Leseplätzchen, Folge 18

Heute sind wir zu Gast bei der Autorin Mila Lippke. Durch ein Interview auf Adas Blog wurde ich auf sie und ihr Blog Seitenspinnerinnen aufmerksam, das sie gemeinsam mit drei weiteren Autorinnen (Beate Sauer, Ulrike Rudolph und Brigitte Glaser) führt. Ein Blog, das mich vom ersten Besuch an sehr angesprochen hat. Es finden sich dort Beiträge der vier Autorinnen über ihre Schreiborte, zu Gedanken über das Schreiben (wo, wie etc.), über Bücher, Bücherorte und ihre Bibliotheken. Und mir war sofort klar: Diese Frauen möchte ich zu gern bei den Leseplätzchen vorstellen! Erfreulicherweise sind sie einverstanden und Mila macht den Anfang mit ihren Leseplätzchen und ihren Gedanken dazu.

„Meine Leseplätze sind in Arbeits-Leseplätze, Vergnügens-Leseplätze und Vorleseplätze unterteilt. Zu jedem Leseplatz gehört übrigens ein eigenes Getränk, so fülle ich Kopf und Magen. Wenn ich die Manuskripte meiner Romane lese (auf Papier, das gibt mir einen besseren Überblick auf den Text) oder mich zwecks Recherche für das neue Buchprojekt in Sekundärliteratur vertiefe, dann möchte ich bequem sitzen. Dennoch muss eine gewisse Aufrichtigkeit zwecks Konzentrationsfähigkeit gewährleistet sein. Am Besten funktioniert in dieser Beziehung mein Sofa. Das geht allerdings nur, wenn ich allein zu Hause bin. Sollten meine Kinder anwesend sein, wird das Sofa ganz schnell zum Vorleseplatz umgewandelt. ‚Mamaaaa, liest du mir das vor…‘

Michel aus Lönneberga, Großvater und die Wölfe und Schlumpfcomics lese ich jedoch vornehmlich auf der Küchenbank vor. Morgens ist das wahnsinnig gemütlich. Aber nur, wenn ich Kaffee intus habe. Der gehört unbedingt dazu. Das ist am Wochenende wie ein Ritual: Kaffee mahlen und kochen, Milch aufschäumen, links und rechts eingekuschelt schlürfen und lesen…“

Ein bunter, heiterer Ort zum Vorlesen – Milas Leseplätzchen für „Küchenlesungen“.

„Bücher gehören bei mir definitiv zu den Nahrungsmitteln.
Zudem findet man sie überall in der Wohnung, gerne auch mal an unerwarteten Orten wie unter dem Waschbecken oder in der Schuhkiste.“

Einer von Milas Bücherstapeln

„Für das Vergnügungslesen bleibt meistens nur der Abend. Wobei ich in intensiven Schreibzeiten zu dieser Zeit von der Konzentration her nicht mehr lesen kann. An solchen Abenden müssen ein Film und eine Handarbeit zur Ablenkung her, um meinen Kopf endlich von all den Buchstaben frei zu kriegen.“

Mila beim Lesen an ihrem Arbeits-Leseplätzchen

„Lesen zur Entspannung läuft am Besten, wenn ich tagsüber fürs Fernsehen arbeite. Offenbar brauche ich das Kontrastprogramm. Am Gemütlichsten ist es definitiv im Bett. Da lese ich mich kreuz und quer durch die Bücherwelt, eingemummelt in meine Decke und neben mir ein heißer Orangensaft mit frischem Ingwer und einem Hauch von Zimt (die Mischung bringt mich gesund über den Winter). Auf der Fensterbank in meinem Schlafzimmer tummeln sich lauter Bücher, die noch gelesen werden wollen. Manche setzen langsam Staub an, andere verweilen nicht besonders lange da. Je nach Leselaune. Auf der Kommode lagere ich meine innig geliebten Penguin-Bücher, bis ich eines schönen Tages auf einem Flohmarkt eine passende Vitrine oder ein besonders verschnörkeltes Regal dafür finde.

