Gestatten, Madame Hemingway

Kürzlich habe ich Madame Hemingway von Paula McLain gelesen. Ein wunderschönes Buch, das ich euch wärmstens empfehle.

Nachdem ich diverse überaus positive Rezensionen beim Durchleser, bei Ada Mitsou und bei der Klappentexterin gelesen hatte, konnte ich meine Leselust auf diesen Roman nicht länger bezähmen. Und das war auch gut so. Er passte außerdem hervorragend in eine Art „Reihe“, die sich zufällig bei mir ergeben hatte: Ich sah den fabelhaften Film „Midnight in Paris“ und las die Neuausgabe von Paris / Ein Fest fürs Leben – damit war ich auf Madame Hemingway perfekt vorbereitet.

Die erste Frau von Ernest Hemingway, Hadley, kannte ich zuvor eigentlich nur über die Geschichte mit den verlorenen Manuskripten: Hadley hatte ihrem Mann die Manuskripte mitbringen wollen, aber die Tasche mit seinem kompletten Frühwerk wurde ihr am Bahnhof gestohlen. Als ich zum ersten Mal von der Geschichte hörte, dachte ich nur an den Schriftsteller, für den dieser Verlust furchtbar gewesen sein muss. Als ich Hemingways Paris / Ein Fest fürs Leben las, ein Buch, in dem er überaus liebevoll von seiner ersten Frau spricht, dachte ich zum ersten Mal auch an sie. Wie schrecklich es für Hadley gewesen sein muss, ihrem geliebten Mann einen solchen Verlust – wenn auch in aller Unschuld – zugefügt zu haben. Auch in Madame Hemingway nimmt dieses Ereignis eine zentrale Stellung ein.

Der Roman beginnt mit der Romanze, die sich zwischen Hadley und Ernest anbahnt. Aus ihrer Sicht erfahren wir von der gegenseitigen Anziehung, von den vielen Briefen, die die beiden wechselten, aber auch von Hadleys Unsicherheit. Schließlich war sie einige Jahre älter, sehr behütet, besonnener, von der Liebe schon einmal enttäuscht. Er dagegen, Anfang zwanzig und bereits in der Welt herumgekommen, ein junger Reporter, der Schriftsteller werden wollte, sehr temperamentvoll – konnte das gutgehen? Zunächst schon. Es ist eine schöne, zärtliche Beziehung. Hadley unterstützt ihren Mann in seinen Ambitionen, zieht mit ihm nach Paris und taucht an seiner Seite in die Tage und Nächte voller Jazz, Alkohol und Zigaretten und vor allem voller hochinteressanter Bekanntschaften ein. Im Laufe der Jahre bekommt ihre Beziehung ein paar Sprünge und Risse und sowohl Hadley (bzw. die Autorin) als auch ich als Leserin sehen im Verlust der Manuskripte den Beginn der Abwärtspirale. Mit Hemingways Karriere geht es dagegen immer besser und am Ende muss er sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Wer Hemingways Biographie kennt, kennt auch das Ende. Und dennoch ist es spannend, man hofft, obwohl das Ende bekannt ist.

Der Autorin gelingt es, die bisher eher unscheinbare Hadley, the Paris Wife (so auch der Originaltitel des Romans) an Ernests Seite in den Mittelpunkt zu stellen und ihr eine authentische Stimme zu geben. Gefühlvoll, aber nie kitschig und vor allem nah an den Tatsachen werden die Verhältnisse und Ereignisse beschrieben. So könnte es wirklich gewesen sein, damals in Paris. Zeitweise hatte ich das Gefühl, statt eines Romans tatsächlich Hadleys Autobiographie zu lesen. Wie gesagt, ein wunderschönes Buch!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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9 Antworten zu Gestatten, Madame Hemingway

  1. erinnye schreibt:

    Vielen Dank für die wunderbare Rezension. Eine schöne Inspiration für den nächsten Bücherkauf.

  2. Mr. Rail schreibt:

    War ein großer Schwerpunkt in diesem Jahr und ich denke, unsere Meinungen sind absolut deckungsgleich.. tolle Besprechung – große Empfehlung!

    http://blog.lovelybooks.de/2011/07/01/hemingway-der-alte-mann-und-das-app/

  3. klappentexterin schreibt:

    Ich freue mich wirklich sehr, liebe Petra, dass dich das Buch genauso begeistern konnte wie uns!

  4. haushundhirschblog schreibt:

    Danke, liebe Petra, für diese anschauliche und verdammt gut geschriebene Rezension! Hemingways Texte kenne ich zum Teil, und ich schätze einige von ihnen. Seine Biographie ist mir dagegen unbekannt. Möglicherweise hatte ich auch beizeiten ein zu negatives Bild von seiner Persönlichkeit. Daher gefällt mir jetzt besonders gut, dass Hadley eine Stimme durch dieses Buch verliehen wird. Es wird auf meiner imaginären (und eigentlich real existierenden) „Das-will-ich-unbedingt-lesen-Liste“ stehen.
    Vielen Dank,
    mb

  5. buechermaniac schreibt:

    Das Buch muss ich auf meinem SuB wohl wirklich zuoberst hinlegen. Deine und alle anderen Rezensionen sind bis jetzt sehr positiv ausgefallen. Auch Hemingways Bücher habe ich immer gemocht. Das ist ja dann noch eine wunderbare Ergänzung.

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