Zeitungsfrühstück, Folge 47

Herzlich willkommen zum ausführlichen Zeitungsfrühstück, meine Lieben & viel Spaß beim Stöbern!

Foto: (c) Gerda Kazakou

An diesem herrlich sonnigen, etwas kühlen Sonntagmorgen sind wir einigermaßen zeitig aufgestanden, denn mein Liebster läuft heute bei der „Badischen Meile“ mit. Ich hingegen blogge und twittere gemütlich vor mich hin und präsentiere euch nun meine Lieblingsbeiträge aus der Zeit. Lasset uns, wie stets, mit Harald Martensteins Kolumne beginnen, darin er sich diesmal amüsante Gedanken zu Nachkommen dubioser politischer Gestalten macht.

Auch gibt es in der aktuellen Ausgabe der Zeit ein Extra, „Wie Sie besser schreiben“, das ich allen, die gern und womöglich professionell schreiben, empfehlen möchte. Zum Einlesen hier ein Beitrag auf Zeit online.

Das Thema Urheberrecht gibt den Auftakt im Feuilleton, genauer gesagt ein „Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“, den 100 prominente Autorinnen und Autoren „als Erste“ unterzeichnet haben. Da sie, wie erwähnt, prominent sind, können sie möglicherweise in der Tat vom Schreiben leben. Das allerdings trifft längst nicht auf alle, nicht einmal auf alle veröffentlichten Autorinnen und Autoren zu. Vielleicht einer der Gründe, warum hierzu die Meinungen durchaus geteilt sind. Am Freitag jedenfalls vermeldet Zeit online, dass die Zahl der Unterstützenden bereits ins Vierstellige gewachsen ist.

Miltiadis Oulios erwähnt in „Kein Pardon“ den Start der Deutschlandtournee des griechischen Komikers Lakis Lazopoulos, der seit 12.05. mit seinem Programm „Sorry, I’m Greek“ durch die Republik reist. Mehr dazu auch hier. Fritz J. Raddatz empfiehlt in seinem Beitrag „Auf Schnipseljagd“ Reiner Stachs Buch Ist das Kafka? Leider noch nicht online.

Reiner Stach hat darin 99 Fundstücke von und über Kafka zu einem ganz speziellen „Album“ zusammengestellt, eine Idee, die ich großartig finde. Deshalb habe ich mir das Buch vor dem Urlaub auf den Rat meiner vertrauenswürdigen Buchhändlerin hin im „Stephanus“ gekauft. Sie legte mir auch Stachs Kafka-Biographie sehr ans Herz.

In „Vielleicht waren wir zu früh“ sprechen Rüdiger Safranski und Peter Sloterdijk über das Ende des „Philosophischen Quartetts“. Dabei durfte natürlich ein Seitenhieb gegen Richard David Precht nicht fehlen, der fürderhin der Philosophie mehr Pep im Fernsehen verleihen soll. Interessanterweise erkennt meine Word-Rechtschreibkorrektur bereits Sloterdijk, aber noch nicht Precht. Das wird sich in den nächsten Jahren sicher ändern.

Ausgezeichnet gefiel mir der Artikel „Die acht Gebote“ von Stefan Koldehoff und Tobias Timm, der zu meinem großen Bedauern noch nicht online ist. Die Autoren stellen darin acht Möglichkeiten vor, mit denen Sammler und Museen künftig vor Fälschungen bewahrt werden könnten: 1. „Anders als bisher sollen nicht mehr einzelne Experten über die Echtheit von Werken entscheiden.“ Gute Idee, wird auch schon teilweise umgesetzt. 2. „Wer Gutachten über Kunstwerke schreibt, darf nicht vom Verkauf dieser Werke profitieren“ – das würde ich auch vorschlagen, dann „passieren“ Fehleinschätzungen zur Echtheit vielleicht seltener, zumindest nicht mehr, um sich zu bereichern. 3. „Käufer müssen ein Recht auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Werke haben“ – ebenfalls eine prima Idee, besonders, wenn man einen Batzen Geld dafür ausgeben soll. 4. „Nachfahren von Künstlern sollten nicht automatisch als die besten Experten für deren Werk gelten“. Das sollte eigentlich logisch sein. Ich bin ja auch keine Expertin für Ornithologie, nur weil mein Vater Ornithologe ist. 5. „Im Zeitalter der digitalen Medien und des Internets sollten Künstlerwerkverzeichnisse nicht mehr nur als gedruckte Bücher veröffentlicht werden“ – wunderbar, dann könnte man viel schneller reagieren, wenn sich bestimmte Werke als Fälschung erwiesen haben. 6. „Kunsthändler und Auktionatoren müssen aktiv auf Fälschungen reagieren“. Allerdings, wie sonst nehmen sie ihre Verantwortung gegenüber ihren Kunden wahr? 7. „Fälschungen müssen dauerhaft kenntlich gemacht werden“ – als ich das las, war ich verblüfft, das hielt ich eigentlich für selbstverständlich. Ist es aber nicht. Dickes Ei, oder? 8. „Die trüben Geldflüsse auf dem Kunstmarkt müssen eingedämmt werden“ – ein Korruptionsgesetz könnte hier Abhilfe schaffen. Insgesamt alles sehr kluge Gedanken zum Thema. Übrigens ist gerade ein Buch der beiden Autoren titels Falsche Bilder, echtes Geld. Der größte Fälschungscoup des Jahrhunderts – und wer alles daran verdiente erschienen. Dieses Buch wandert auf jeden Fall auf meine Liste der zu beschaffenden Bücher.

Passenderweise sahen wir gestern den Film „F wie Fälschung“ von Orson Welles, den mir Mila in ihrem Kommentar zu „Ein unglaublicher Schwindel“ empfohlen hat. Vielen Dank dafür, liebe Mila, der Film hat uns sehr gut gefallen! Darin geht es um den Kunstfälscher, Elmyr de Hory und seinen Biographen Clifford Irving, der es beim Schreiben mit der Wahrheit auch nicht so genau nahm – tolle Story! Und Orson Welles setzt noch einen drauf und erzählt eine ziemlich wilde Geschichte um 22 gefälschte Picasso-Bilder. Sehenswert!

Habt noch einen schönen Sonntag, meine Lieben!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 47

  1. erinnye schreibt:

    Diese unsägliche Debatte um das Urheberrecht betrifft nicht nur Schriftsteller und Musiker, sondern auch andere Bereiche, Softwareentwickler, beispielsweise für Spiele, sind HOCH erfreut über die Forderung, Quellcodes offenzulegen (ich kenne zufällig einige Game-Entwickler persönlich).

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das kann ich mir vorstellen. Hmpfz. In den Feuilletons beschränkt man sich natürlich auf die Künstler. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wohin sich das entwickeln wird und welche Konsequenzen das für uns hat.

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    … oder davon gern leben können würden.

  3. Reiner Stachs 99 Fundstücke zu Kafka liegt auch schon auf meinem Büchertisch – ein überaus spannendes Buch, das ich beim ersten Blättern vor wenigen Tagen angelesen habe…
    Danke Dir wieder für Deinen ZEITungsfrühstücksrundumblick, liebe Petra!

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