Indian Summer und eine Ausstellung

Am Sonntag haben wir einen Ausflug nach Baden-Baden unternommen zur Anselm-Kiefer-Ausstellung im Museum Frieder Burda.

Die Fahrt nach Baden-Baden war diesmal besonders schön: Da der Tunnel durchs Städtchen gerade gesperrt ist, muss man eine wunderhübsche Umleitung fahren und kommt in den Genuss des badischen Indian Summer. Leider konnte ich nicht so gut aus dem fahrenden Auto knipsen, aber auch die Bäume in Baden-Baden schmückten sich in herrlichen Gelb-, Gold- und Rottönen.

Indian Summer in Baden-Baden, Foto: (c) Petra Gust-Kazakos

Und über uns goldene Dächer aus Blättern. Wie schön, dass der „Goldene Oktober“ noch ein Gastspiel im November gibt.

Goldenes Blätterdach, Foto: (c) Petra Gust-Kazakos

Die Ausstellung ist übrigens ausgezeichnet. Gleich am Eingang eines meiner Lieblingsbilder von Anselm Kiefer, nämlich „Böhmen liegt am Meer“.

Dann im Erdgeschoss zwei weitere Bilder, die mich tief beeindruckt haben: „Lilith“ und „Der fruchtbare Halbmond“.

Diese drei Bilder haben mich am stärksten berührt, allein durch die eingehende Betrachtung. Ich habe mir viel Zeit genommen für die großformatigen Werke und finde, dass sich das lohnt. Mich fasziniert die für Kiefer typische reliefartige Struktur der Bilder, die in einer zweidimensionalen Darstellung auf Postern oder Postkarten leider viel von ihrer Wirkung verlieren. Das war einer der Gründe, warum ich mir diesmal nicht den Ausstellungskatalog gekauft habe. Man muss es wirklich in 3D sehen: die tiefen Risse, Furchen, Erhebungen, die eingearbeiteten Dinge wie Pflanzenteile oder Blech- und andere Stücke. Auch wirken die Bilder tatsächlich erst in ihrer monumentalen Größe (die gut zu den monumentalen Themen passt), denn auf einer kleineren Darstellung entgehen einem die vielen wichtigen Einzelheiten.

Falls ihr euch die Ausstellung ansehen möchtet, empfehle ich unbedingt, einen Audio Guide mitzunehmen oder eine Führung zu machen, denn einige Arbeiten erschließen sich erst durch die Erläuterungen. Vielleicht ist das ein Grund, warum mir Bilder wie „Lilith“ oder auch „Essence“ besonders gut gefallen haben, denn sie ergreifen den Betrachter, ohne dass er sich dazu erst mal in die Kabbalistik etc. einarbeiten muss.

Viele, eigentlich die meisten der ausgestellten Arbeiten wirken auf mich unglaublich schwer und traurig. Das liegt natürlich zum einen am Thema, die Aufarbeitung von deutscher Geschichte und Kriegsereignissen (oder -ergebnissen), aber auch an den Farben und Materialien. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang den Film, der im Untergeschoss gezeigt wurde, denn darin ging es auch um eines der Hauptmaterialien, die Kiefer verwendet: Blei. Und um die Assoziationen, die sich mit diesem Material verbinden: dunkel, schwer, auch giftig, Melancholie etc. Außerdem wird seine besondere Beziehung zu Paul Celan und Ingeborg Bachmann, seine Verwendung von Mohnkapseln, Stroh und vielem mehr dabei (wie bei den Audio Guides ebenfalls) thematisiert, was sehr erhellend für das tiefere Verständnis seiner Arbeiten ist. Toll fand ich auch seine Blei-Bibliothek: Lauter Bücher aus Blei in Regalen aus Blei – die Erklärung mit den Erbsen und der Volkszählung hat mich allerdings aus meinen eigenen Assoziationen dazu gerissen und ein bisschen ernüchtert. Manchmal möchte man vielleicht lieber doch keine Erklärung.

