Zeitungsfrühstück, Folge 34

Willkommen zum Zeitungsfrühstück, meine Lieben! Hier wieder meine persönliche, kommentierte Auswahl aus Zeitmagazin, Reisen und Feuilleton:

Foto: (c) Gerda Kazakou

Im Zeitmagazin macht sich Harald Martenstein diesmal Gedanken über den Bundespräsidenten und Elisabeth Raether über „Die neue X-Klasse“. Damit meint sie eine bestimmte Pose, in der sich neuerdings viele Frauen ablichten lassen, nämlich mit überkreuz gestellten Beinen. Ich glaube mich zu erinnern, dass diese Pose mitnichten neu ist. In meiner Jugend wurde sie nämlich angeblich typischerweise von den sogenannten „Poppern“ eingenommen, das waren die mit den Seitenscheiteln und den Karottenhosen zu Collegeschuhen. Das war mir immer peinlich, denn ich stand und stehe selbst gern in dieser Pose herum, z. B. an Haltestellen. Als ob es mir bequemer sei, auf überkreuzten statt auf geraden Beinen zu stehen. Aber in der Jugend ist einem ja sowieso alles peinlich. Inzwischen habe ich mich mit dieser Pose gut arrangiert.

Im Reiseteil schreibt Renate Just in „Hier ist die Welt noch verwinkelt“ über die beschauliche Oberpfalz und Benjamin Dürr interviewt in „Bungee-Sprung ins Elend“ den Sozialgeographen Malte Steinbrink über Touristen, die Elendsviertel als Sehenswürdigkeiten betrachten. Ich finde, das hat was von einem Menschenzoo, „mal sehen, wie die Armen so leben – hach, ist das lebendig hier!“. Hm. Ich würde es übrigens auch seltsam finden, wenn die High Society Ausflüge in Stadtteile mit typischen Mittelschichtlern machte, um zu schauen, wie die denn so leben. Andererseits bekuckt man sich ja auch alte Schlösser, könnte man einwenden. Aber da wohnt ja dann meist niemand mehr. Und ich liebe es, abends in die beleuchteten Fenster zu schauen, wenn ich durch die Straßen spaziere. Dennoch finde ich „Slum-Tourismus“ seltsam – wie findet ihr das?

Im Feuilleton hat der wunderbare Stefan Koldehoff mit Co-Autor Tobias Timm in „Max Ernst GmbH & Co. KG“ wieder einen ausgezeichneten Artikel über dubiose Geschäftspraktiken im Kunstbetrieb geschrieben. Ein weiterer sehr guter Artikel stammt von dem Philosophen Byung-Chul Han, Titel „Transparent ist nur das Tote“ – darin geht es um die Gefahren, die eine völlige Transparenz in der Gesellschaft bringen kann. Ein hochinteressantes Interview mit ihm zum gleichen Thema las ich vor längerer Zeit in der brand eins. Überraschend interessant ist übrigens auch das Interview mit Daniel Craig, ganz ohne Pathos und Heldenpose.

So, meine Lieben, das waren meine Highlights. Ich hoffe, für euch ist etwas dabei. Den Rest des Tages werde ich gemütlich verbringen und mich an unseren neuen Bücherregalen erfreuen : ) Euch noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 34

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    der Artikel von dem Philosophen Byung-Chul Han „Transparent ist nur das Tote“ hat mich absolut angesprochen! Auch wenn man ihn mehrmals liest, gibt es immer wieder neue Aspekte, denen man näher auf den Grund gehen möchte, zu entdecken. Hochinteressant. In diesen knappen Sätzen sehr eindrücklich. Wenn sein Buch erscheint (am Ende des Artikels wird es erwähnt), werde ich es sicher lesen.
    Vielen Dank für den Hinweis, und noch viel Spaß und Lust an den neuen Bücherregalen …
    mb

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