Von Schönheit und Tod

Noch bis zum 19. Februar 2012 läuft in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe die Ausstellung: „Von Schönheit und Tod – Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne“. Ich habe sie mir heute mit einem Freund angesehen – sie ist wirklich sehenswert.

Zunächst waren wir skeptisch, all die toten Tiere, würde es deprimierend oder schwer zu ertragen sein, die Bilder zu betrachten? Aber das war es nicht, aus mehreren Gründen. Zum einen sicher wegen der Meisterschaft, mit der sich die verschiedenen Künstler des Themas angenommen hatten. Zum anderen wegen ihrer Liebe zum Detail, zum Individuum, man las aus den Gemälden die Achtung, die die Künstler den Geschöpfen entgegengebracht haben mussten. Selbst im Tode wurden die Tiere nie zu puren Objekten oder zur Ware, sondern bewahrten Anmut und Individualität. Manche wirkten geradezu majestätisch und überstrahlten in ihrer Darstellung bei weitem die der beigefügten Menschen (sofern Menschen auf dem Gemälde vorkamen). So fein das Fell, so genau das Gefieder, so glänzend die Schuppen, dazu die verschiedenen Oberflächen von Obst, Gemüse, metallenen Schüsseln und Gläsern, in denen Most zu schäumen schien, als brauche man nur zuzugreifen. Übrigens kamen auch lebende Tiere vor, beispielsweise Jagdhunde, Katzen, Papageien oder allerley Insekten, Schmetterlinge, Spinnen oder Fliegen. Allgegenwärtig ist natürlich der Aspekt der Vergänglichkeit allen Lebens. Umso erstaunlicher, dass diese Bilder dennoch so unglaublich „lebendig“ wirken. Wir ließen uns von Trompelœils täuschen, nahmen uns für jedes der Gemälde viel Zeit, drehten und wendeten die Köpfe, traten dicht heran und weiter weg, kurz: wir waren fasziniert!

Sehr gut gefiel mir ein Gemälde der Künstlerin Clara Peeters, die sich selbst winzigst spiegelt im Deckel eines Zinnkrugs. Interessanterweise fanden wir die Tierstilleben von bekannten Malern wie Rubens weniger beeindruckend als die der (uns) weniger bekannten Maler wie Frans Snyders oder Sebastian Stoskopff.

Also, meine Lieben, falls ihr in der Nähe seid, schaut euch die Ausstellung an. Es lohnt sich!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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19 Antworten zu Von Schönheit und Tod

  1. puzzle schreibt:

    In einer Ausstellung kann ich mir vorstellen, mich faszinieren zu lassen von dieser Art Stilleben, aber entgegen den früheren Gepflogenheiten, so etwas in das Speisezimmer zu hängen, wäre ich davon weniger erfreut, es mich animiert zu sehr dazu, Borsten und Federn auf dem Teller zu vermuten.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Stimmt, liebe Puzzle, das könnte sozusagen den Appetit verderben, obwohl die Bilder keineswegs „unappetitlich“ waren. Ich mag Stilleben eigentlich sehr gern, es gibt ja auch „appetitlichere“ Varianten. Gut gefallen mir beispielsweise diese Steckbrett-Trompe-l‘œils.

  2. haushundhirschblog schreibt:

    Oh, da bin ich aber anderer Meinung. Ein totes Tier an der Wand ist schon in Ordnung und unter Umständen sehr reizvoll, sofern es nicht nur ein Opfer der Fliegenklatsche ist, das kleben blieb. Würde mir jedenfalls besser gefallen, als ein Steckbrett-Kunststückchen 🙂
    Aber ein schöner Artikel, Petra, zu einem Thema, das auch schon öfter meins war, in Bildern.
    dm

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Dankeschön : ) Die Tierstilleben waren wirklich wunderschön, aber durch ihre Art der Darstellung erregten sie beim Betrachten natürlich nicht nur ästhetischen Genuss, sondern eben auch Mitleid etc. Vielleicht eher was für die Esszimmer von Vegetariern? ; )

  3. Pagophila schreibt:

    Meiner Ansicht nach sollte man den Tod der Tiere auch sehen können, wenn man sie isst. Leider ist das heute so: Haltung und Schlachtbänke sind so weit weg, dass das Stück Fleisch, das wir essen, bloß noch ein Stück Fleisch ist.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich verstehe zwar, was du damit meinst, liebe Pagophila, aber ich muss gestehen, dass ich das Thema Tod bei Tisch zu traurig finde. Selbst, wenn er so ästhetisch inszeniert wird wie in diesen Sitlleben.

