Zeitungsfrühstück, Folge 38

Guten Morgen, meine Lieben, und willkommen beim Zeitungsfrühstück, meinem kommentierten Best of aus Zeitmagazin, Reisen und Feuilleton.

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Harald Martenstein regt sich in seiner Kolumne im Zeitmagazin über die „Erregungsbereitschaft“ auf, über die Superlative, mit der (übrigens nicht nur) Sternchen am Pophimmel, kaum dass sie aufglimmen, beschrieben werden. Keineswegs eine neue Erscheinung, die letztlich die Beschriebenen eher banalisiert als sie über alle anderen zu erheben. Da alle anderen eben auch schon mit allerley Superlativen beworben wurden. Der häufigste Superlativ für besonders große Münder scheint übrigens der bildhafte Ausdruck „Schlauchbootlippen“ zu sein. Ansonsten gibt es relativ überraschungsfreie 99 Antworten von Diane Kruger sowie mancherley Berlinale-Beiträge, z. B. über den Kulissenbauer Robert Krüger oder die „Kantine der Berlinale“.

Im Reiseteil, leider noch nicht online, findet sich ein interessanter Beitrag über den „weißen Karneval“ auf La Palma sowie ein Zürich-Special, ebenfalls nicht online. Falls ihr in nächster Zeit einen Besuch in Zürich plant, lohnt sich vielleicht für euch der Kauf der Zeit – oder das Warten darauf, dass der City Guide zu Zürich online geht.

Das Feuilleton beginnt mit einem interessanten Beitrag von Iris Radisch über den Schriftsteller Péter Nádas, der 18 Jahre an einem Buch geschrieben hat. Das Buch selbst, Parallelgeschichten, klingt lesenswert: Seine Sprache sei „von makelloser Gewandtheit“, seine Geschichten haben zwar keine typische Struktur – eben Parallelgeschichten – nicht unbedingt Höhepunkte und Auflösung, aber, wie Iris Radisch treffend formuliert, ist es ja nicht unbedingt die „Aufgabe der Literatur: eine Handvoll der unendlich vielen Sandkörner des Lebens in Förmchen abzufüllen, diese zu glätten und mit einer Pointe verziert wieder auf dem Sandberg abzuladen“. Auch sehr interessant klingt das neue Buch von Christian Kracht, Imperium. Leider ist die Rezension von Adam Soboczynski, „Seine reifste Frucht“, noch nicht online. Weit weniger positiv, aber dafür online, ist die Rezension zu Imperium von Andreas Fanizadeh in der taz. Offenbar fand der Rezensent Faserland wesentlich besser, ein Roman, der mir wiederum nur mäßig zusagte, Imperium klingt mir interessanter. De gustibus et coloribus … am besten selbst lesen und eine eigene Meinung bilden ; ) Gut gefiel mir auch der Beitrag über den Maler Gerhard Richter von Hanno Rauterberg – und online ist er auch – hurra. Sonntags ist man beim Stöbern nach Online-Artikeln der aktuellen Zeit doch erfolgreicher.

So, meine Lieben, ich hoffe, es war dennoch etwas für euch dabei. Euch noch ein wunderschönes Wochenende!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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17 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 38

  1. maragiese schreibt:

    Danke für diese tolle Zusammenfassung!
    Ich habe mir „Die Zeit“ gestern extra aufgrund des umfangreichen Artikels von Iris Radisch über den Roman von Peter Nadas gekauft und ihn begeistert gelesen. Trotz des Umfangs von nahezu 1800 Seiten spricht mich „Parallelgeschichten“ sehr an und – so wie ich mich kenne – werde ich es mir wahrscheinlich auf jeden Fall kaufen müssen (auf meinem Blog drüber berichten …).

    P.S.: Von Christian Kracht werde ich nach „Ich werde hier sein …“ sicherlich so bald kein weiteres Buch mehr in die Hand nehmen … 😉

  2. muetzenfalterin schreibt:

    Den Artikel über Peter Nádas und sein endlich fertig gestelltes Buch, habe ich verschlungen. Ich mag es sehr, dass Frau Radisch ihn gegen alberne Vorwürfe verteidigt, ohne selbst ganz unkritisch auf sein Werk zu blicken. Vor zwei Jahren hatte ich das große Glück, Herrn Nádas persönlich aus diesem Monumentalwerk lesen zu hören, er ist ein ungeheuer charismatischer Mann.
    Ich mag dieses Angebot von Dir, sich ein wenig über das Zeitungslesen zu unterhalten, das wollte ich schon immer mal loswerden 😉

    • maragiese schreibt:

      Liebe muetzenfalterin,

      ach, ich freue mich, dass ich mit meiner Begeisterung über den Artikel von Iris Radisch nicht aleine dastehe und ich beneide dich, dass du ihn live sehen und erleben durftest. Planst du auch das Buch zu lesen?
      Wie ich schon schrieb, möchte ich gerne, aber irgendwie flösst mir dieses umfangreiche Werk auch sehr viel Angst und Respekt ein …

      Liebe Grüße
      Mara

  3. Penelope schreibt:

    „Kantine der Berlinale“ gefällt mir besonders gut *~*

  4. Cadann schreibt:

    Vielen Dank, as usual, für Deine Mühe und Vorlese! Auf Krachts Roman bin ich sehr gespannt- ob er den „Hype“ rechtfertigt, oder nicht. Finde die „Popliteraten“ inzwischen sehr überschätzt; beeindruckt haben sie mich zum Zeitpunkt ihres Erscheinens allerdings schon. Von Nádas kenne ich leider noch gar nichts…Das von Dir herausgepickte Radisch-Zitat über die (Nicht)Aufgabe von Literatur finde ich toll- danke auch dafür. Gehe jetzt weiterbuddeln, aber ohne Förmchen.

