Geld verschmökern

Eine liebe Kollegin, die mich immer gern mit der „Zahl der Woche“ versorgt, sandte mir heute einen Link zu einem Beitrag des Statistischen Bundesamtes, in dem zu lesen ist, dass 2009 etwa 400 Euren pro privatem Haushalt für Bücher, Zeitungen etc. ausgegeben wurden. Das klingt, als würde in Deutschland noch einigermaßen gelesen werden, obwohl diese 400 Euren nur 14 Prozent der Gesamtsumme ausmachen, die für „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ ausgegeben wird. Von den 400 Euren wurden 148,- für Bücher, 219,- für Zeitungen und Illustrierten und 31,- für andere Druckerzeugnisse ausgegeben.

Wie sieht das wohl bei mir aus? Ohne akribisch meine Rechnungen auszuwerten (schon weil ich sie immer wegwerfe), bin ich mir sicher, dass ich den Großteil meines Schmöker-Budgets auf Bücher aller Art verwende. Auf jeden Fall mehr als 148 Euren im Jahr, obwohl ich auch gern Bücher aus zweiter und deshalb günstigerer Hand kaufe. In unserem „Haushalt“ werden ganz sicher mehr als 148 Euren dafür ausgegeben, denn mein Liebster liest ja auch ziemlich viel.

219 Euren für Zeitungen und Zeitschriften – mal sehen: Die Zeit ist abonniert, die brand eins dito, weitere Tages- und Wochenzeitungen lese ich meist online. Zugekauft werden Literaturzeitschriften, hin und wieder die AD und die A&W, die sich beide im Budget stärker bemerkbar machen, und manchmal die Brigitte. Mein Liebster kauft sich ebenfalls allerley Zeitungen (viele griechische zum Beispiel) und Zeitschriften. Das könnte eng werden mit den 219 Euren.

Und 31 Euren für „andere Druckerzeugnisse wie Poster, Kalender und Grußkarten“? Poster habe ich mir seit der Pubertät keine mehr gekauft, Kalender bekomme ich oft geschenkt und für Grußkarten gebe ich bestimmt weniger als 31 Euren aus, da ich eher maile, telefoniere oder gleich einen Brief schreibe.

Ob diese Ausgaben nun 14 Prozent meiner Kosten für „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ ausmachen? Kommt darauf an, was alles darunter fällt, das entzieht sich nämlich leider meiner Kenntnis. Nur Kino, Ausstellungen, Theater, Konzerte etc. oder auch Urlaube, Ausgehen und derley (trägt ja schließlich auch nicht unerheblich zur Unterhaltung bei)?

Wie dem auch sei, nicht uninteressant, sich zumindest über das Schmöker-Budget Gedanken zu machen. Was meint ihr, wie sich das bei euch verteilt?

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Geld verschmökern

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Wir sind auf jeden Fall alle Waisenknaben hier, im Vergleich mit Island. Traumhaft wie viel die Menschen dort lesen [und schreiben].

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Liebe Mützenfalterin, dein Kommentar erinnerte mich an das geflügelte Wort von Deutschland als dem Land der Dichter und Denker – und da ich nicht wusste, wer das eigentlich gesagt hat, googelte ich und fand bei Wikipedia, es sei von Wolfgang Menzel, der einst schrub: „“Die Deutschen thun nicht viel, aber sie schreiben desto mehr. […] Das sinnige deutsche Volk liebt es zu denken und zu dichten, und zum Schreiben hat es immer Zeit. Es hat sich die Buchdruckerkunst selbst erfunden, und nun arbeitet es unermüdlich an der großen Maschine. […] Was wir auch in der einen Hand haben mögen, in der andern haben wir gewiß immer ein Buch“ (Menzel 1828).“ Ob man das heutzutage auf Island übertragen müsste? Passend dazu auch dieser Link: http://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Island-besinnt-sich-wieder-aufs-Lesen-id17082861.html.

  3. synaesthetisch schreibt:

    Ich habe mal ein Jahr alle Rechnungen zum Theme Buchkauf gesammelt und schließlich zusammengerechnet. Es waren mehr als 148 Euro – wen wunderts. Inzwischen versuche ich, viel gebraucht zu kaufen, gehe in die Bibliothek (zu den schon erwähnten, schrecklichen Automaten, die ungefähr so viel Charme und Wärme vermitteln wie ein Pfandflaschenautomat) oder bekomme zu Geburtstagen und Weihnachten Bücher von meiner Wunschliste oder Gutscheine zum Anschaffen selbiger geschenkt. Damit sinkt der Betrag, den ich persönlich für Bücher ausgebe auch wieder. Andererseits verschenke ich dann auch wieder neu gekaufte Bücher, zählen die auch in die Statistik (also solche, die ich selbst nicht lese)?

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich glaube, Geschenke zählen nicht dazu, liebe Synästhetin, weil es wahrscheinlich nur um die Ausgaben für den eigenen „Haushalt“ geht. Aber Bücher schenke ich auch am liebsten : ) Vielleicht gleicht es sich ja sowieso insgesamt aus, also die Bücher, die man geschenkt bekommt, mit denen, die man verschenkt.

  4. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Ah, passend zum Beitrag gibt es hier eine kleine Umfrage: http://www.tagesschau.de/buchmesse232.html – falls ihr mitmachen möchtet.

  5. Also vermutlich reichen € 500 im Jahr für Bücher, die ich am allerliebsten in Antiquariaten erstöbere. Zeitungen sind auf € 0, da ich die für mich relevanten Informationen aus dem Internet hole.
    Trotz mailen, twitteren, facebooken geht nix über eine schöne Grußkarte zu besonderen Anlässen. Dann wir der Füllfederhalter aus der Garage geholt und schwungvoll die Karten beschrieben, das lasse ich mir nicht nehmen. Was hier gar nicht auftaucht sind CD & DVD
    summa summarum
    Literatur € 500
    Karten € 50
    Zeitschriften € 200
    Das die Isländer (lt. Mützenfalterin) mehr lesen als die Deutschen wundert mich nicht, der Eingeborene verbringt immerhin sein halbes Leben in tiefster Dunkelheit.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Aha, noch jemand, dem 148 Euren im Jahr für Bücher nicht reichen, willkommen im Club : )
      Dass CDs und DVDs nicht dabei sind, liegt möglicherweise daran, dass die Zahl aufs Lesen abheben sollte (nehme ich mal an). Puh, DVDs würden natürlich noch mal ordentlich die Kosten aufpumpen. CDs bekomme ich oft geschenkt, das ist bei mir also kein hoher Ausgabeposten mehr. Meist höre ich sowieso meine Lieblinge, das ist alles älteres (Rembetika, Kid Loco, Air, Chansons) bis altes (Klassisches) Zeug. Aber vielleicht gibt’s ja mal eine Zahl der Woche, die auch Hör- und Sehgenüsse berücksichtigt.
      Das mit der Dunkelheit in Island ist natürlich ein Argument. Ob die Skandinavier auch besonders leselustig sind?
      .

  6. B.ee schreibt:

    Räusper, also ich gebe fast 150 Euro im Monat für Bücher aus… Die Zahl für Zeitungen und Co schaffe ich allerdings nicht.

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