My big fat greek Fastenzeit

Also eins vorweg: Ich faste nicht. Schließlich muss ich die Erwartungen meiner Schwiegereltern erfüllen, auch die schlechten. Aber ich bin immer wieder erstaunt, wie viele fasten bzw. „was“ viele fasten. „Etwas“ zu fasten scheint ja seit ein paar Jahren in Deutschland in Mode zu sein. Eine fastet Alkohol und Schokolade – dazu meinte mein Liebster: „Ich dachte, das nennt man Diät.“ Das dachte ich auch. Manche fasten Zigaretten, wieder andere Autofahren. Letzteres faste ich praktisch das ganze Jahr, damit könnte ich vielleicht mein Nicht-Fasten während der Fastenzeit kompensieren.

Hier in Griechenland hört man gelegentlich: „Nistéwo“ (ich faste). Damit scheint in erster Linie – klassisch – das Essen gemeint zu sein. Denn als wir, halb verhungert, auf unserer Fahrt von Athen nach Kalamata zu einer Kneipe kamen und auf Speisung hofften, gab es leider nichts. Es sei ja Fastenzeit. Ach so. Zum Glück fanden wir später noch eine Psistariá (ein Lokal mit extrem viel gegrilltem Fleisch auf der Speisekarte), die geöffnet hatte. Interessanterweise fragte uns der Wirt, ob wir fasten würden. Ich frug mich, wieso ich dann eine Psistarià aufsuchen sollte – um mich mit dem Duft und dem Anblick gegrillter Leckereien zu geißeln? Mein Liebster verneinte und so konnten wir endlich essen. Gott sei Dank!

„Doch die Fastenzeit ist mehr als eine Diät. Die österliche Bußzeit beginnt am Aschermittwoch und endet mit der Karwoche. Sie umfasst 40 Tage und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat.“ Heißt es auf http://www.katholisch.de/19163.html. So hatte ich das auch in Erinnerung.

Bei Wikipedia liest man: „Die im Christentum für Werktage gebotene Enthaltung von Fleischspeisen und von Tanzveranstaltungen wurde im 20. Jahrhundert merklich gelockert. Ansonsten wird Fasten in manchen Kirchen heutzutage umfassender als Verzicht auf Annehmlichkeiten verstanden, z.B. als ‚Autofasten‘ oder ‚7 Wochen Ohne‘.“

Dass Jesus Zigaretten, Autofahren und Alkohol gefastet hat, musste in der Bibel natürlich nicht extra erwähnt werden, schließlich war er in der Wüste. Dennoch finde ich diese Spezial-Fasterei schräg. Immerhin haben die Gespräche über unorthodoxe Fastengewohnheiten endlich die unappetitlichen Themen der begeisterten Fastenfans verdrängt, die nicht nur zur Fastenzeit dem Verzicht frönten und gern bei Tisch enthusiastisch über ihre Klistiere und Einläufe berichteten. Themen also, die sich kaum für gepflegte Unterhaltungen eignen. Schon gar nicht bei Tisch.

Ob die Griechen ebenfalls „Sachen“ fasten, habe ich noch nicht herausgefunden. Wikipedia meint zur Fastenzeit in der orthodoxen Glaubensgemeinschaft:

„Die östlich-orthodoxe Kirche kennt grundsätzlich drei Stufen des Fastens:

a) Strenges Fasten: ein streng veganes Fasten, bei dem außer Honig keinerlei tierische Produkte verzehrt werden, außerdem werden weder Öl noch Alkohol konsumiert.

b) Leichtes Fasten: Im Gegensatz zu a) sind Wein, Öl und Weichtiere erlaubt.

c) Fisch: Im Gegensatz zu b) ist zusätzlich noch Fisch erlaubt.“

Das klingt mir schon eher nach Fasten im „klassischen“ Sinne. Wobei die Griechen ja ihre Tricks haben. So ist in der Fastenzeit beispielsweise Halwas erlaubt. Das ist eine köstliche Angelegenheit, die die Fastenzeit sicher extrem versüßt.

Fasten in Griechenland stelle ich mir ziemlich schwierig vor. Wenn man zum Beispiel in einem Restaurant zwei Vorspeisen und zwei Hauptspeisen bestellt, kommen Portionen, die insgesamt fünf bis sechs Hauptspeisen entsprechen. Und anschließend kommt ein Dessert „aufs Haus“ (die deutsche Sitte griechischer Lokale, Frei-Ouzos auszuschenken, ist hierzulande unbekannt). So wird das natürlich erst recht nichts mit dem Fasten!

Wie man an diesem Schaufenster einer Konditorei sieht, hat die Fastenzeit jedenfalls keinerley Auswirkungen auf die Dekoration.

Griechische Fastenfolter

Die griechischen Süßigkeiten sind übrigens sehr süß und unheimlich lecker. Ein kleines Törtchen von der Größe eines halben deutschen Tortenstücks hat ungefähr so viele Kalorien wie mindestens zwei ganze deutsche Tortenstücke. Insofern ist es möglicherweise nicht unvernünftig, in der Fastenzeit ein wenig Verzicht zu üben, um ab Ostern wieder hemmungslos all die Leckereien zu genießen, von denen es in Griechenland so reichlich gibt. Aber das fällt dann eigentlich auch wieder unter „Diät“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu My big fat greek Fastenzeit

  1. Dimitris schreibt:

    Ein paar Ergänzungen was das griechische Fasten angeht:

    – Die Fastenzeit dauert 49 Tage und nicht 40 wie die meisten denken. Das Missverständnis kommt vielleicht daher, dass man von der „Sarakosti“ oder „Tesarakosti“ redet. Eine Andeutung auf die 40 Tage. Doch diese 40 Tage zählen von der „Kathara Deftera“ bis zum Freitag vor den Samstag des Lasarus. Der Samstag des Lasarus ist aber der Samstag vor der Karwoche, also sind es vom Ende der Sarakosti bis zum Ostersonntag noch 9 Tage. Insg. also 49 Tage.

    – Fasten bedeutet der Verzicht auf Fleisch und fleischliche Produkte. Alles andere ist Unfug. Fasten auf Dinge gibt es nicht. Jedoch das richtige Fasten bedeutet Verzicht auch auf Quantität und vor allem Fasten des „Denkens und der Zunge“.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinen Liebsten (und ehemaligen Kollegen von mir) Καλό Πάσχα!

    Dimitris, der ex-Nachbar (odr?)

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Ah, das ist ja mal erhellend! Vielen Dank, lieber Dimitri, odr : )

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