Nach der Ausstellung gingen wir noch essen im „Rive Gauche“ – wir konnten sogar auf der Terrasse sitzen, im November! – und spazierten anschließend noch ein bisschen umher. Zum Beispiel zu der hübschen Trinkhalle.

Trinkhalle in Baden-Baden, Foto: (c) Petra Gust-Kazakos

Unterwegs kaufte ich uns bei „Rumpelmayer“ noch köstliche „Esskastanien“ aus Schokolade, Marzipan und Trüffel. Eine davon ersetzt vermutlich eine vollständige Mahlzeit.

„Esskastanie“ von Rumpelmayer - ein Genuss! Foto: (c) Petra Gust-Kazakos

Insgesamt ein herrlicher Sonntagsausflug!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Indian Summer und eine Ausstellung

  1. kreadiv schreibt:

    Überwiegend warme Farbtöne auf allen gezeigten Bildern. Der richtige Ausflug im Herbst 🙂
    Die Ausstellung war sicher sehr beeindruckend.

  2. haushundhirschblog schreibt:

    Ein schöner Sonntagsausflug, liebe Petra, an dem Du uns teilhaben lässt. Die Ausstellung von Kiefer lohnt bestimmt, aber richtig neidisch werden wir bei den „Esskastanien“ 🙂

  3. wortlandschaften schreibt:

    Anselm Kiefer kannte ich bis zu Deiner Ankündigung nicht. Die beiden Bilder gefallen mir sehr gut, wobei ich Dir natürlich zustimme, der Eindruck ist viel stärker bzw. ein ganz anderer, wenn man davor steht und die verwendeten Materialien sieht, die Perspektive ändern kann usw..

    Die Kastanie schaut sehr lecker aus. Ich habe vor kurzem bei meinem Ausflug auch eine mitgebracht, die ich aber verschenken werde. Ich musste mich schon ein paar Mal zusammenreißen, aber ich bleibe standhaft und stelle mir vor, dass sie göttlich schmeckt (sollte sie bei dem Preis auch besser).
    Wenn Du mal vergleichen magst, auf der Webseite links unten unter „Autumn“ (http://www.chocolatier-burie.be) finden sich schöne Bilder. Die Champignons aus Schokolade fand ich auch sehr verführerisch.

    Freut mich, dass ihr einen so schönen Sonntag hattet.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Mjam, sieht auch sehr lecker aus, was die Chocolaterie da anbietet, liebe Wortlandschaften! Und Anselm Kiefers Bilder sind wirklich sehenswert, freut mich, dass ich sie dir ein bisschen vorstellen konnte : ) Vielleicht ist ja mal eine Ausstellung bei dir in der Nähe.

  4. Frau Feuerfalter schreibt:

    Die Ausstellung hätte ich mir auch zu gern angesehen, liebe Petra! Danke, dass Du Deine anschaulichen Eindrücke mit uns teilst; ein Katalog kann die Unmittelbarkeit des Erlebens wahrlich nicht annähernd ersetzen. Als Schleckermäulchen mit einer Vorliebe für Marzipan schnüffele ich jetzt noch um die Esskastanie herum – mmh, sieht die lecker schokoladig aus! So ein Betthupferl wär jetzt etwa Feines… 🙂

  5. Pagophila schreibt:

    „Böhmen liegt am Meer“ würde ich gerne einmal „live“ sehen. Dazu würde ich mir dann auch Kopfhörer aufsetzen, aber nicht den Audio Guide sondern Ingeborg Bachmann mit ihrem gleichnamigen Gedicht..:-)

  6. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    : ) Hättste dir dann redlich verdient : )

  7. muetzenfalterin schreibt:

    Schöner Bericht von einer bestimmt lohnenswerten Ausstellung. Baden Baden ist leider zu weit. Aber vielleicht kommt Amseln Kiefer einmal in die Nähe.

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