Früher gab’s noch das Urlaubslesen. Das war das Allerschönste – zusammen mit dem Weihnachtslesen (Kakao & Lebkuchen). Zwar packe ich mir noch immer den Koffer mit Büchern voll, wenn ich wegfahre, doch meistens schaffe ich nicht mal ansatzweise das, was ich damals, in den lesefreundlicheren Jahren ohne Anhang bei einem kalten Bier weggelesen habe.“

Vielen Dank, liebe Mila, für die schönen Einblicke in deine Lesewelten!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Leseplätzchen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu Leseplätzchen, Folge 18

  1. kreadiv schreibt:

    Was für ein herrlicher Artikel mit der Beschreibung der verschiedenen Leseleidenschaften und -plätze, auch die Bilder sind ganz entzückend, das Bunte tut grad unheimlich gut! Ich mache mir jetzt einen Milchkaffee 🙂

  2. Penelope schreibt:

    Sehr inspirierend, diese verschiedenen Plätzchen. So ein buntes Sofa in der Küche ist was ganz Feines & meine Lieblingscaffetiere auf dem Tisch auch & die Patchworkdecke auch & alles andere gefällt mir auch: besonders die Filme & die Handarbeiten zum Leseausgleich *~*

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Das ist ja toll! Häkeln kann ich ganz gut, gibt es dazu irgendwo eine Anleitung. liebe Mila? Im Winter bekomme ich nämlich manchmal Handartbeitsflashs ; )

  4. haushundhirschblog schreibt:

    Die verschiedenen Leseplätze und die entsprechenden Zutaten (Kaffee, Heiße Orange mit Ingwer, aufrechtes Sitzen etc.) sind so schön beschrieben, dass wir am liebsten gleich selbst zu einem Buch greifen und lesen und heißen Orangensaft … aber wir haben derzeit kein Zimt im Haus. Deshalb schreiben wir einfach einen Kommentar und beneiden Mila um diese wunderbar bunte Wolldecke … sicher auch selbstgemacht. Wir zwinkern der coolen pinken Katze zu, die auf die Bücher aufpasst und denken an die eigene, selbstgehäkelte im Handarbeitsunterricht, die mit einem Wasserkopf und Stummelschwanz zur Welt kam. 😉

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich glaube, ich muss mal ein Häkelspecial bringen, die Puzzle hatte doch auch mal so ein Baumumhäkelungsdings angeregt – wer weiß, vielleicht entstehen da noch bei uns die unglaublichsten Gebilde : )

      • Mila schreibt:

        Beim Häkelspecial bin ich unbedingt dabei! Ihr kennt ja noch nicht meine gehäkelten Weihnachtsbaumtiere, mein Einhorn, das Mammut… Mein Gott, ich hätte nicht gedacht, dass meine – mir manchmal etwas peinliche – Leidenschaft hier auf so viele Mit-Leidende trifft.

  5. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Oh, Mila, du bringst mich auf immer ernsthaftere Ideen in dieser Richtung : ) Ich muss mal eruieren, was die anderen so fabrizieren, vielleicht lässt sich daraus wirklich was machen : )

  6. Penelope schreibt:

    Uiiih – ich bin natürlich dabei! *~*

  7. Klappentexterin schreibt:

    Was für ein schöner Satz: „Bücher gehören bei mir definitiv zu den Nahrungsmitteln.“ Da purzelt gleich ein glückliches Lächeln aus meinem Mund. Ein wunderbarer Beitrag ist das geworden! Ich freue mich, dass ich deine Bücher jetzt an anderen Stellen entdecken konnte, liebe Mila. Und die kleine Katze hab ich sehr ins Herz geschlossen. *Zwinkerzwinker*

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Diesen Satz fand ich auch ganz herrlich : ) Und ich sehe das auch genauso. Um mich mal selbst zu zitieren: „Es gibt unter ihnen die Grundnahrungsmittel für den Kopf, dann die Snacks, die sich fix weglesen lassen, besondere Köstlichkeiten, die man ausführlich genießen möchte, rustikale Braten, sahnige Törtchen oder mehrgängige Menüs.“ (Ganz weit weg)

  8. Klappentexterin schreibt:

    Liebe Petra, wo ist bei deinem Kommentar der „Gefällt mir“ Button? : )

  9. Pingback: Leseplätzchen, Folge 19 | Philea's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s