Disraeli: Dandy, Poet, Staatsmann

Kürzlich las ich Dandy, Poet, Staatsmann. Die vielen Leben des Benjamin Disraeli von Adam Kirsch. Adam Kirsch gelingt in seiner Biographie ein hochinteressantes Porträt von Benjamin Disraeli, das den verschiedenen Facetten des vielseitigen Mannes gerecht wird.

Benjamin Disraeli war ein Schriftsteller mit politischen Ambitionen. Ein Dandy, der den Frauen gefiel und der seine Beziehungen nutzte, um sich einen Platz in der „besseren“ Gesellschaft zu erobern. Ein Salonlöwe, dessen jüdische Wurzeln immer wieder von seinen politischen Feinden ins Spiel gebracht wurden, um seinen Aufstieg zu beschweren. Und der es dennoch schaffte, der erste und bislang letzte englische Premierminister jüdischer Abstammung zu werden und außerdem ein enger Vertrauter von Königin Victoria. Wahrhaftig genug Lebensstoff für eine spannende Biographie.

Obwohl Disraelis Vater seine Kinder aus strategischen Gründen taufen ließ, wurde Disraeli nie wirklich als Christ oder von den Engländern als „einer der ihren“ akzeptiert. Sein Leben lang wurde ihm aufgrund seiner Abstammung unterschwellige bis offene Ablehnung entgegengebracht, im günstigsten Fall galt er als Exot. Sein Leben lang hat er sich mit dem Thema Jüdischsein beschäftigt. Seine politischen Ambitionen, sein langer Anlauf, bis sich erste Erfolge zeigten, seine Ansichten zum Judaismus und seine Sicht der englischen Gesellschaft flossen in seine Romane ein, sodass sich die Entwicklung seiner Gedankenwelt im Laufe der Jahrzehnte an ihnen ablesen lässt. Das zeigt Adam Kirsch sehr gut anhand verschiedener Textbeispiele aus Disraelis Romanen. Dabei kommen auch Disraelis politische Überzeugungen, seine Erfolge und seine Fehleinschätzungen in der Biographie nicht zu kurz. Obwohl ihm immer vorgeworfen wurde, er würde mit seiner Politik „orientalische Interessen“ vertreten wollen, hatte er mit seiner teilweise aggressiven Vorgehensweise stets die Interessen des Empire im Auge und letzlich dessen Stellung gestärkt.

Diese vielen Widersprüche in und um Disraeli, die Mischung, mit der Adam Kirsch ihn tatsächlich gleichermaßen als Dandy, Autor und Politiker präsentiert, die Beschreibung einer außergewöhnlichen Karriere – all das macht die Biographie besonders lesenswert.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Disraeli: Dandy, Poet, Staatsmann

  1. Anja L. schreibt:

    Das klingt nach einer guten Empfehlung. Das Buch hatte ich ohnehin schon ins Auge gefasst. Herzlichen Dank!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s