Dorothy Parker, New Yorks bissige Königin

Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber lautet der Titel der Biographie von Michaela Karl über Dorothy Parker, die ich besonders allen Freundinnen und Freunden des bissigen Wortwitzes empfehlen kann. Aufmerksam wurde ich auf die Biographie über einen Beitrag im Freitagssalon von Penelope.

Von Dorothy Parker kannte ich bislang einige Gedichte und Kurzgeschichten und las vor einiger Zeit die Vierer-Biographie Bobbed Hair and Bathtub Gin. Writers Running Wild in the Twenties (zu finden im Salon) von Marion Meade, der bekannten Dorothy-Parker-Biographin. Und natürlich diesen unschlagbaren Spruch:

I like to have a martini,
Two at the very most.
After three I’m under the table,
after four I’m under my host. [Quelle des Zitats: http://womenshistory.about.com/od/quotes/a/dorothy_parker.htm]

Michaela Karl zeigt in ihrer Biographie keineswegs nur die strahlende Seite der geistreichen, witzigen, erfolgreichen Dorothy Parker, Mitglied der legendären Tafelrunde im New Yorker Hotel Algonquin. Wir erfahren von unglücklichen Ehen, von Suff und vom Scheitern (nie schrieb sie den großen Roman oder ein Drama, wie sie hoffte), von Selbstzweifeln, Selbstmordversuchen und Geldnöten. Dorothy Parker beherrschte nicht nur meisterlich ihre Zunge, sondern auch die Kunst des Schnorrens. Sie konnte warmherzig und liebenswürdig sein – und im Umdrehen eine vernichtende Bemerkung machen. Übrigens nicht nur über Menschen, die ihr wenig bedeuteten, es konnte auch gute Freunde oder ihre Ehemänner treffen. Und obwohl Dorothy Parker sicher nicht unkompliziert war und ihr Leben voller tragischer Ereignisse, liest sich die Biographie wegen der vielen eingestreuten bissigen Zitate leicht und vergnüglich. Ein schöner Einstieg.

Für die weitere Lektüre empfehle ich The Portable Dorothy Parker, herausgegeben von Marion Meade mit Kurzgeschichten, Gedichten, Briefen und Artikeln. Das Buch ist ziemlich umfänglich, so richtig „portable“ also eigentlich nicht. Aber es bietet einen sehr guten Überblick über Dorothy Parkers Schreiben.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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11 Antworten zu Dorothy Parker, New Yorks bissige Königin

  1. kreadiv schreibt:

    Vielen Dank für den Tipp!
    Hört sich sehr vielversprechend an! Ich werde vielleicht erstmal mit „Du warst ganz prima: New Yorker Geschichten“ einsteigen.
    Liebe Grüße
    Andrea

  2. Marcus schreibt:

    Hier lohnt sich der Kauf der E-Book-Version mal wirklich – sie kostet nur etwa die Hälfte (12,99) der Hardcover-Ausgabe (24,90):
    epub: http://tinyurl.com/7beh8kv
    Kindle: http://tinyurl.com/847t6e8

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Super, danke für den Hinweis, lieber Marcus! Es gibt ja inzwischen immer mehr Reader Reader/User, für die das bestimmt interessant ist. Ich hab mein Exemplar 2nd Hand erworben, da war der Griff ins Portemonnaie auch nicht mehr ganz so tief.

  3. maragiese schreibt:

    Danke für die tolle Vorstellung und den Tipp „The Portable Dorothy Parker“ zu lesen. Ich denke, dass ich dies beherzigen werde … auch die Biographie steht schon länger auf der Wunschliste, ich hoffe noch auf die Taschenbuchausgabe!
    Ich habe vor einigen Jahren „New Yorker Geschichten“ gelesen, die mich sehr beeindruckt haben. Dorothy Parker scheint ein sehr interessantes, wenn auch doch trauriges Leben gelebt zu haben.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Die portable Dorothy ist wirklich zu empfehlen, ein richtiger Rundumblick, eben weil auch Artikel und Briefe enthalten sind. Und wer gern auf Englisch liest, ist damit wirklich gut beraten. Der Preis ist – im Blick auf den Wälzer – vollkommen in Ordnung.
      Erstaunlich (weil meist nicht präsent) finde ich, dass auch und gerade die Menschen, mit denen wir geistreichen Witz verbinden, eben Dorothy Parker oder auch Oscar Wilde, in ihrem Leben durchaus nicht nur auf der Sonnenseite standen, sondern ebenso ihre tieftraurigen bis tragischen Erfahrungen machen mussten. Das Kratzen an diesen Oberflächen macht für mich Biographien so interessant.

  4. Cadann schreibt:

    „Resume
    Razors pain you
    Rivers are damp
    Acids stain you
    And drugs cause cramp.
    Guns aren’t lawful
    Nooses give
    Gas smells awful
    You might as well live.“

    Ich mochte Dorothy Parker von Jugend an, die Rasierklingenscharfe 😉 wegen ihrer Rasierklingenschärfe. Da ich meine „Lieblinge“ von ihr schon entdeckt zu haben glaube, werde ich mir kein weiteres Buch mehr zulegen, wohl aber wieder in ihre Gedichte eintauchen. Das Traurige (bis Tragische) erträgt sich deutlich leichter, wenn man es in einem Gedicht servieren kann oder serviert bekommt ;-). Am besten: Noch jemanden darin abzuservieren.

    Mitgenommen in der Jugend und im Alter weiter beherzigt noch ein tolles von ihr:

    „Indian Summer
    In youth, it was a way I had
    To do my best to please,
    And change, with every passing lad,
    To suit his theories.

    But now I know the things I know,
    And do the things I do;
    And if you do not like me so,
    To hell, my love, with you!“

  5. puzzle schreibt:

    Wer dann noch nicht genug hat, kann sich ja noch einen Dorothy-Parker- Kriminalroman auf den Nachttisch legen, nicht von ihr geschrieben, sondern von George Baxt, der sie zur charaktervoll beschriebenen Hauptperson darin gemacht hat: „Mordfall für Dorothy Parker“.

  6. Pingback: Dorothy Parker ermittelt | Philea's Blog

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