Leseplätzchen, Folge 17

Weil’s so schön war, gleich noch eine Folge der beliebten Leseplätzchen – und zwar von mb vom haushundhirschblog. Die Leseplätzchen von dm, ihrem Co-Autor, habt ihr ja bereits gesehen. Nun schauen wir mal, wo mb am liebsten liest und was sie zu ihren Lieblingsleseplätzchen erzählt:

„Lesen. Und Plätze dazu finden. Oder sie einfach schon gefunden haben. Das hat sich während der letzten Jahre auch immer wieder einmal verändert. Früher las ich gerne stundenlang in der Unibibliothek. Dort herrschte diese Stille, die nur hin und wieder durch ein Räuspern oder Husten unterbrochen wurde. Das permanente Umschlagen der Buchseiten zu hören, immer wieder einmal aufzuschauen, wie die anderen Studenten arbeiten, abgelenkt oder konzentriert oder gar nicht, weil es ihnen schließlich doch nicht behagte, in dieser Stille zu arbeiten. Das ist lange her, aber die Gerüche und Geräusche sind abrufbar, und damals war der lesende Aufenthalt in der UB für eine späte Studentin, die erst als Erwachsene das Abitur gemacht hatte, ein besonderes, spezielles Gefühl des Dazugehörens.

Inzwischen haben sich die Orte und Ecken und Plätze, an denen ich das Lesen bevorzuge, entsprechend verändert. Mein derzeit bevorzugter Leseplatz steht in einer Ecke unserer Wohnküche. Den Sessel fand ich im Sperrmüll. Man muss vielleicht erwähnen, dass der Sperrmüll in Düsseldorf stand, und zwar in Benrath. Eine feine Gegend mit edlen Häuschen und Villen, direkt am Rhein, wo die Menschen gänzlich andere Dinge entsorgen als hier in Darmstadt-Mitte. Der Sessel war mit einer unsäglich scheußlichen Samtmischung in grün-beige-braun-Tönen bezogen. Daher musste er mit neuem Stoff versorgt werden. Hier sitze ich neben einem kleinen Schränkchen – auf einem Bonner Flohmarkt erstanden – das einer ganz anderen Zeit entstammt. Manchmal stehen darauf dann auch ein Aschenbecher und ein Weinglas.“

Der Lesesessel von mb

„Wenn ich aber, was nicht selten der Fall ist, einfach zur bloßen Entspannung irgendeinen Krimi nach einem langen Tag lesen möchte, geschieht das beinah immer im Bett. Lesen im Liegen ist für mich ein besonderes Vergnügen. Und da wir bewusst keine Couch besitzen, ist es das Bett. Zumal das Lesen mich abends – wie nichts anderes – verlässlich in den Schlaf zu befördern weiß.

Im Sommer las ich früher gern im Außenbereich meiner Lieblingskneipen. Da gab es neben dem Lesen viel zu sehen, wenn man alleine unterwegs war, und etliche Möglichkeiten hatte, ein paar Eindrücke ins Notizbuch aufzunehmen. Aber inzwischen hat sich dieser Außenbereich-Leseplatz hierher verlagert. Auf unserem Balkon neben dem Ginkgo und mit Blick auf einen großen Hof, den sich die vielen umstehenden Häuser teilen, befinde ich mich mitten im Leben und kann in aller Ruhe all das tun, was mir am meisten gefällt: lesen, schauen, zuhören und zur Ruhe kommen. Und der Hund ist auch dabei.“

Leseplätzchen mit Hund

Deine Leseplätzchen, liebe mb, gefallen mir sehr, besonders der Sessel – was für ein toller Fund! Herzlichen Dank für die schönen Fotos und Texte!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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18 Antworten zu Leseplätzchen, Folge 17

  1. Penelope schreibt:

    Eine Wohnküche muss was Schönes sein ~_~. Aber warum bewusst keine Couch??? Ich könnte nicht ohne, na ja zugegeben, mehr zum Fernsehen als zum Lesen. Und so ein Balkonplätzchen ist wundervoll!

