Proust mal wieder

Gestern fand ich in der Buchhandlung „Stephanus“ ein Buch, dem ich unmöglich widerstehen konnte. Angesichts der Stapel ungelesener Bücher bei mir zuhause hatte ich mir eigentlich ein zweimonatiges Bücherkaufverbot erteilt. Aber es war ein Buch zu Proust! Und bei derartigen Büchern ereilt mich immer ein unbezähmbarer Kaufdrang. Was sollte ich tun? Ich gab ihm nach, zu gern und zum Glück. Denn es handelt sich um ein wirklich lesenswertes Büchlein.

Die italienische Journalistin Lorenza Foschini erzählt in Prousts Mantel. Die Geschichte einer Leidenschaft die wahre Geschichte des Pariser Büchersammlers und Parfumherstellers Jacques Guérin, der zu einem begeisterten Sammler von Dingen wurde, die einst Marcel Proust gehört hatten. Schon als junger Mann war er von Prousts Werken begeistert. Seine Begeisterung steigerte sich durch die Bekanntschaft mit Prousts jüngerem Bruder, dem Arzt Robert Proust (dieser hatte Guérin erfolgreich am Blinddarm operiert), zu besagter Sammelleidenschaft. Im Laufe seines langen Lebens (Guérin wurde 98 Jahre alt) trug er alles Mögliche zusammen: Möbel, Schriftstücke und eben auch Prousts Mantel, in dem er quasi gelebt, geschlafen und auch geschrieben hatte. Sicher war – von den Autographen vielleicht abgesehen – gerade der Mantel für Guérin eine der wichtigsten „Proust-Reliquien“:

„Denn der Mantel taucht in fast allen Erinnerungen der Menschen auf, die das Privileg genossen, Freunde oder zumindest Bekannte von Proust gewesen zu sein.“ [Foschini, Lorenza, Prousts Mantel. Die Geschichte einer Leidenschaft, S. 95]

Guérin ist zu verdanken, dass zumindest einige Besitztümer Marcel Prousts die Zeiten überdauern konnten und nicht verbrannt oder verhökert wurden. Denn Roberts Witwe Marthe wollte nach dem Tode ihres Mannes am liebsten alles loswerden oder vernichten, was mit den Prousts, besonders aber mit Marcel, zu tun hatte. Warum? Auch das erzählt Lorenza Foschini ihren Lesern.

Während des Lesens stieß ich auf einige Namen aus Prousts Umfeld, mir bekannte und weniger bekannte, und ich schaute im Internet nach weiteren Informationen. So stieß ich unter anderem auf einen hervorragenden, sehr ausführlichen Artikel (auf Englisch) über Robert de Montesquiou: „Robert de Montesquiou: The Magnificent Dandyvon Cornelia Otis Skinner. Ebendieser französische Dandy nämlich ist das literarische Vorbild für Baron Charlus aus der Suche, aber auch für Des Esseintes aus Joris-Karl Huysmans‘ Gegen den Strich. De Montesquiou besaß zwar selbst wohl ein nur mäßiges schriftstellerisches Talent, dafür ein umso größeres, was seine Selbstdarstellung anging. Außerdem ermöglichte er Proust Zugang zu jenen Kreisen und Salons, in denen er die Vorbilder für viele Figuren aus seiner Suche fand.

Doch noch einmal zurück zu dem schönen kleinen Buch von Lorenza Foschini: Spannend und anschaulich beschreibt sie Guérins Passion und Spurensuche. Beigegeben sind einige Fotos und eingestreute Proust-Zitate. Kurzum: eine wunderbare Bereicherung meiner kleinen Sammlung von Büchern über Proust. Empfehlenswert!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Proust mal wieder

  1. durchleser schreibt:

    Proust immer wieder, um nicht zu sagen ständig! Ein wunderbares Buch, ein schönes Souvenir an Marcel und seinen berühmten Mantel.

    Mehr dazu auch hier unter: http://durchleser.wordpress.com/2011/07/25/durchgelesen-prousts-mantel-v-lorenza-foschini/

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Witzig, wir haben das Büchlein anscheinend fast zur gleichen Zeit gelesen – ein netter Zufall : )

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