Alexandros Stefanidis‘ Lese- und Reisegewohnheiten

In diesem Fragebogen erfahrt ihr, wo (außer in Griechenland) der Autor und Journalist Alexandros Stefanidis sonst noch gern Urlaub macht, was er gern liest und ein bisschen über sein lesenswertes Buch Beim Griechen.

Beim Griechen von Alexandros Stefanidis war für meinen Liebsten und mich letzten Winter eine großartige Entdeckung: Einwanderungsschicksal verbunden mit Familien- und sogar bundesrepublikanischer Geschichte: Alexandros Stefanidis schreibt über seine Familie, vor allem seinen Vater, einen bekannten griechischen Restaurantbesitzer in Karlsruhe, und seine Mutter, die für die kulinarischen Leckerbissen sorgte und sowohl Herz als auch Rückgrat des Restaurants und der Familie war. Er schreibt über die Stammgäste, über die Party der Grünen im Restaurant nach ihrer Parteigründung in Karlsruhe, über die Spielsucht seines Vaters, die verschiedenen familiären größeren und kleineren Tragödien und vieles mehr. Natürlich hat er damit seiner Familie, insbesondere seinem Vater, ein Denkmal gesetzt. Aber im Verlauf der Geschichte wird immer offenbarer – ich weiß nicht, ob der Autor das beabsichtigt hatte – dass die wahre „Heldin“ seine Mutter ist. Nach einem weiteren schweren Vertrauensbruch ihres Mannes erweist sie sich von einer menschlichen Größe, die ich sehr ergreifend fand.

Das Restaurant hat 2009 geschlossen, in diesem Buch ersteht es noch einmal auf.

Kurzbiografie

geboren 1975 in Karlsruhe, Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Soziologie in Heidelberg, Thessaloniki und Toronto. Anschließend Besuch der Deutschen Journalistenschule in München, ab 2004 freier Autor für Die Zeit, Stern, GEO Special und Neue Zürcher Zeitung. Seit 2005 beim Süddeutsche Zeitung Magazin. Dort verantwortlich für die Interviewreihe „Sagen Sie jetzt nichts“.

Auszeichnungen

2007 Journalist des Jahres, Kategorie Newcomer (MediumMagazin)

2008 Dr. Georg-Schreiber-Medienpreis

2008 CNN-Journalist Award, Kategorie Print

2008 Journalistenpreis der Unionhilfswerk-Stiftung

Bücher

2010 „Beim Griechen“ – Familienroman, S. Fischer Verlag

2010 „Sagen Sie jetzt nichts, Teil2“ Bildband, Süddeutsche Zeitung Edition

2008 „Sagen Sie jetzt nichts“ Bildband, Süddeutsche Zeitung Edition

1. Fahren Sie im Urlaub besonders gern oder häufig nach Griechenland? Was sind Ihre weiteren Lieblingsreiseziele und warum?

Alexandros Stefanidis: Früher, als ich noch ein Kind war und wir mit dem Auto über Österreich und Jugoslawien nach Griechenland fuhren, kurbelte ich kurz nach der letzten Grenzkontrolle auf der Rückbank das Fenster herunter, schloss die Augen und atmete die „griechische Luft“ ein. Das war ein Ritual, das ich mir bei meiner Großmutter abgeschaut hatte. Meine Großmutter lebte und arbeitete viele Jahre in Deutschland und immer wenn sie wieder nach Griechenland kam, tat sie genau das: Sie öffnete das Fenster, schloss die Augen und atmete tief ein. Endlich Zuhause.

Griechenland ist für mich deshalb mehr als ein Urlaubsziel. Die „griechische Luft“ ist warm, der Wind weht weich, sammelt die Gerüche von trockener Erde, Koriander und Meersalz, diese „griechische Luft“ ist meine Kindheitserinnerung. Vielleicht schließe ich deshalb bei allen meinen Reisen nach der Ankunft erst die Augen und versuche, verschiedene Gerüche zu erkennen.