    • haushundhirschblog schreibt:

      Ja, es ist wirklich angenehm, vor allem wenn man gerne kocht, und das vielleicht auch zu zweit, einen größeren Raum zur Verfügung zu haben. Und wenn mal Gäste kommen fällt dieses etwas störende Herumgerenne automatisch weg. Das mit der Couch ist so eine Sache, die immer wieder auf Fragen und Unverständnis stößt. Wir haben keine, weil vor einer Couch meist auch so ein niedriger Couchtisch zu stehen hat, damit der Gast (oder auch man selbst) mal ein Getränk abstellen kann …
      Und ich habe noch keinen niedrigen Couchtisch gefunden, der mir gefällt. Außerdem sitzt man am Tisch einfach irgendwie kommunikativer beieinander. So empfinden wir es jedenfalls oft. Da wir außerdem sehr wenig Fernsehen, fehlt sie uns nicht. Vielen Dank Penelope, und es stimmt: so ein Balkonplätzchen ist äußerst angenehm.
      mb

  2. puzzle schreibt:

    Im Bett lesen ist herrlich, wenn das Format erlaubt, daß man auf dem Ellenbogen gestützt oder auf dem Bauch liegend umblättern kann. 🙂

  3. Pingback: mb ist mal eben zum Lesen bei Philea « haushundhirschblog

  4. zweitesselbst schreibt:

    ohja, das hat Stil. 🙂

  5. maragiese schreibt:

    Eine schöne Vorstellung eines Leseplätzchens wiedermal … vielleicht traue ich mich auch mal 😉

    Im übrigen finde ich persönlich ein Leseplätzchen mit Hund auch einfach am schönsten und gemütlichsten … da ist mir dann auch schon fast der Platz egal, solange er nur beim Hund ist.

  6. buechermaniac schreibt:

    Das ist ganz einfach ausgedrückt eine sehr schöne Serie, die mir sehr gut gefällt 🙂 Mir geht es wie Mara, irgendwann mache ich vielleicht auch mit.

  7. Lakritze schreibt:

    Oja, die Serie wird immer wunderbarer, je serier sie wird. Merci, Philea!
    Das Couchtischproblem kenne ich und habe es gelöst, indem es keinen gibt. Auf eine richtig schöne Couch warte ich allerdings auch noch; vielleicht sollte ich mal am Sperrmülltag nach Düsseldorf …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Insbesondere nach Benrath, liebe Lakritze ; ) Ich finde leider nie so tolle Sachen wie diesen hübschen Sessel auf dem Sperrmüll, auf Flohmärkten bin ich erfolgreicher, allerdings eher im Krimskramsbereich (Broschen und derley).

  8. Frau Feuerfalter schreibt:

    Das gefällt mir auch sehr, das mb-Leseplätzchen mit Wohlfühlsessel, Balkonblick und Streichelhund! Ach, so ein Vierbeiner mit feiner Schnüffelnase und zarten Ohren – der passt einfach wunderbar zu einer feinsinnigen Lesestimmung. Und wenn der Kopf mit Gedanken angefüllt ist, spaziert man mit ihm zum Stöckchenspiel nach draußen…

    Danke wieder für ein schönes und anregendes Leseplätzchen!

    • haushundhirschblog schreibt:

      Liebe Frau Feuerfalter,
      schön, dass es Dir gefällt. Und heute war es wieder so, wie Du es geschrieben hattest: ein bisschen gelesen im Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Pau Celan, dann, mit angefüllten Gedanken raus auf’s Feld. Da findet dann die Leserunde der Hündin statt, immer an den gleichen Ecken, da wo ihre bekannten oder unbekannten Artgenossen ein paar „Nachrichten über sich“ hinterlassen haben. Dann ein paar Stöcken geworfen, die alle zerlegt wurden. Und jetzt sind die Kerzen angezündet, der Kaffee ist gekocht, alle sind ein wenig müde, aber zufrieden.
      Liebe Grüße an Dich. mb

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