ZEITungsfrühstück mit Abrechnungen

Heute, meine Lieben, wieder ein „klassisches“ ZEITungsfrühstück. Übrigens fand ich die Zeit heute besonders interessant: Es gab neben allerley Erhellendem auch etliche Abrechnungen und Demontagen, vor allem im Feuilleton. Hier also mein persönliches Best of aus Zeitmagazin, Reisen und Feuilleton:

Foto: (c) Gerda Kazakou

In seiner Kolumne macht sich Harald Martenstein Gedanken über Kritiker, die sehr empfindlich auf Kritik (nämlich an ihnen) reagieren. Ein großer Teil des Zeitmagazins widmet sich dem Thema Sprichwörter. Es beginnt mit einem interessanten Interview mit dem Sprichwortforscher Wolfgang Mieder. Auf den folgenden Seiten wird der Wahrheitsgehalt von Sprichwörtern am Beispiel von alltäglichen und anderen Situationen überprüft. Vieles davon ist bereits online, daher ein Link, von dem aus ihr euch durch die „Sprichwörter im Praxistext“ klicken könnt: http://www.zeit.de/zeit-magazin/index.

Im Reiseteil findet sich ein Artikel über einen Schach-Zug (im wörtlichen Sinne) mit dem Titel „Am Zug im Zug“ von Ulrich Stock. Leider noch nicht online ist „November, was soll’s“, ein Beitrag, in dem vier Autoren über ihre „Ausweichmanöver aus Anlass von Wind, Regen, Sturm und Schlechtwetter“ erzählen. Am besten gefiel mir das von Elsemarie Maletzke, die sich mit Versen von Christian Morgenstern auf den Galgenberg begab. Darin wird auch einer meiner Nonsens-Lieblinge zitiert, „Pfeift der Sturm? Keift ein Wurm? Heulen Eulen hoch im Turm?“. Ebenfalls noch nicht online ist das Interview mit dem Schweden Bob Arno, der seit Jahren Taschendiebe beobachtet und Tipps gibt, wie man sich vor ihnen in den verschiedenen Ländern schützen kann.

Kommen wir zu den Abrechnungen und Demontagen im diesmal für mich besonders wohl gefüllten Feuilleton. Es beginnt mit einem Interview von Iris Radisch mit dem Autor Antonio Tabucchi über Berlusconis Italien, „Abrechnung mit dem Despoten“. Dann, gleich daneben, ein guter Beitrag von Hanno Rauterberg mit dem Titel „Seelenpiepen“ über das Buch von Vivien Stein, in dem sie den Sammler Heinz Berggruen diffamiert.

Ganz ausgezeichnet ist der Artikel „Wer kennt diese Bilder?“ von Stefan Koldehoff und Tobias Timm. Darin geht es u. a. um weitere 39 Bilder, die nicht Gegenstand des Prozesses gegen Wolfgang Fischer alias Beltracchi waren und deshalb wohl weiter bei irgendwelchen Sammlern schlummern. Überhaupt finde ich den ganzen Fall Beltracchi und die Sammlung Jägers ungeheuer spannend, zumal er viele Fragen aufwirft bzw. offen lässt. Fragen, den Kunstmarkt betreffend, beantwortete schon Piroschka Dossi in ihrem hervorragenden Buch Hype, das ich nur wärmstens empfehlen kann (mehr dazu unter D im Salon). Der Roman It happened in Boston? von Russel H. Greenan passt ebenfalls gut zum Thema Kunstfälschung (meine Empfehlung ist im Salon unter G zu finden). Auch finde ich die Frage interessant, warum Remakes bei Filmen oder Romane, die sich wie Autobiographien lesen (zur Zeit lese ich das hervorragende Madame Hemingway), problemlos unter dem Namen der Regisseure oder Autoren zu Erfolgen kommen, ein Künstler aber, der wie Beltracchi à la Künstler X oder Y Werke im Gesamtwerk eines Künstlers „ergänzt“, zu betrügerischen Maßnahmen greifen muss, um einen, wenn auch sehr bedenklichen, Erfolg zu erzielen. Die Frage nach Schuld der „Experten“, Geldwäsche im Kunstbetrieb und derley mehr blieben durch den Prozess gegen Beltracchi ja leider gleichfalls unbeantwortet.

Dann gibt es noch einen sehr guten Artikel des Autors Matthias Politycki: „Der Wille zum Mittelmaß“, das Lesen lohnt sich unbedingt!

Und nun, meine Lieben, wünsche ich euch (um es mit den Worten von Puzzle zu formulieren) ein vergnügtes, gemütliches und kreatives Wochenende!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu ZEITungsfrühstück mit Abrechnungen

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    vielen lieben Dank wieder einmal für’s Vorlesen und Hinweisen! Der Artikel des Autors Matthias Politycki: „Der Wille zum Mittelmaß“ hat uns ungeheuer gut gefallen!
    Sehr, sehr gut geschrieben!
    Fein auch Dein allerley und derley 😉

  2. kreadiv schreibt:

    Der Artikel „Der Wille zum Mittelmaß“ hat mir besonders gut gefallen.
    Liebe Grüße
    Andrea

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Hallo, ihr Lieben, freut mich, dass der Artikel euch auch so gut gefiel. Seine allgemeinen Betrachtungen und besonders seine Zusammenfassung der Probleme/Sorgen der diversen Gruppen traf die Sache wirklich auf den Punkt. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft weitere und sichtbare Maßnahmen gegen die Vermittelmäßigung geben wird.

  4. Lakritze schreibt:

    Danke fürs Vor-Lesen. Für mich besonders nützlich, ist mir doch wieder die ZEIT aus dem Briefkasten entschwunden, bevor ich auch nur einen Blick hinein werfen konnte.

  5. Frau Feuerfalter schreibt:

    Liebe Petra,
    der Artikel von Stefan Koldehoff interessiert mich sehr. Ist dieser vielleicht auch online zu lesen? Koldehoff ist mir schon vor Jahren mit einer seiner ersten Publikationen über Van Gogh begegnet: ich schätze ihn sehr.

    Einen guten Start in die neue Woche wünscht Dir Karin

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