Also: Ja, ich fahre besonders gern und sehr häufig nach Griechenland. Dennoch habe ich in Europa bis auf wenige Ausnahmen schon jedes Land bereist und da meine Frau Italienerin ist, liegt es auch auf der Hand, dass wir natürlich immer wieder nach Italien fahren, Toskana abwärts. Ich bin – wie man sich vielleicht denken kann – nicht gerade der Berg- und Schneepisten-Typ. Ich mag es, wenn es warm ist, wenn es richtig heiß wird. Aber ein richtiges Lieblingsziel – außer Griechenland – habe ich eigentlich nicht. Ich bin eher davon überzeugt, dass sich das mit verschiedenen Lebensphasen immer wieder ändert. Als ich zum Beispiel Anfang 20 war, hieß mein Lieblingsziel USA, vierwöchige Rucksacktouren inklusive. Mit Mitte 20 fuhr ich kreuz und quer durch Europa, mit Ende 20 entdeckte ich Kanada als Lieblingsreiseziel und mit Anfang 30 war ich mehrere Male in Zentral- und Ost-Afrika. Nur nach Asien hat es mich noch nicht gezogen. Aber vielleicht kommt das ja noch.

2. Gibt es ein Sehnsuchtsziel, das Sie noch irgendwann unbedingt bereisen wollen?

Alexandros Stefanidis: Nein, das gibt es nicht. Aber ich habe von den knapp 4000 griechischen Inseln vielleicht gerade mal zwei Dutzend gesehen. Diese Bilanz ist also ausbaufähig.

3. Wie gründlich bereiten Sie sich auf eine Reise vor – einfach buchen und los oder mit Reiseführern, Internet etc.?

Alexandros Stefanidis: So ungründlich wie möglich für einen im ordentlichen Mitteleuropa aufgewachsenen chaotischen Griechen.

4. Gibt es Reiseschriftsteller, die Sie besonders mögen? Wenn ja, warum?

Alexandros Stefanidis: Schwierige Frage. Es gibt sicher viele zeitgenössische Reiseschriftsteller, die grandiose Beschreibungen ihrer Reisen liefern. Aber mich lässt das zugegebenermaßen meist kalt. Ich will selbst etwas erleben. Wenn Reiseschriftsteller, dann eher Klassiker: Byron, Goethe, Humboldt, Hemingway, Motley, Twain usw.

5. Ihr Roman ist stark autobiographisch – lesen Sie selbst gern (Auto)biographien? Falls ja, welche hat Ihnen besonders gefallen?

Alexandros Stefanidis: Oh ja! Bei mir auf dem Schreibtisch liegen immer gleich mehrere, zur Zeit: Teddy Roosevelt, Thomas von Aquin, Clint Eastwood.

6. Lesen Sie auf Reisen, was am liebsten?

Alexandros Stefanidis: Natürlich lese ich nicht nur Klassiker, das tut keinem gut. Ich lese auch gern Krimis. Zur Zeit: Ian Rankins Inspector Rebus-Reihe.

7. Schreiben Sie auf Reisen? Eher Privates (Tagebuch oder ähnliches) oder vielleicht an einem neuen Roman?

Alexandros Stefanidis: Nein, ich führe kein Tagebuch. Als Journalist des SZ-Magazins schreibe ich beruflich schon täglich. Da bin ich meist ganz froh, wenn ich im Urlaub mal nix aufschreiben muss. Aber so ganz gelingt mir das eh nie. Meist kommen mir am Strand oder im Café ein paar Ideen, die ich dann in mein iPhone tippe. So war das auch „Beim Griechen“. Ich lag am Strand von Kefallonia, sah gegenüber die Inseln Zakynthos und Ithaka, die Sonne schien und ich tippte das erste Kapitel des Buches in mein Mobiltelefon, damals noch ein Blackberry.

8. Gibt es einen Ort oder eine Landschaft, dem/der Sie gern ein Gedicht widmen würden (oder das Sie von einem Dichter Ihrer Wahl gern bedichten lassen würden)?

Alexandros Stefanidis: Nein.

9. Welche Stadt könnten Sie sich gut als Setting für einen Ihrer Romane vorstellen?

Alexandros Stefanidis: Ganz klar: Thessaloniki.

10. Was darf in Ihrem Reisegepäck, von Kleidung, Hygieneartikeln etc. einmal abgesehen, niemals fehlen?

Alexandros Stefanidis: Fiese Frage. Ich vergesse immer etwas. Erst neulich: Meinen Pass.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Alexandros Stefanidis‘ Lese- und Reisegewohnheiten

  1. business review schreibt:

    ……Alexandros Stefanidis erzahlt die Geschichte seiner Familie in deren Zentrum sein Vater Christoforos und das familiengefuhrte Restaurant Der Grieche in Karlsruhe stehen. Einer der Sohne des Wirtes Alexandros Stefanidis – Journalist bei der SZ hat die Geschichte des Restaurants die so eng mit der Biografie seiner Familie verbunden ist in einem Roman verarbeitet.

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