haushundhirsch über ihre Lese- und Reisegewohnheiten

Seit einiger Zeit folge ich einem Blog namens haushundhirsch. Jeden Tag finden sich dort kleine Texte, Zeichnungen, Grafiken und vieles mehr. Es gibt auch kleine, sehr humorvolle Serien, wie den „Nietzke“ oder den „Wurm“. Gern mag ich auch die Arbeiten mit literarischem Hintergrund, witzig interpretiert, etwa folgende:

Dieter Motzel – Goethe bespricht Eckermann, Radierung, f. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Quelle: http://haushundhirschblog.files.wordpress.com/2011/08/goethe.jpg?w=480&h=471

Dieter Motzel – Goethe bespricht Eckermann, Radierung, f. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Quelle: http://haushundhirschblog.files.wordpress.com/2011/08/goethe.jpg?w=480&h=471

Ich freue mich sehr, dass mb & dm vom haushundhirschblog diesmal den Lese-Reise-Fragebogen ausgefüllt haben, herzlichen Dank!

Der haushundhirschblog wird von einer Autorin (mb) und einem Autor (dm), der zugleich als Grafiker, Illustrator und Maler arbeitet, gestaltet. Die Idee zum Blog entstand aus dem Wunsch heraus, diverse Arbeiten, unterschiedlichste Bilder und Texte in einem unterhaltsamen Kontext zusammenzuführen. Zwar werden die Bilder immer auch wieder in Ausstellungen gezeigt. Einige Texte oder Illustrationen kann man in Zeitschriften, Werbebroschüren oder Büchern lesen und sehen. Darüber hinaus bietet der Blog uns aber die Möglichkeit, ein wenig mit Text und Bild zu experimentieren, spontan zu agieren und zu reagieren und dieses auch kommentiert zu bekommen. Wir sind selbst ein wenig überrascht, wie gut uns das inzwischen gefällt. Den Blog „betreten“ wir in der Regel erst am Abend und dann meist gemeinsam. Die von uns verfassten Texte werden jeweils mit dem eigenen Kürzel kenntlich gemacht, aber bei den Kommentaren erlauben wir uns, darauf zu verzichten. Nur in seltenen Ausnahmen wird das jeweilige Kürzel benutzt. Für die Leser scheint das kein Problem darzustellen. Was uns natürlich gefällt.

hausundhirsch

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1. Welches Reiseziel besucht ihr immer wieder gern und warum?

mb & dm: Im Spätsommer oder Frühherbst reisen wir am liebsten nach Frankreich oder Italien, aber auch in skandinavische Länder. Zu dieser Zeit sind die Sommertouristen schon wieder abgereist, und man teilt sich den Strand überwiegend mit Spaziergängern, die – wie wir – häufig einen Hund dabei haben. Das können Touristen oder Einheimische sein. In Frankreich schätzen wir vor allem die Bretagne und die Normandie. Da ist alles schön schroff und wenig lieblich: das Wetter, die Landschaft und die Menschen häufig auch. Im Urlaub, für zwei oder drei Wochen, gefällt uns das. Wenn wir an unserem Urlaubsort in einem schönen alten Ferienhaus ankommen, kaufen wir im nächsten Supermarkt den passenden Wein, landestypische und regionale Zutaten für ein leckeres Essen, Schreibblöcke, die es nur dort gibt, und meistens auch eine CD mit dem typischen Sound der Region, den wir während der Zeit im jeweiligen Land gerne hören. Schon wegen dieser besonderen „Zutaten“ ist Frankreich noch immer unser Favorit.

2. Welche Stadt oder welche Gegend hat euch auf euren Reisen bislang am tiefsten beeindruckt und warum?

mb & dm: Fast alle, in die wir eine Zeit lang eintauchen konnten.

3. Habt ihr es in den Ferien lieber ruhig und gemütlich oder seid ihr eher sportlich unterwegs?

mb & dm: Sagen wir es mal so: sollten wir eine oder zwei Wochen bei einem Erlebnisreise-Unternehmen gewinnen und kostenlos im Grand Canyon oder in einem afrikanischen Nationalpark Urlaub machen können, würden wir wohl absagen oder den Gewinn verschenken. Wir schätzen ein altes, schönes Häuschen, irgendwo ganz abgelegen, vielleicht in der Nähe eines Gewässers, muss aber nicht sein. Hauptsache Ruhe, Abgeschiedenheit und wenig Touristen. Gemütlich muss es nicht zwingend sein. Manchmal macht ja auch das Karge und Umständliche für eine gewisse Zeit Spaß und kann anregen.

