Zeitungsfrühstück, Anfang Herbst

Obwohl der Herbst ja offiziell begonnen hat, bestrahlt uns die Sonne durchs Küchenfenster und schenkt uns spätsommerliche Temperaturen. Mit Lars Reichows musikalischer Monatsrevue im Ohr und der Zeit vor Augen, frühstückten wir uns durch Bananen, Kaffee, Orangensaft und Lachs-auf-Frischkäse-Brote. Hier mein persönliches Best of aus Zeitmagazin, Reisen und Feuilleton:

Lars Reichow war heute morgen wieder in Bestform (wann ist er das nicht) und plauderte gewohnt spitz über die Highlights des Septembers. Am Schluss gab’s noch ein Lied von ihm selbst, das uns sehr gut gefiel, hier der Link zu seinem Lied „Ich möcht ein Schweizer sein“: http://www.youtube.com/watch?v=Yk9FNKT4VBY.

In seiner Kolumne, diesmal mit dem Titel „Ich kenne niemanden, dessen Kindheit ideal verlaufen wäre“, macht sich Harald Martenstein Gedanken über die juristische Nachsicht, die man bei Tätern walten lässt, die eine schwierige Kindheit hatten. Und in „Der Herbst ist da“ bilanziert sich Roger Willemsen gut und böse durch die letzten drei Monate, leider nicht online.

Der Reisen-Teil ist diese Woche besonders ergiebig gewesen, ein guter Artikel nach dem anderen! Zunächst referiert Bernadette Conrad in „Der amerikanische Raum“ vergnüglich und informativ die Geschichte der Diner-Kultur: Vom Handkarren über den Pferdewagen bis zum Lunch Car und schließlich zum Dining Car, kurz: Diner. Das Interieur erinnert noch heute oft an einen Waggon, das Angebot ist zwar schnell und einfach, aber eben kein Fast Food, sondern hausgemacht. Der wunderbare Beitrag macht Lust auf eine Indian Summer Tour entlang der Ostküste mit einem Stopp in Providence, Rhode Island, um sich dort im Culinary Arts Museum über die Geschichte der Diner zu informieren, und hinterher zum Beispiel im „Haven Brothers“ essen zu gehen. Leider auch noch nicht online.

„Mit Hut, Stock und Gepose“ zeigt das Bild eines dandyhaft gewandeten Kongolesen, der allerdings keineswegs einer Snobiety angehört, sondern ein „Sapeur“ ist, ein ‚Dandy der Slums‘, wie es in der Geo heißt. In einer Ausstellung zeigt der italienische Fotograf Francesco Giusti Fotografien solcher „Dandys“.

In „Der Gaul, den sie ‚Pferd‘ nannten“ beschreibt Philipp Mausshardt einen mehrtägigen Ritt durch Siebenbürgen, ebenfalls nicht online. Und in „Auf die Beeren, los“ erzählt Angelika Franz von einer kuriosen finnischen Weltmeisterschaft im Preisebeerenpflücken, an der sie selbst teilgenommen hat. Sehr lustig und nicht online.

Im Feuilleton unbedingt lesenswert ist Adam Soboczynskis Artikel „Entgleist das Jahrhundert?“ über den großartigen Alexander Kluge. Beim Lesen des sehr guten und liebevollen Artikels hatte ich das Gefühl, dass der Autor Alexander Kluge ebenso wunderbar findet, wie ich. Mein Lieblingsteilsatz: „… es sei, als befänden wir uns in einer vorrevolutionären Zeit, in der nur das Subjekt der Revolution noch unklar sei.“ Genau! Und natürlich ist dies nur einer von vielen zitatwürdigen Sätzen.

Interessant klang das zweibändige Handbuch der politischen Ikonographie, über das Uwe Hebekus in seinem Beitrag „Die Hand hinter der Knopfleiste“ schreibt. Die Macht und Einflussnahme der Bilder in der Politik – ein sehr spannendes Thema und jahrhundertealt.

Da wir sehr ausgedehnt frühstückten, hatten wir auch Gelegenheit, auf SWR 2 die Sendung „Treffpunkt Klassik extra“ zu hören. Diesmal war Elke Heidenreich zu Gast. Ich weiß nicht, weshalb alle Welt eine zeitlang so gern Häme über Elke Heidenreich ausgeschüttet hat, mir war sie immer sehr sympathisch. Auch, als sie sich noch als Else Stratmann auf SWR3 über Gott und die Welt ausließ. Und ich denke, dass sie für das Lesen in Deutschland mehr getan hat, als alle Reich-Ranicki-Sendungen zusammen. Sie hat empfohlen, nicht zerpflückt. Mag sein, dass es für manche unterhaltsam ist, wenn Herr Reich-Ranicki auf Titelbildern Bücher zerreißt oder wenn Denis Scheck auf amüsante Weise die Schwächen eines Buchs auf den Punkt bzw. in ein, zwei Sätze bringt und das Buch anschließend dem Müll überantwortet. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Elke Heidenreich es geschafft hat, die Leute tatsächlich eher zum Lesen zu motivieren, statt sie davon abzuhalten. Und das ist schließlich auch eine Leistung.

