Zeitungsfrühstück, Folge 35

Willkommen zum Zeitungsfrühstück, meine Lieben! Hier wieder mein kommentiertes Best of aus Zeitmagazin, Reisen und Feuilleton:

Foto: (c) Gerda Kazakou

Harald Martenstein schreibt in seiner Kolumne im Zeitmagazin diesmal über gängige Praktiken in Journalistenkreisen, die sich auch auf andere (Bereiche, Personen) übertragen lassen. Es ist in der Tat erstaunlich, wie viele Menschen davon auszugehen scheinen, dass andere Menschen besser sein sollten als sie selbst. Ob man allerdings Tugend, nur weil man „in den meisten Fällen gar nichts davon“ hat, generell in Frage stellen soll, kann man wiederum in Frage stellen.

Im Reiseteil findet sich aus aktuellem Anlass allerley zu Schifffahrt und Kapitänstugenden. Dazu befragt beispielsweise Karin Ceballos Betancur in „Eine Frage des Charakters“ einen „alter Seebär“, der zum Glück nie gezwungen war, seine Ideale in Seenot unter Beweis zu stellen. Grau ist alle Theorie. Interessant ist das Gespräch mit dem Umweltschützer Mario Tozzi zu den ökologischen Folgen. Besonders gut gefiel mir der Beitrag „Wer von Bord geht“ von Jens Jessen, der auf die auffallende literarische Parallele zu Lord Jim von Joseph Conrad hinweist.

Das Feuilleton quillt diesmal über vor interessanten Artikeln, leider sind noch nicht alle online. Daher beschränke ich mich auf diejenigen, für die ich euch auch einen Link liefern kann. Da ist zunächst „Immer vorwärts, lebt weiter!“ von Peter Kümmel über Alexander Sokurows Film „Faust“ sowie ein Interview mit dem Regisseur.

Sehr interessant ist Maximilian Probsts Beitrag „Die neue Härte“ über die „Spiegel-Bestsellerliste“, auf die fürderhin nur noch Hardcover-Bände dürfen. Der Bestsellerlisten Sinn oder Unsinn ist als Thema ja ein weites Feld, sind sie Segen oder Fluch? Ob allerdings eine „Verflachung“ durch diese Maßnahme abzuwenden ist – nun, auch flache, oder sagen wir lieber: rein unterhaltende Werke kommen als Hardcover auf den Markt. Wenn allzu viele Vampirbisse, Krimis oder Jugendbücher die Bestsellerliste füllen, wäre es überlegenswert, differenzierte Listen nach Genres zu erstellen, statt unterteilt in Hardcover oder Taschenbuch. Damit würde man den Liebhaberinnen und Liebhabern bestimmter Genres die für sie eventuell interessanten Novitäten auf einen Blick präsentieren. Aber ich fürchte, es geht bei Bestsellerlisten gar nicht so sehr um die Leserinnen und Leser als um Werbung für die Verlage.

Im Interview mit Harald Welzer wird eine neue Stiftung vorgestellt: Futurzwei (ab Februar auch online zu erreichen). Dazu werden Geschichten gesammelt von Menschen, die nicht einfach nur über den Weltzustand jammern, sondern im Kleinen Dinge angehen und ihre Welt damit ein klein bisschen verändern. Beispielsweise Designerinnen, die neue Kleider aus alten machen oder Guerilla-Gärtner. Gute Idee!

Außerdem gibt es mehrere interessante Buch-Tipps und einen guten Artikel über Gursky. Dazu müsstet ihr euch allerdings auf den Weg zum nächsten Kiosk machen und die Print-Ausgabe der Zeit besorgen : ) Euch noch einen schönen Sonntag, meine Lieben!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 35

  1. Cadann schreibt:

    Wie immer: Danke fuers Vor-Lesen!

  2. Bücherliebhaberin schreibt:

    Sowohl deiner als auch Maximilian Probsts Beitrag „Die neue Härte“ sind sehr interessant. Vielen Dank! Über dieses Thema könnte man fast einen eigenen Blog führen 😉

  3. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    vielen Dank, auch heute wieder, für Dein kommentiertes Best of … !!
    Zu Bestsellerlisten ließe sich so VIELES sagen, das den Rahmen hier sprengen würde. Wenn es aber etwas gibt, an dem wir uns nicht orientieren, dann waren und sind es diese. Danke Dir …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke euch, ihr Lieben! Vielleicht sind Bestsellerlisten hilfreicher für Leute, die nicht so oft lesen und mehr Orientierung brauchen als wir, die wir uns unsere Wege am liebsten selbst bahnen : )

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