Schnipsel vom ZEITungsfrühstück

Heute habe ich für euch wieder ein paar interessante Lesefrüchtchen aus der ZEIT geerntet. Diesmal dabei: Martensteins Kolumne, ein Interview mit dem Galeristen Johann König und Hanns-Josef Ortheils Beitrag über die Urfassung von Ernest Hemingways Paris – Ein Fest fürs Leben.

Harald Martensteins Kolumne hat diesmal „die Rache der Wohlhabenden“ zum Thema, auch online zu finden unter http://www.zeit.de/2011/27/Martenstein.

Beeindruckt und beschäftigt hat mich im ZEITmagazin ein Interview mit dem (einst) blinden Galeristen Johann König. Ein blinder Galerist, wie kann das gehen? Er hat keine Möglichkeit, die Arbeiten seiner Künstler visuell zu erfassen und zu beurteilen. Der Schlüsselsatz für mich war Königs Faszination vom „Diskurs über die Kunst“. Das einzige, was ihn an Kunst wirklich interessiert, ist also das, was ihm die Künstler über ihre Arbeiten erzählen, was sie ausdrücken wollen. Das interessiert natürlich auch die Sehenden. Aber folgt daraus, dass ein Werk eines Künstlers, dessen Aussage uns nicht überzeugt, für uns uninteressant ist, dass die rein visuelle Wirkung uns nicht genügt? Ich kann natürlich für mich das visuelle Erfassen nicht von der künstlerischen Aussage subtrahieren. Von einer künstlerischen Arbeit werde ich zuerst über mein Sehen berührt (oder auch nicht). Erst dann denke ich darüber nach, warum mich etwas anspricht, was der Künstler beabsichtigt etc. Idealerweise gewähren mir persönliche Gespräche oder wenigstens Audio-Guides oder Schriftliches weitere Einblicke. Nach diesem Prozess ist das, was mich besonders fasziniert, tatsächlich nicht mehr nur das, was ich sehe. Doch immer wird mein visuelles Erlebnis untrennbar mit Aussage etc. des Künstlers verbunden bleiben. Und es kommt durchaus vor, dass ich eine Arbeit nicht gleich „verstehe“, aber dass sie mir dennoch gefällt. Oder dass mir eine Arbeit, seien Absicht oder Aussage noch so interessant, einfach gar nicht gefällt. Doch was heißt schon gefallen (de gustibus et coloribus etc.). Dank einer Operation kann König inzwischen wieder ein wenig sehen: „Aber meine Kunstwahrnehmung hat sich nicht geändert. Ich bin eher skeptischer geworden: Dass Kunst visuell anspricht, ist ja viel einfacher, als dass sie inhaltlich überzeugt.“ Da hat er wohl Recht.

Im Feuilleton gibt es einen schönen Beitrag von Hanns-Josef Ortheil zur Urfassung von Ernest Hemingways Paris – Ein Fest fürs Leben. Da das Buch nie vollendet wurde und postum erschien, ist sein Aufbau nicht Hemingway allein zu verdanken. Ortheil schreibt dazu: „In manche Geschichten griffen die Herausgeber ein, ließen Passagen weg oder fügten Teile späterer Fassungen ein. Die von Hemingway vorgesehene, aber noch nicht abschließend festgelegte Reihenfolge interessierte sie auch nicht besonders, stattdessen komponierten sie den Erzählzyklus der Geschichten so, wie sie es selbst für richtig hielten.“ Die „neue“ Urfassung dagegen präsentiere „Hemingways Erzählungen zunächst in der vom Autor angedachten Reihenfolge und Textfassung“, angereichert mit bislang unbekannten ‚zusätzlichen Skizzen und Fragmenten‘. Auch die Übersetzung lobt Ortheil – klingt alles in allem nach einem sehr guten Buch-Tipp.

Euch noch einen schönen Restsonntag – vielleicht in einer Ausstellung oder mit einem guten Buch vor der Nase?

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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