Der schwarze Hund

Gerade las ich das Buch Mr. Chartwell von Rebecca Hunt zu Ende. Ein erstaunlich leichthändig geschriebener und amüsanter Roman, bedenkt man, dass es darin um Depressionen geht.

 

Winston Churchill, der unter Depressionen litt, nannte sie „schwarzer Hund“. Und ein solcher – riesig, stinkend, rüpelhaft, aber auch gelegentlich charmant, witzig, auf zwei Beinen laufend und sprechend – namens Mr. Chartwell (nach dem Familiensitz Churchills in Kent) bewirbt sich als Mieter bei der Bibliothekarin Esther. Sie will das Arbeitszimmer ihres geliebten Mannes, den sie vor zwei Jahren verlor, vermieten. Obwohl sie keineswegs von Mr. Chartwells Geruch oder seinen Manieren angetan ist, akzeptiert sie ihn schließlich als neuen Mieter. Auch weil er ihr die gewaltige Summe von 1000 Pfund zahlen will. Der zweite Erzählstrang (das Buch spielt 1964) handelt von Churchill, der kurz vor seinem endgültigen Rückzug aus der Politik steht. Mr. Chartwell – oder Black Pat, wie Esther ihn nennt – ist Churchills lebenslanger Begleiter. Man kann ihn nicht loswerden, er kommt, bleibt, nervt, drückt nieder und macht einem das Leben schwer. Esther nähert sich derweil dem neuen Bibliothekar, der sich seinerseits von ihr sehr angezogen fühlt. Da Churchills Sekretärin erkrankt ist, soll Esther für sie einspringen und eine Rede Churchills tippen. Natürlich sprechen die beiden dabei auch über den schwarzen Hund. Kann Esther Black Pat wieder loswerden oder bleibt sie für immer an ihn gebunden wie Churchill und ihr Mann Michael?

Ein wirklich netter kleiner Pageturner, den ich mir auch sehr gut verfilmt vorstellen kann, mit viel britischem Humor. Natürlich etwas surreal. Interessanterweise ist einem Black Pat sogar irgendwann sympathisch. Was natürlich fatal wäre, wenn er einen mal besuchen käme.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Der schwarze Hund

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Schön geschrieben, liebe Petra … falls er doch mal bei Dir vorbeikommen sollte, mail doch kurz. 😉
    Als ich die Überschrift und darunter recht bald das Wort Depression las, dachte ich sofort an ein anderes Buch, ein Bilderbuch. „Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte.“ von Matthew Johnstone. Zwar habe ich es noch nicht gelesen, es wird aber immer wieder von Klienten erwähnt, die es recht hilfreich fanden.
    Danke Dir! Und Euch schöne Ostern!
    dm und mb

  2. Ailis schreibt:

    Dieses Buch habe ich vor kurzem auf meine Wunschliste gepackt und nun finde ich es schon hier bei dir. Das lässt mich so ein bisschen Kaufzwang empfinden. *g* Danke für die schöne Besprechung!

  3. beatesauer schreibt:

    Dieses Buch hatte ich vor kurzem in einem Buchhandlungsprospekt entdeckt und fand es vom Thema her interessant. Aber erst durch Deine Rezension wurde mir klar, dass Churchill auch leibhaftig in „Der schwarze Hund“ vorkommt. Das hört sich wirklich sehr schön skurril an. Ich glaube, ich muss mir diesen Roman doch unbedingt kaufen 😉 . LG Beate

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah, wie schön! Das freut mich, dass dir die Empfehlung Lust zum Lesen gemacht hat, liebe Beate : ) Ist natürlich ein bisschen schräg, sprechender Hund etc., aber mir hat es gefallen : )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s