Kästchen, die thematisch geordnet bestimmte nützliche Gegenstände in sich versammelten. Etwa ein Service für zwei Personen, Tafelzubehör (Besteck, Gefäße für Gewürze und derley), Rasierzeug, Medikamente oder Schreibutensilien. Diese klapp- und faltbaren Gepäckstückchen finde ich überaus faszinierend:

„Es gibt eine erstaunliche Menge an Truhen, Kästchen und faltbaren Gegenständen für die unterschiedlichsten Zwecke. Frisierschatullen, reich verziert, die aufgeklappt ihren Platz für Toilettenartikel sowie einen Spiegel präsentieren. Klappstühle und passende Fußschemel, Schmuckkassetten oder zusammenrollbare Behältnisse für Schreibgerät oder medizinische Instrumente (die ich nun wirklich nicht benötige), Reisespiele und -spieltische – wenn man sich erst einmal in dieses Gebiet vertieft, findet man die bemerkenswertesten Dinge. So sehr mich Reisemöbel mit Entzücken erfüllen, brauchen tue ich sie leider nicht. Und kaufen werde ich sie wohl erst, wenn ich sehr viel Platz habe und nicht mehr weiß, wie ich ihn füllen soll.“ [Ganz weit weg, S. 60f.]

All diese Gepäckstücke und noch viele weitere finden sich, kenntnisreich kommentiert und mit wunderschönen Bildern in dem wirklich empfehlenswerten Bildband. Dazu eine gute Auswahl interessanter Beiträge – alles in allem mehr als nur ein Appetitmacher für den nächsten Urlaub. Ich werde sicher noch oft in dem Bildband blättern.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Reisegepäck im Wandel der Zeiten

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Sehr schöner Artikel! Macht ganz viel Lust … auf das Reisen und vor allem das Packen! 😉

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