      • Pagophila schreibt:

        Ich meinte das grundsätzlich. Nicht darauf bezogen, ob ich mir ein solches Stillleben über den Esstisch hängen würde. Das bleibt, würde ich sagen, eine Frage des persönlichen Geschmacks..;-)

  4. puzzle schreibt:

    Wenn man sie ißt, sollte einem klar sein, wer da auf dem Teller liegt und wie sein Tod aussah, ein Besuch in einer Markthalle in Ländern, die tatsächlich noch nicht zu „sensibel“ sind, um Pfoten und Köpfe zu verkaufen und zuzubereiten, ist absolut empfehlenswert – aber das während der Mahlzeit vor Augen zu hängen, wird sich kaum durchsetzen und ich würde aufstehen und gehen, wenn es jemand beim Essen thematisieren würde, selbst wenn ich nur Gemüse auf dem Teller hätte .

  5. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    @Pagophila (mein Kommentarlink ist nach ein paar Antworten immer weg, deshalb so): Ah, okay : )

  6. wortlandschaften schreibt:

    Hallo Philea,

    Stillleben toter Tiere klingt tatsächlich ungewöhnlich und von daher aber auch interessant. Spannend, wie man doch immer wieder auf wenig beleuchtete Aspekte in der Geschichte bzw. hier speziell der Kunstgeschichte treffen kann. Dein Beitrag hat mich an eine Dauerausstellung im Schloss Troja im gleichnamigen Stadtteil Prags erinnert. In der mehrteiligen Ausstellung „Eternal Summer in a Roman Villa“ stand eine große Anzahl von Gemälden mit Tieren, vornehmlich Pferde und Hunde, aber auch Vögel u.a., im Mittelpunkt. Das fand ich damals recht ungewöhnlich, da ich Tiergemälde, besonders in so großer Anzahl und im Stile eines Porträts so nicht oft gesehen hatte. Auch wenn die Darstellung und die Genauigkeit schon beeindruckend sind, sprechen mich Landschaftsgemälde oder solche, die historische Ereignisse abbilden, normalerweise mehr an. Aber das lässt sich in der Kunst auch nicht pauschal sagen. In der Nationalgalerie in Bratislava habe ich letztes Jahr eine Ausstellung besucht, in der hauptsächlich Porträts zu sehen waren, einige wenige hatten etwas, was schwer in Worte zu fassen ist und den Blick länger als gewöhnlich darauf verweilen lässt. Wegen solcher Bilder lohnt es sich dann auch, die Galerien aufzusuchen. Gemälde von Rubens habe ich in Antwerpen in der Liebfrauenkathedrale kürzlich gesehen, allerdings religiöse Motive (was auch sonst in einer Kirche). Wie ich gerade in den Links gesehen habe, stammten die Maler Frans Snyders und Clara Peeters aus Antwerpen. Bei Frans Snyders hatte ich schon so eine Vermutung, aber nicht wegen des vielleicht an einen niederländischen Fußballer erinnernden Nachnamens, sondern wegen des Vornamens. In der angesprochenen Ausstellung hingen neben Rubens auch Gemälde zweier Frans(ens): Frans Floris & Frans Francken.

    Schön, dass es euch so gut gefallen hat und dass Du uns daran teilhaben lässt. Schönen Sonntag noch und viele Grüße!

    wortlandschaften

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Wortlandschaften,

      ich wusste gar nicht, dass es in Prag einen Stadtteil, geschweige denn ein Schloss, namens Troja gibt : ) Aber ich war ja leider noch nie da.
      Diese Ausstellung, von der du erzählst, klingt auch sehr interessant. Es ist sicher ungewöhnlich, wenn man es zum ersten Mal sieht, dass sich Tiere ebenso gut wie Menschen porträtieren lassen, kommt natürlich seltener vor, kann aber genauso eindrucksvoll sein. Mein erstes „Tierporträt“, das ich bewusst sah, war ein Tiger von Delacroix (von ihm gab es vor einigen Jahren eine vielbesuchte Ausstellung, ebenfalls in der hiesigen Kunsthalle). Dann fiel mir ein, dass ich als Kind den Tiger von Franz Marc sehr gemocht hatte, wobei dieser natürlich im Vergleich zur Darstellung von Delacroix stark abstrahiert war, kubistisch eben. Aber als Kind kam es mir überhaupt nicht ungewöhnlich vor, dass jemand Tiere porträtiert, war es zu jener Zeit ja auch nicht mehr. Jedenfalls ist eine gut gemachte Ausstellung mit sinnreicher Zusammenstellung und Präsentation der Bilder eigentlich immer lohnend, weil sie Werke unter Aspekten zusammenstellt, die man sich vorher noch nicht so bewusst gemacht hat.
      Liebe Grüße, Petra

  7. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    @haushundhirsch: Also, das Zitronenhuhn nebst Geschichte ist ja eher appetitanregend ; )

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