Harald Schwiers zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten

Schauspieler, Moderator, Publizist, Vorleser – Harald Schwiers hat viele Talente. Sehr beliebt sind seine monatlichen Literaturabende zu verschiedenen Themenschwerpunkten, „Haralds Hörstunde“. In diesem Sommer bietet er erstmals während der Ferienzeit eine „Literarische Sommertour“ an, auf der sich wunderbar Reisen im Kopf erleben lassen.

Kopfreisen auf Haralds Sommertour

Kopfreisen auf Haralds Sommertour

Das erste Mal hörte ich von Harald – ganz wörtlich – seine Stimme am Telefon: tief und volltönend. „Mit dieser Stimme“, dachte ich, „muss er unbedingt ins Radio!“ Wenig später erfuhr ich, dass er das bereits war. In „Der Kontrabass“ beeindruckte mich Haralds schauspielerische Leistung. Und bei meinen Besuchen von „Haralds Hörstunde“ lasse ich mich gern von ihm durch diverse literarische Gebiete und Randzonen führen. Harald, seit 1951 überzeugter Karlsruher und Badener, gastiert mit seinen literarischen Programmen zu Bier, Wein, Essen, Erotika, Badenia, zu elsässischer, englischer und irischer Literatur etc. nicht nur deutschland-, sondern auch europaweit und in den USA. Was der vielseitige Harald sonst noch alles auf die Beine stellt, findet ihr im Internet unter http://www.swo.de/HaraldSchwiers/index.html.

Harald in Aktion

Harald in Aktion

Für die schönsten Wochen des Jahres – und die Daheimgebliebenen – bietet er im Karlsruher Sandkorn-Theater eine „Literarische Sommertour“. Für alle, die mit Reiseführer Harald eine Reise im Kopf unternehmen möchten, hier die künftigen Termine:

12. August 2011: „Rüber zu den Nachbarn“: Elsass – Frankreich – Schweiz

26. August 2011:„Reif für die Insel“ : Schottland – Irland – England

09. September 2011:„Der Sonne hinterher“: Türkei – die Weisheiten des Nasreddin Hodscha

Ticketbestellung per E-Mail an haschwiers@t-online.de oder per Telefon unter 0721 84 34 75.

Ganz klar, der Mann ist nicht nur passionierter Leser, sondern auch ein ebensolcher Reisender – und damit ein perfekter Kandidat für meinen Fragebogen ; )

1. Deine „Hörstunden“, lieber Harald, sind ja in gewisser Weise auch „Reisen im Kopf“ durch bestimmte Themenkreise, zu Autoren oder Gattungen. Wie kommst du auf deine Themen für die „Hörstunden“ und wie bereitest du dich darauf vor?

Harald Schwiers: Ich lasse mich durch vielerlei anregen; natürlich spielen auch aktuelle Bezüge (Jahrestage, Saisonales) eine gewisse Rolle. Dann auch das, was ich selbst mal gerne – auch wieder – lesen möchte und das rein formal in die Reihe passt. Und dann schmökere ich auch gerne in meiner nicht gerade kleinen Bibliothek und lasse mich anstecken. Übrigens: Sich vorlesen lassen, das hat ja auch sehr viel von „Kino im Kopf“, ein Begriff, der aus einer Zeit stammt in der es noch keinen Dudelfunk gab, sondern sich die Sender noch der Kultur verpflichtet fühlten. Diese Rundfunkanstalten muss man heute leider mit der Lupe suchen…

Na und dann lese ich und wähle aus, die Lektüre sollte sich in das „Hörstundenformat“ von maximal eineinhalb Stunden sinnvoll einfügen lassen. Meist geht das, manchmal nicht. James Joyces „Ulysses“ etwa oder Cervantes’ „Don Quichote“ eignen sich zum Beispiel nicht für die Hörstunde, so leid mir das tut.

Voller Einsatz in literarischer Mission: Harald Schwiers

Voller Einsatz in literarischer Mission: Harald Schwiers

2. Sehr gut gefällt mir die Idee deiner Sommerveranstaltungsreihe „Reisen im Kopf“. Was hat dich bewogen, nun auch den Daheimgebliebenen und vom Sessel aus Reisenden ein solches Angebot in der Ferienzeit zu machen?

Harald Schwiers: Ganz einfach: Wir sind den Sommer über hier und das Theater steht leer. Man kann es ja zumindest einmal anbieten, das Sommerloch ein klein wenig zu verschönern, denn irgendwer ist immer weg und irgendwer ist immer da. Ein Versuch. Der Erfolg des ersten Abends mit 25 Zuhörern zum Thema „Balkonien“ ist sehr ermutigend.