4. Kurztrips in Städte oder ausführlichere Urlaube – was gefällt euch besser?

mb & dm: Ja, ein Kurztrip in eine Metropole oder eine andere reizvolle Stadt: kann sicher bereichernd und schön sein. Haben wir auch schon gemacht. Aber wir leben ja schon lange mit einem Hund, da macht es wenig Sinn, Barcelona, New York, Amsterdam oder Berlin zu besuchen, da wir den Hund immer mitnehmen. Stattdessen ziehen wir einer Städtereise immer einen „Kurztrip“ in ländlichere Regionen oder Gebiete vor, was uns inzwischen sehr viel besser gefällt und mehr bedeutet.

5. Gibt es ein Sehnsuchtsziel, das ihr noch irgendwann bereisen wollt?

mb & dm: Schön wäre es, mal Masuren mit einem Wohnmobil zu bereisen. Oder vielleicht eine längere Reise auf einem Hausboot; da wäre es uns beinah egal, wohin es gehen könnte. Ein Sehnsuchtsziel ist für uns nicht an ein Land, an einen Ort gebunden. Eher geht es vielleicht um die Art und Weise, es zu erkunden und zu bereisen. Etwas, das wir noch nicht ausprobiert haben.

6. Wie gründlich bereitet ihr euch auf eine Reise vor – einfach buchen und los oder mit Reiseführern, Internet etc.?

mb & dm: Trotz des Internets müssen wir einfach immer noch Reiseführer in Buch- oder Heftform ausleihen oder kaufen. Anders geht es nicht. Natürlich findet inzwischen auch eine Internetrecherche statt. Nach Ferienhäusern zum Beispiel. Wir buchen sie auch längst über das Internet. Aber dennoch ist es das Schönste, wochenlang vor der Reise in den unterschiedlichsten Reiseführern zu schmökern, um sich auf die bevorstehende Reise einzustimmen und sich auf sie vorzubereiten. Für uns ist das ein unverzichtbares Ritual! Zumal wir, wenn wir etwa drei Wochen verreisen, zuvor immer dieses Gefühl haben, sehr viel länger weg zu sein, sehr viel länger weg sein zu wollen. Vieles, das wir uns vorher intensiv in den Reiseführern angesehen und mit einem fetten Stift umkringelt haben, schauen wir uns vor Ort dann doch nicht an. Aber die Vorfreude verlangt einfach danach …

7. Gibt es Reiseschriftsteller, die ihr besonders mögt? Wenn ja, warum?

mb & dm: Bruce Chatwin und Cees Noteboom zum Beispiel. Weil sie weit mehr als Reiseschriftstellerei betreiben.

8. Lest ihr auf Reisen, was am liebsten?

mb & dm: Reisen, ohne zu lesen, hat bisher noch nicht bei uns stattgefunden. Wir lesen beide im Alltag sehr gerne, im Urlaub aber auf jeden Fall. Manchmal glauben wir insgeheim, dass wir reisen, um endlich alles lesen zu können, was schon immer auf unseren imaginären Listen stand. In den letzten Jahren kamen verstärkt auch gut geschriebene Krimis dazu, von Jan Costin Wagner oder Åsa Larsson zum Beispiel. Und es gab einmal ein Jahr, vermutlich 1999, in dem wir die sogenannten „neuen“ Autoren und Autorinnen, wie Karen Duve, Elke Naters, Judith Hermann etc. unter die Lupe genommen haben. Aber eigentlich kann alles dabei sein: neue Romane, klassische Literatur, für die man im Studium oder längst danach, nie Zeit fand.

9. Schreibt ihr auf Reisen? Eher Privates, beispielsweise Tagebuch, oder für euer Blog?

mb & dm: Wir schreiben irgendwie immer. Auf Reisen auch. Vor allem in die Notizbücher, deren Einträge auch nach Monaten oder Jahren immer wieder einmal ganz neu entdeckt werden. Auf Reisen schreiben wir – wie auch sonst regelmäßig – Postkarten. Abends, bei Kerzenlicht und einem Glas Wein Postkarten zu schreiben, dazu in der Bretagne die Musik von Squiban, kann ein Highlight des Tages sein. Oft findet man die allerkitschigsten oder skurrilsten Karten in kleinen schäbigen Dorfläden … fantastisch. Für den Blog schreiben wir auch.

10. Was darf in eurem Reisegepäck, von Kleidung, Hygieneartikeln etc. einmal abgesehen, niemals fehlen?

mb & dm: Hund, Bücher, Zeichen- und Malutensilien, Skizzenbücher, Aquarellblöcke, Papier, Kameras, Taschenmesser, Laptop, Wolldecke, Fön, Neugier, Offenheit und das nötige Kleingeld.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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5 Antworten zu haushundhirsch über ihre Lese- und Reisegewohnheiten

  1. Pingback: Interview « haushundhirschblog

  2. muetzenfalterin schreibt:

    Ein wirklich schönes Interview. Feine Antworten auf klug gestellte Fragen. Jetzt sehe ich mir auch mal die anderen Interviews an…

  3. Pingback: Leseplätzchen, Folge 15 | Philea's Blog

  4. Pingback: Kennst du (…) ? Vol. I. | Zeilen & Spalten

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