Abschließend noch der Link auf ein ganz besonders schönes Lied, das sich Elke Heidenreich in der Hörfunksendung gewünscht hat: „Le vent nous portera“. Sie hat es sich von „Element of Crime“ gewünscht, der Link führt zur Version von Noir Desir: http://www.youtube.com/watch?v=eUvApC0bwUk.

Euch noch ein schönes Wochenende!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Zeitungsfrühstück abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Anfang Herbst

  1. wortlandschaften schreibt:

    Immer schön zu sehen, welche Artikel Du Dir herauspickst. Ich wollte ja letzte Woche schon einen Kommentar hinterlassen (über das Interview mit Isabelle Huppert habe ich mich auch gefreut), habe das dann aber nicht mehr zeitnah geschafft und schon ist wieder das neue Zeitfrühstück da. Die letzten Sonntage lief bei mir um die Mittagszeit mal wieder der Fernseher, genauer gesagt der west.art – Talk, den ich sehr interessant fand, weil da nicht nur der deutsche Blick im Mittelpunkt steht.
    In anderen Zeitungen überblättere ich das Ressort Wirtschaft oft, in der Zeit bleibe ich häufiger an Artikeln hängen, wie dieses Mal an „Noch mehr ist nicht genug“ (S. 35), in dem es um Glück, Lebensqualität und unsere (Wachstums-)Gesellschaft geht.

    Fairerweise muss man sagen, dass Denis Scheck Bücher in wenigen Sätzen nicht nur verreißt, sondern ebenso Positives hervorhebt oder Bücher ans Herz legt. Außerdem betreffen die kurzen Sätze nur die Bestsellerliste, die ja nun wahrlich nicht immer Garant für Qualität ist. Also ein gewollter Schnelldurchlauf. Für ernsthafte Besprechungen interessanter Bücher und Autorengespräche nimmt er sich auch mehr Zeit, wie Du sicher weißt. An die Kontroverse mit Heidenreich kann ich mich nur noch vage erinnern. Mit ihrer Kritik hatte sie sicher nicht Unrecht, allerdings meine ich, dass sie sich damals etwas im Ton vergriffen hatte. Danach forderten die einen ihre Absetzung, die anderen applaudierten. Die Häme Leuten gegenüber, die in der Öffentlichkeit stehen und einen Fehler begangen haben, ist nicht selten überzogen oder unangebracht, aber wie heißt es so treffend, „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Vielleicht bezog sich die Häme nicht nur auf die Absetzung sondern eher auf die Reaktion Ranickis, den Heidenreich ja verteidigte und von dem sie wahrscheinlich nicht erwartet hatte, dass dieser sie dann so scharf kritisierte. Aber das lässt sich bei Bedarf sicher alles noch im Internet recherchieren und nachvollziehen. Ich muss gestehen, dass mich Reich-Ranicki in seiner aufbrausenden Art oft genervt hat und ich das Quartett nicht so besonders oft gesehen habe.

    Mir gefällt „Literatur im Foyer“ sehr gut. Thea Dorn & Felicitas von Lovenberg stellen kluge Fragen und ich habe das Gefühl, dass sie sich intensiv mit den vorgestellten Büchern beschäftigt haben. Außerdem gefällt mir Dorns Spruch „Nehmen Sie ein gutes Buch mit ins Bett – Bücher schnarchen nicht!“. Sehr schade fand ich, dass Jürgen von der Lippes „Was liest Du?“ aus dem Programm verschwunden ist. Dabei habe ich mich meistens köstlich amüsiert.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Du hast natürlich Recht, liebe Wortlandschaften, was Denis Scheck angeht. Ich finde es ja selbst witzig, wie prägnant er die Bestseller zusammenfasst (im Guten wie im Bösen). Und seine ausführlicheren Berichte gefallen mir auch sehr gut! Ich wollte nur mal zur Abwechslung eine Lanze für Elke Heidenreich brechen ; )
      Den Wirtschaftsteil werde ich mir morgen zum Frühstück genauer anschauen, danke für den Tipp!
      Jürgen von der Lippe hatte mal eine Literatursendung? Sieh mal an. Wir haben ja seit vielen Jahren keinen Fernseher mehr (den Scheck kann man ja auch online kucken), ab und an verpasst man wohl doch was.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s