Zeitungsfrühstück mit Grüßen

Dieses Wochenende war sehr unternehmungsreich und so saßen wir, angenehm matt von den Feierlichkeiten, bei Kaffee, Nussecke und Zeitung. Hier mein Best of aus Zeitmagazin, Reisen und dem Extra-Kultur-Teil der Zeit – mit herzlichen Grüßen an alle Fans des „Zeitungsfrühstücks“, besonders an Karin, die sich schon seit Tagen darauf freut : )

Harald Martenstein macht in seiner Kolumne lustigen Unfug mit einem Buch, das derzeit in aller Munde zu sein scheint, eine kleine Schreibübung für Hundefreunde sozusagen. Und die Deutschlandkarte zeigt die Verteilung der Nachbarschaftsklagen über die Bundesländer. Gut, dass wir in Baden-Württemberg leben, nur in Hessen wird noch weniger geklagt.

In „Welcher Sommer?“ im Reiseteil lamentieren bzw. jubilieren sechs Autoren übers Wetter und machen damit das Thema und die nicht gerade überraschende Erkenntnis, dass es im Sommer auf Bornholm häufiger regnet als auf Amorgos, endgültig salonfähig. Vermutlich stehen demnächst Wetterrezensionen im Feuilleton zu befürchten, etwa so: „Was Petrus mit seinem neuesten Frühlingsauftakt unter strömendem Regen beabsichtigt, kann als postmodernes Spiel mit winter- und herbstlichen Versatzstücken interpretiert werden. War sein letzter Frühling lau und lind mit viel Sonne und damit dem Sommer näher, als der Sommer selbst, so enttäuscht die neue Ausgabe des Frühlings vom ersten Tag an. Selbst die gelegentlich lichteren Momente können nicht darüber hinwegtäuschen, dass er die Umsetzung dieser Jahreszeit thematisch verfehlt. Zu einem Bestseller wird es nicht reichen, entziehen kann man sich ihr dennoch nicht.“ Oder so ähnlich.

Empfehlenswert für künftige Prag-Besuche scheint ein Buch, das bei den „Lesezeichen“ erwähnt wird: Prag. Literarische Spaziergänge von Wolfgang Dömling. In acht literarischen Spaziergängen, so ist zu lesen, gelinge es dem Autor, „den kulturellen Reichtum Prags lebendig werden zu lassen – und gleichzeitig zum Weiterlesen anzuregen.“ Das ist genau das, was ich mir von solchen literarischen Stadtspaziergängen auch erhoffe.

Weniger empfehlenswert scheint mir die Ochsentour „Über alle drei Berge“, der sich Alexander Hanisch ausgesetzt hat: Binnen 24 Stunden auf die drei höchsten Berge Großbritanniens kraxeln, auf den Ben Nevis in Schottland, den Scafell Pike in England und auf den Snowdon in Wales. Wozu mag das gut sein? Man fährt hektisch von einem Berg zum nächsten und ist zu erledigt, um das Dazwischen oder auch die Schönheiten der Landschaften würdig wahrzunehmen. Am Ende liegt der Autor glücklich im Bett – am schönsten scheint diese Tour zu sein, wenn sie vorbei ist.

Diesmal gibt es einen Extra-Kultur-Teil in der Zeit – seit wann muss man eigentlich die Kultur extra aus dem Feuilleton nehmen? Vielleicht weil vor lauter Glauben, Zweifeln und Papst der Raum dazu immer enger wird. Jedenfalls ist dieser Extra-Kultur-Teil sehr gut und informiert u. a. über eine Reihe sehenswerter Ausstellungen. Beginnen wir mit „Wie sollen wir denn lieben?“ – einem Interview mit Isabelle Huppert, leider nicht online, aber sehr interessant. Es geht u. a. um einen Film, der Ende Oktober anläuft: Isabelle Huppert spielt in „My little Princess“ eine Fotografin, die aus Karrieregründen erotisierende Fotos von ihrer minderjährigen Tochter macht und damit ihren künstlerischen Durchbruch schafft. Gerühmt von Kulturjournalisten und auf den Boden zurückgeholt von der Boulevardpresse, die die Fotos als das anprangert, was sie sind. Klingt sehr sehenswert.

Über gleich drei Ausstellungen von Werken Max Beckmanns berichtet Manfred Schwarz in „Im Zirkus Beckmann“. Die Beschreibungen der Ausstellungen in Basel, Frankfurt und Leipzig machen Lust, sich am liebsten alle drei anzusehen.

Christof Siemes schreibt in „Wasserfarbenfeuchtfrisch“ über eine Ausstellung der Arbeiten des grandiosen Walter Moers in der Oberhausener Ludwiggalerie.

Abschließen möchte ich das „Zeitungsfrühstück“ mit einem Teilsatz aus dem Artikel „Als die Kunst ins Leben trat“ von Thomas Assheuer, der zeigt, dass es durchaus okay ist, auch mal so ganz andere Magazine zu lesen, um kulturell auf dem Quivive zu bleiben: „Für Jencks, der sich vor allem auf einen im Playboy erschienenen Aufsatz des Literaturwissenschaftlers Leslie A. Fiedler berief …“

Leider auch nicht online. Euch noch einen schönen, gemütlichen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu Zeitungsfrühstück mit Grüßen

  1. Penelope schreibt:

    Schön mit Dir gefrühstückt & alles aufgegessen. Jetzt scheint gleich die Sonne & ich gehe wählen!

  2. haushundhirschblog schreibt:

    Vielen Dank für das wieder einmal sehr erhellende Frühstück mit der ZEIT.
    Wir sind als Hessen natürlich heilfroh, dass sich die Nachbarschaftsklagen hier in Grenzen halten, sonst müssten wir vielleicht ein wenig unruhig werden, weil wir heute sehr laut eine CD von LANG LANG gehört haben … ist ja Sonntag. 😉

  3. Frau Feuerfalter schreibt:

    Zu später Stunde freue ich mich sehr über das „ZEITungsfrühstück“ mit dir und deinen BlogleserInnen! Und es ist wieder herrlich erhellend und anregend, was ich hier auf den Punkt gebracht lese, wie der Link zu einer „Schreibübung für Hundefreunde“ – mein Herz läuft über, wuff! 🙂 Die ZEITungspixelschriftengröße der Printausgabe sind meinen Regentropfenaugen zu winzelig. Da ist es besonders angenehm und aufschlussreich, von dir einen Überblick aus der ZEITungskulturvollzugsanstalt zu lesen – Danke dafür, liebe Petra!

    Penelope hat mitgefrühstückt. Und HausHundHirsch haben den wunderbaren LANG LANG gehört. Was für ein schöner Sonntag!

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