Sehenswerte Sammlerwelten

Jüngst erwarb ich zur Abwechslung mal wieder ein schönes „Bilderbuch“, nämlich Sammlerwelten von Caroline Clifton-Mogg mit vielen Fotos von Simon Upton, das ich euch gern vorstellen und empfehlen möchte.

Ich glaube, dass in den meisten von uns eine Sammlerin bzw. ein Sammler steckt: Bücher, Briefmarken, Streichholzschachteln, Tierfiguren (beispielsweise Eulen), Vasen, Fossilien, Sammeltassen, Blechdosen, Briefbeschwerer – es lässt sich alles Mögliche sammeln. Und wer sammelt, hat häufig gleich mehrere Interessengebiete, auf die sich die Sammelleidenschaft erstreckt. Die Lust am Sammeln beginnt bei vielen bereits in der Kindheit. Vielleicht habt ihr selbst am Strand Muscheln aufgelesen? Oder waren Actionfiguren und Fußballbildchen eher euer Ding? Möglicherweise hattet ihr sogar eine Blechdose oder Holzkiste, die ihr mit euren Schätzen gefüllt habt? Und beim Älterwerden findet man plötzlich hier und da Dinge, die einen besonders faszinieren, von denen man gern mehr hätte, über die man gern mehr wüsste – das könnte der Beginn einer Sammelleidenschaft sein. „Sammeln ist ansteckend, und wer einmal infiziert ist, kann auf Heilung nicht hoffen“, diagnostiziert Caroline Clifton-Mogg (Sammlerwelten, S. 9).

Die Autorin teilt die Sammler resp. ihre Sammlungen in neun Kategorien ein: Antikenliebhaber, Entdecker, Erben, Perfektionisten, Naturkundler, Funktionalisten, Enthusiasten, Innenarchitekten und Miniaturisten. Entlang dieser Klassifizierung stellt sie verschiedene Sammler und ihre Sammlungen vor. Das gewährt außerdem immer einen Blick in die Räume, in denen die Sammelobjekte arrangiert und präsentiert werden. Und sorgt für interessante Abfolgen: Auf die Strenge und Funktionalität des Gropius-Hauses in Lincoln, Massachusetts, folgt die Fülle des Regencyhauses einer Antiquitätenhändlerin in Edinburgh. Sie – und weitere Sammler, die „Naturkundler“ – kann sich unter anderem auch für Präparate begeistern, was mir, als Tochter eines Präparators, sehr gefällt.

Die Funktionalisten können sich, außer für Küchengerat und derley,  auch für höchst ungewöhnliche Dinge begeistern, etwa für einen Kuhstallboden oder einen alten Heizkörper, die an die Wand montiert wurden. Beide wirken durch diese Art der Präsentation nicht länger wie das, was sie sind, sondern eher wie ein Kunstobjekt.

Bei den Büchersammlern gibt es zwei Kapricen, deren Auswirkungen ich zwar für sich genommen hübsch finde, aber selbst nie umsetzen würde: Dekorative Bücherstapel auf dem Boden verteilen (müssen diese Leute nie putzen?) oder Bücher nach der Farbe ihrer Einbände sortieren (ich würde nur mit Mühe finden, was ich suche).

Allzu tiefschürfende Einsichten in die Psychologie der Sammlerinnen und Sammler darf man von dem Buch zwar nicht erwarten, dafür aber gibt es jede Menge herrliche Fotos von hochinteressanten, wunderschönen oder skurrilen Sammlungen. Mir gefällt’s!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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16 Antworten zu Sehenswerte Sammlerwelten

  1. Mila schreibt:

    Bücher in Stapeln sind ja genau mein Sammlungs-Prinzip, liebe Petra. Und Putzen ist völlig überbewertet…
    Was mir bei Sammlung einfällt, weil du erwähntest, die Tochter eines Tierpräparators zu sein (von dem dann wohl der abgebildete Hansi stammt, oder?): Mein Onkel war Flohmarkthändler in Brüssel und deshalb zumindest immer vorübergehend im Besitz von der seltsamsten Gegenstände. Ein Objekt (das noch immer im Wohnzimmer meiner Tante steht) war ein Schaukasten mit einer präparierten Ente – samt Schilfrohr usw. Ich fand’s so gruselig-faszinierend… LG Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Schön sieht das ja aus, liebe Mila, mit den Stapeln. Aber staubt das nicht ordentlich ein? Zum Thema Putzen: Neulich sahen wir einen Film über Quentin Crisp, der in seiner Wohnung seit 30 Jahren nicht geputzt hat. Dazu meinte er sinngemäß: „Gute Nachricht für alle Hausfrauen, nach vier Jahren wird es nicht schlimmer“ ; )
      Ich glaube, heutzutage sind für viele Leute präparierte Tiere etwas, hm, schräg. Aber noch schräger finde ich eigentlich präparierte Menschen (z. B. „Körperwelten“), das scheint aber wiederum den Wenigsten merkwürdig vorzukommen – it’s a strange world we live in.

