Entdeckungsfreude: Aldo Buzzi

Neulich erregte ich ein leinengebundenes, mit Lesebändchen versehenes Buch mit dem Titel Tschechow in Sondrio meine Aufmerksamkeit. Von Aldo Buzzi. Aha, sagte mir nichts. Also aufgeschlagen. Untertitel: Und andere Reisen. Reisen ist immer gut. Ich blätterte weiter und stieß statt auf eine an dieser Stelle übliche Widmung auf eine kleine Erklärung des Autors, die mich entzückte:

„Dieses Buch besteht aus zwei Schriften, die bereits im Verlag Schleiwiller erschienen sind. Nachdem ich sie nochmals durchgesehen, überarbeitet, erweitert, gekürzt (besonders die Anderen Reisen) und auch auseinandergenommen und neu wieder zusammengesetzt habe, sind sie nun, wie ich hoffe, endlich so beschaffen, wie ich sie mir ursprünglich vorstellte.“ [S. 5]

Ein Buch, das so putzig anfängt, musste ich natürlich haben!

Und es liest sich wirklich wunderbar: Der Autor liebt es nämlich, vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen (wie ich), weswegen man im ersten Teil eine Menge über russische Schriftsteller, Gewohnheiten, Kakerlaken, russisches Essen, Wodka natürlich und vieles mehr erfährt. In plauderndem Ton, ganz ohne seine Gelehrigkeit angeberisch zur Schau zu stellen, vielmehr leicht und natürlich fließt der Text, gerade so, wie es dem Autor durch den Sinn gegangen sein mag. Die Anderen Reisen sind noch assoziativer. Da geht es um die Bestellung eines Essens in Jakarta, um Gorgonzola (Ort und Käse) und italienische Schriftsteller, um weitere italienische Köstlichkeiten, um Paris und Johanna die Wahnsinnige sowie weitere Herrscher mit interessanten Beinamen und so weiter und so fort. Man möchte ewig weiterlesen!

Ich jedenfalls konnte nicht genug von ihm bekommen und schaute, wer dieser famose Autor eigentlich ist. War, muss man leider sagen, denn er ist 2009 gestorben, wurde aber fast 100 Jahre alt. Aldo Buzzi war Architekt, Autor von Büchern und Drehbüchern und für Zeitschriften, Regisseur eines Films namens America pagana und er übersetzte Texte von Thomas Mann, Walter Benjamin, James Joyce und anderen, wie der Perlentaucher weiß. Dort wird auch erwähnt: „Seine eigenen vier Bücher hat er im Laufe der Jahrzehnte immer wieder umgeschrieben“ – das passt ja gut zur eingangs zitierten, selbstironischen Passage.

Ich möchte noch mehr von ihm lesen, zum Beispiel das Buch mit dem wunderbaren Titel A Weakness for Almost Everything: Notes on Life, Gastronomy, and Travel. Das klingt ganz nach meinem Geschmack.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s