3. Was sind deine Lieblingsreiseziele und warum?

Harald Schwiers: Im Sommerhalbjahr Schottland, England, Irland (das kann sich allerdings derzeit kaum einer leisten) – wegen der Landschaft, den Menschen und ihrer gepflegten Umgangsformen, der Sprache und der einschlägigen Getränkevielfalt. Im Winterhalbjahr düsen wir öfter mal für eine Woche oder zehn Tage in die Türkei. Die ist dann fast leer, preiswert, die Menschen sind wieder freundlich, Sonne und Wärme sind relativ garantiert und das Mittelmeer ist auf jeden Fall immer da. Wir brauchen das.

4. Gibt es ein Sehnsuchtsziel, das du noch irgendwann bereisen willst?

Harald Schwiers: Ich bin mit dem Theater lange und weit herumgekommen: SU, Georgien, Japan, Indien, Mexiko, USA, Marokko, England usw. Aber es gibt durchaus noch so Landstriche: Afghanistan, Usbekistan und Tibet – ich würde aber unbedingt gerne mal in den Nordwesten Canadas, Yukon und so. Meiner Frau ist es dort allerdings viel zu kalt …

5. Wie gründlich bereitest du dich auf eine Reise vor – einfach buchen und los oder mit Reiseführern, Internet etc.?

Harald Schwiers: Überhaupt nicht. Das macht alles meine Frau. Meist habe ich auch bis kurz vor Abfahrt oder Abflug heftig zu tun …es hat immer bestens geklappt. Und den Rest erledigen wir vor Ort. Im Gespräch mit den Menschen.

6. Gibt es Reiseschriftsteller, die du besonders magst? Wenn ja, warum?

Harald Schwiers: Mit dem Begriff „Reiseschriftsteller“ kann ich persönlich nicht allzu viel anfangen (siehe oben) und meine literarischen „Säulenheiligen“ kommen eher aus einer anderen Ecke. Die reisenden Engländer (Stichwort: Grand Tour) und Franzosen des (meist) 18. Jahrhunderts liebe ich allerdings heiß und innig, oder Sternes Sentimental Journey, aber das ist schon wieder so eine Kopfreise. Wenn die Schublade zutrifft, nenne ich Mark Twain, der reiste, beobachtete scharf und schreib noch viel schärfer darüber. Sein A Tramp Abroad etwa ist einfach grandios gut.

7. Liest du auf Reisen, was am liebsten?

Harald Schwiers: Ich habe ja immer einiges abzuarbeiten, für die Hörstunde und für meine Literatur-Kolumne im Kurier. Daraus rekrutiert sich mein Lese-Reisestoff in aller Regel. Übrigens immer eine komplizierte Wahl, die beim Packen am längsten dauert …

8. Schreibst du auf Reisen? Eher Privates, z. B. Tagebuch, oder vielleicht an einem Artikel?

Harald Schwiers: Das lehne ich strikt ab. Urlaub ist Urlaub (Ausnahme Lesen), zumal mal ein Laptop bei einer Reise zu Schrott ging. Wir reisen grundsätzlich (das eine mal musste ich!) ohne PC. Und Tagebuch war nie mein Ding. Bestenfalls mache ich handschriftlich ein paar Stichworte zu einem Buch. Bestenfalls.

9. Gibt es einen Ort oder eine Landschaft, dem/der du gern ein Gedicht widmen würdest (oder das du von einem Dichter deiner Wahl gern bedichten lassen würdest)?

Harald Schwiers: Nicht wirklich, aber ich entdecke hin und wieder ein gutes Gedicht über einen Ort, an dem wir schon waren. Meist muss ich lachen. Das reicht mir dann aber auch schon und irgendwann packe ich es in eine Hörstunde.

Eine literarische Whiskytour mit Harald macht bestimmt auch Spaß.

Eine literarische Whiskytour mit Harald macht bestimmt auch Spaß.

10. Was darf in deinem Reisegepäck, von Kleidung, Hygieneartikeln etc. einmal abgesehen, niemals fehlen?

Harald Schwiers: Brille, Kreditkarte (alles profan!), meine kleine Kuh (nicht profan!) – den Rest kann man käuflich erwerben.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Interviews, Mensch und Buch abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Harald Schwiers zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten

  1. Frau Feuerfalter schreibt:

    Die Fotografien von Harald Schwiers haben mich zum Schmunzeln gebracht. Und zur „Literarischen Sommertour“ würde ich auch gern aufbrechen…

    Immer wieder eine lebendige, spannende und anregende Lektüre dein Leselust-& Reisefieber-Fragebogen!

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Vielen Dank, liebe Karin : ) Mir machen die Fragebögen bzw. die vielen unterschiedlichen Antworten der Befragten auch immer Spaß.
    Liebe Grüße
    Petra

  3. Pingback: Harald Schwiers zu Harold einzlkind | Philea's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s