  2. Lakritze schreibt:

    Der Wellensittich, der die Seite mit den Präparaten betrachtet — fliegt der noch?

  3. Lakritze schreibt:

    Das dachte ich mir fast. .)
    Hier übrigens die ultimative Anlaufstelle für Sammler und solche, die es niemals sein wollten …

  4. custoditrix schreibt:

    Die Gerstenberg-Bücher sind nutzlos.. habe z. B. eines über irische Herrenhäuser… das braucht man absolut gar nicht.. aber schön sind sie.. und voller SAMMLUNGEN.
    Da wir alle mal dahinscheiden, sind solche Sammlungen wie vergängliches Aufbegehren gegen diese Tatsache.. und mit einer gewissen Traurigkeit, vielleich sogar einem Schmerz verbunden: definitiv werden die meisten Sammlungen nach uns aufgelöst…. und irgendwo anders neu komponiert zu werden, wenn es hochkommt, selten bleiben sie oder werden fortgeführt.. so sind sie auch in dieser Negativität eine ständige Mitteilung: alles verschwindet.

    • haushundhirschblog schreibt:

      … außer man hebt es auf und „sammelt“ es vielleicht!

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Ich mag solche eigentlich nutzlosen Bücher gern, weil sie einfach so schön anzuschauen sind. Das ist ja auch was. Was das Sammeln angeht, dazu hatte ich mir in „Ganz weit weg“ auch ein paar Gedanken gemacht (7. Kapitel Erinnerung, sprich. Souvenirs), weil’s gerade so gut passt: „Alle Erinnerungsstücke werden Teil einer Sammlung und jede Sammlung ist Teil des Lebens ihres Besitzers. Etwas aus diesem Leben soll bleiben, sichtbar sein, zeigen, dass wir da sind, da waren. Deshalb ist es schade, wenn nach dem Tode große Sammlungen in Auktionen unter den Hammer kommen oder sich sonstwie, beispielsweise bei banaleren Sammlungen durch Flohmärkte, in alle Welt zerstreuen. Allerdings gibt dies wiederum anderen die Gelegenheit, ihre eigene Sammlung zu ergänzen. Ich bin mir nicht sicher, welche Vorstellung mir besser gefällt: Die, dass andere sich nach dem Tod an Einzelstücken einer Sammlung erfreuen, oder dass eine Sammlung erhalten bleibt, weil sie von einem Museum oder einem Archiv aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.“

  5. custoditrix schreibt:

    wobei ich noch mein Wohlgefühl gegenüber dem kleinen grünen Flattermann ausdrücken will, .. sehr dekorative Sitzhaltung… so hoch auf Stange über Buch.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, ich mag ihn auch sehr, er sieht wirklich aus, als würde er gleich die Flügel spreizen oder ein bisschen auf dem Ast hin- und hertippeln, sehr lebendig. Gute Präparatoren sind wirklich Künstler. Ich habe noch ein Pärchen „Unzertrennliche“, das war eine der ersten Arbeiten meines Vaters, natürlich schon sehr alt, aber ich würde die nie hergeben wollen. Seine „großen Sachen“ sind noch heute in den Landessammlungen für Naturkunde in Karlsruhe zu sehen. Als Kind war ich da ständig, ich glaube, ich muss mal wieder hin : )

  6. buechermaniac schreibt:

    Bücherstapel am Boden geht ja noch, aber die Totenköpfe im Hintergrund – gruselig

    Wir haben einen Sammler nebenan, wo die Sammelleidenschaft wilde Blüten treibt. Eisenbahn-Material, wo das Auge in der Garage hinschaut. Es wird gesammelt, restauriert, gekauft und verkauft. Eine solche Sammelwut ginge mir dann definitiv zu weit.
    LG
    buechermaniac

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