Harald Schwiers zu Harold einzlkind

Heute zur Abwechslung mal eine Gastrezension von Harald Schwiers, den ihr ja schon in dem Fragebogen zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten ein bisschen näher kennenlernen konntet. Ich selbst kenne das Buch, das Harald hier empfiehlt, noch nicht, es klingt aber, als sorge es für unterhaltsame Lesestunden. Herzlichen Dank für deinen Beitrag, lieber Harald!

Mit dem Prädikat „Das beste Buch der Welt“ wirbt im Auftrag des Verlages die zweite Hauptperson des Romans Harold einzlkind, ein elfjähriger Savant namens Melvin und fügt gleich dazu: „Falls Sie nachschlagen müssen: ein Genie.“ Das ist nicht übertrieben (der Savant); die Aussage vom „besten Buch der Welt“ kann man allerdings getrost in die Tonne treten. Dennoch: Harold einzlkind (auch in umgekehrter Wortfolge zitiert) ist auch nicht das schlechteste Buch der Welt. Bei weitem nicht. Auch wenn der Verlag in Klappen- und Pressetext meint, verlautbaren zu müssen, der Autor sei völlig unbekannt, „lebe in Eng- oder in Deutschland“ und „es ist das erste Manuskript in der 30-jährigen Verlagsgeschichte, das zwar unverlangt eingesendet wurde, nun aber trotzdem erscheint“. Ammenmärchen. Wenn es Buch, Autor und Verlag nützt, ist es in Ordnung. Klappern gehört zum Geschäft.

Savant Melvin und sein unfreiwilliger Ziehvater für eine Woche, Harold, knapp an die 50, aber nicht wirklich erwachsen und mit starker Affinität zu extrem theatralischen und nicht ernst gemeinten Suizidversuchen, erleben einige sehr aufregende Tage. Quer geht die Suche nach Melvins Papa durch England und Irland. Dabei lernt das ungleiche Duo das gesamte Spektrum der englischen Gesellschaft intensiv kennen. Vom stinklangweiligen bourgeoisen Bonhomme über harmlose Zuhälter bis hin zum Mafioso. Nebenbei tangiert der Autor Mr X sehr geschickt noch Salinger, Hornby und alle, die in der englischen Literatur von Bedeutung sind, ohne direkt darauf einzugehen. Nach -zig Abenteuern kommt Harold mit Melvin ans Ziel. Der Weg war’s.

Der Leser fühlt sich bestens unterhalten. Zu Recht. Mehr auch nicht. Angesichts feuchter Schoßgebete ist das ziemlich viel. Also: Keine schlechte Wahl. Ein gutes, weil schön schräges Buch (wenn auch nicht das Beste). Das reicht doch!

Harold – einzlkind, 222 S., Edition Tiamat, 16 Euro.

Die Rezension erschien erstmals in der Reihe „Schmökern mit Schwiers“ im Kurier vom 2. September 2011.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Harald Schwiers zu Harold einzlkind

  1. klappentexterin schreibt:

    Das Buch liest sich gut weg, macht Spaß, zieht zahlreiche Schmunzelmomente ans Tageslicht, aber ich kann mich den Lobeshymnen auf dem Klappentext des Taschenbuches nicht anschließen. Irgendwas fehlt mir hier, um mich ganz zu überzeugen, dennoch stimmt es, dass das Buch gut ist, mehr nicht. Wem das reicht, wird damit unterhaltsame Lesemomente erleben.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah gut, bislang sind sich alle einig : ) Ich bin nicht sicher, ob ich es lesen werde, es gibt so viele Bücher, von denen ich mir mehr verspreche. Mal sehen, vielleicht wenn’s mir Harald mal ausleiht ; )

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