  5. Bücherliebhaberin schreibt:

    Herr Nádas steht auch auf meiner Liste. Er wird bald in Frankfurt lesen und da werd ich mir ein Urteil bilden, ob ich sein neues Buch kaufe oder nicht. Auf jeden Fall klingt es sehr interessant und ich habe bis jetzt auch nur Gutes gelesen. Aber wie ich sehe, bin ich nicht allein mit meinen Absichten. Danke für den Hinweis.

  6. haushundhirschblog schreibt:

    Vielen Dank, liebe Petra, vor allem für den Hinweis auf den Artikel von Iris Radisch zu Péter Nádas! Frau Radisch hören und lesen wir schon lange recht gerne, diesmal ist es wieder so! Auf das Buch freuen wir uns gespannt, und auch darüber, dass maragiese vermutlich einen Artikel dazu auf ihrem Blog schreiben wird.
    Liebe Grüße
    mb & dm

    • maragiese schreibt:

      Ja, das werde ich sehr gerne tun … auch wenn das bei einem Umfang von 1800 Seiten wahrscheinlich einige Zeit dauern wird!

      Ich freue mich schon auf deinen Bericht und deine Eindrücke von der Lesung, liebe Bücherliebhaberin! Ich beneide dich, dass Peter Nadas in deine Stadt kommen wird und wünsche dir viel Spaß … 🙂

  7. Johannes schreibt:

    Ein anderer Blick auf die ZEIT und die hier viel zitierte Frau Radisch:
    http://www.titanic-magazin.de/badl.html?&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=radisch
    http://www.zeit.de/2012/01/L-Rueckblick-Radisch

    Petra, ich war gespannt, ob Du diesen Artikel auch beschreibst. Vielleicht aus einem ganz anderen Winkel… oder genauso?

  8. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Hallo, ihr Lieben & danke für eure vielen tollen Kommentare! Ich bin beeindruckt, dass ihr alle den Nádas schon kennt. Ich bin erst durch den Artikel auf ihn aufmerksam geworden und nun auch gespannt, wie Mara das Buch findet. Mein Stapel Ungelesenes enthält noch so einige Bücher, die ich demnächst lesen will, deswegen warte ich noch ein bisschen, bis ich mir das „next big thing“ kaufe. Hihi, ein Buchhändler fürchtete heute schon, das könnte so ein Wälzer sein, der dann jahrelang im Regal steht, zusammen mit „Ulysses“ und „Der Mann ohne Eigenschaften“, bis man ihn sich wirklich vornimmt. Den Kracht mit seinen übersichtlichen unter 300 Seiten könnte man allerdings zwischendurch „einschieben“.

  9. wortmeer schreibt:

    Liebe Petra, auch von mir noch ein Dankeschön für die immer tolle zeitungslese. Mein Highlight: der Artikel über Gerhard Richter. Ich hoffe, dass ich es in die ausstellung schaffe. Der andrang ist jetzt schon sehr groß. Herzliche Sonntagsgrüsse, doreen

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Kann ich mir vorstellen, liebe Doreen, also das mit dem Andrang. Bestimmt lohnt sich die Ausstellung. Im Frieder-Burda-Museum in Baden-Baden habe ich mal einige seiner Werke „in echt“ gesehen – hat mir sehr gut gefallen! Viel Spaß wünsche ich dir schon jetzt bei deinem Ausstellungsbesuch!

  10. erinnye schreibt:

    Ich fand Deinen Link zur taz-Rezension von „Imperium“, die ja relativ vernichtend ausfällt, sehr interessant. Zumal sich die FAS von heute auf einer Doppelseite sowohl mit dem Buch von Christian Kracht als auch mit der historischen Figur August Engelhardt befasst. Die Rezensentin Julia Encke findet überwiegend positive Worte für das Werk. Man wird wohl nicht umhinkönnen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Thematik finde ich jedenfalls schon einmal interessant.

  11. Philipp Elph schreibt:

    Blog und Zeitungsfrühstücke sind mir ein „Find-ich-gut“ wert!
    Und wenn es um Bücher geht:
    In jeder ersten ZEIT-Ausgabe eines Monats gibt es eine Übersicht über die „10 besten Krimis des Monats“.
    Nun sind
    – Krimis nicht jedermanns Sache
    und
    – Bestenlisten schon gar nicht.
    Was ich aber hier (als Krimifan) schätze:
    Die Liste wird von kompetenten Kennern des Genres zusammengestellt.
    Kenner, die weitgehend über Krimis abseits des Mainstreams ohne die von Martenstein beschriebene Erregungsbereitschaft urteilen, vorstellen und rezensieren.

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