Zeitungsfrühstück, Folge 48

Guten Morgen, meine Lieben & herzlich willkommen zum Zeitungsfrühstück! Ich hoffe, bei meinen Highlights aus dem Zeitmagazin, dem Reiseteil und dem Feuilleton der Zeit ist etwas für euren Geschmack dabei. Viel Spaß beim Stöbern!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Ein wunderbar sonniger Morgen, im Hintergrund die SWR2 Matinee zum Thema „Spiegel“, vor uns Kaffee, Brioches und Erbeermarmelade. Also los: In seiner Kolumne bejammert Harald Martenstein „auf hohem Niveau“ den Verlust von Computer, Auto und Handy. Von Dingen also, die uns ganz selbstverständlich sind und deren Fehlen oder Nicht-Funktionieren uns zwar erst mal ärgert, aber letztlich sind dies eben nur Luxusprobleme.

Hochinteressant ist der Artikel „Ihr Freund, der Feind“, in dem Arnon Goldfinger von einer Freundschaft seiner Großeltern mit Nationalsozialisten erzählt. Ab 14. Juni läuft sein Film „Die Wohnung“ im Kino – den würde ich gern sehen!

Dann gibt es noch die Stilkolumne, in der sich Tillmann Prüfer sozusagen mit Unterwasser-Mode befasst – damit sind allerdings keine flotten Taucheranzüge gemeint, sondern Kleider und Accessoires, deren Farben, Formen und Materialien den Geschöpfen des Meeres entliehen zu sein scheinen. Hübsch.

Den Reiseteil fand ich diesmal wieder besonders gelungen, bedauerlicherweise ist wieder so gut wie nichts daraus online. Der Zeitversatz zwischen Print- und Online-Ausgabe scheint mir hier besonders hoch zu sein. Vielleicht hat der Reiseteil keine besondere Priorität? Da gibt es gleich zu Beginn den schönen Artikel „Dandy vor Fachwerk“ von Renate Just über Nürnberg und Albrecht Dürer. Interessant für alle, die sich beispielsweise die Ausstellung „Der frühe Dürer“ im Germanischen Nationalmuseum ansehen möchten (ich hätte allergrößte Lust dazu). Online ist immerhin der Beitrag „Freunde für einen Flug“ von Christine Dohler über die Möglichkeit bei KLM, sich seine Sitznachbarn vorab per Facebook oder LinkedIn auszusuchen.

Das Feuilleton startet mit einem tollen Beitrag über das junge griechische Kino: In „Alles auf Anfang“ berichtet Katja Nicodemus von mehreren Filmen junger Filmemacherinnen und -macher, die in Zeiten fehlender Filmförderung und zerfallender Sicherheiten großartige Werke geschaffen haben. „Alpen“ läuft ab 14. Juni im Kino und „Dogtooth/Hundezahn“ ist am gleichen Tag zu später Stunde im WDR zu sehen. Mehr dazu im Artikel selbst.

Sehr gut gefiel mir auch Hanno Rauterbergs Artikel „Ich bin mein Urheber“, der zu meinem großen Bedauern ebenfalls noch nicht online ist. Darin geht es um Albrecht Dürer, auch um die bereits erwähnte Ausstellung in Nürnberg, aber vor allem um Dürers Kunst, worauf sie als Reaktion zu verstehen ist und wie er sich selbst als Künstler formte und vermarktete. Besonders interessant sind folgende Zeilen Rauterbergs: „Für Dürer heißt Anmaßung: Maß nehmen, ein Abmessen der Wirklichkeit, ein akribisches Erforschen und Kenntlichmachen. Es heißt aber auch: vermessen zu sein und ein neues Maß zu setzen.“ Und etwas später über die Zeit, in der Dürer wirkte: „Vorbei war es damals mit der alten, ruhigen Ordnung des Mittelalters. Der Buchdruck wurde entdeckt, ebenso Amerika, eine Zeit des Wandels hatte begonnen: Umbruch und Ungewissheit, wohin man auch blickte. Nicht zuletzt deshalb suchten viele Nürnberger, die es sich leisten konnten, nach neuem Rückhalt – in der Bildung.“ Und dann zwei Sätze, die mich sehr an heutige Verhältnisse erinnern: „Manche wurden zu Chronisten, ja zu Autoren ihres Lebens“ und „Je unübersichtlicher die Weltenlage wurde, desto mehr wuchs das Bedürfnis, so gut wie alles zwischen zwei Buchdeckeln zu ordnen und zu klären“.

Ähnelt dies nicht heutigen Verhältnissen? Nie wurde so viel über das eigene Leben festgehalten, in Tagebüchern, in Blogs, auf Plattformen wie Facebook oder Twitter, Alltägliches, Künstlerisches, Informatives. Nie hatten wir so viele Informationen über andere Menschen und andere Länder, keineswegs immer erfreuliche, oft verstörende bis furchterregende. Informationen, die uns ein ums andere Mal zeigen, wie unsicher selbst unsere kleine wohlgeordnete Welt ist, wie leicht sie erschüttert werden kann. Ob auch wir schreiben, „um der neuen, flüchtigen Zeit etwas entgegenzusetzen“, wie Rauterberg über die Nürnberger schreibt? Um uns immerhin uns und unserer kleinen Sicherheiten zu vergewissern und Halt oder wenigstens Orientierung in der neuen Unübersichtlichkeit zu finden?

Falls ihr mehr von diesem Artikel oder weiteren interessanten Beiträgen der Zeit lesen möchtet, empfehle ich einen Spaziergang zum nächsten Kiosk. Habt noch einen schönen Sonntag, meine Lieben!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 48

  1. Dein ZEITungsfrühstück hat mich wieder inspiriert, zum Kiosk zu spazieren… Den Artikel von Arnon Goldfinger im Magazin habe ich auch schon mit Interesse gelesen – seinen Dokumentarfilm würde ich mir gern ansehen! Hängengeblieben bin ich bei der Reportage über die betriebswirtschaftliche Gesundheitspolitik und ihre Mediziner, die ihr Schweigen brechen. So erwartet mich in den nächsten Tagen noch Spannendes in der ZEIT, auf das Du uns wieder aufmerksam machst. Schön!

    Sonnige Sonntagsgrüße von Karin, die sich darauf freut, Dir bei Gelegenheit ein „Lesefrüchtchen“ mit Erdbeeren zukommen zu lassen, hihi… 🙂

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Das freut mich, liebe Karin! Bei diesem herrlichen Wetter ist ja ein Spaziergang sowieso ein Vergnügen. Lesefrüchtchen mit Erdbeeren? Aaaaah, ich glaube, ich weiß, was du meinst! Das wäre ja toll : )

  3. muetzenfalterin schreibt:

    Hanno Rauterberg lese ich ohnehin sehr gerne. Er schreibt sehr fundiert und trotzdem verständlich über Kunst.

  4. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    uns gefällt diesmal besonders Deine fragende und anregende Auseinandersetzung zu unserem aktuellen Umgang mit dem Schreiben „über das eigene Leben …“. Wir werden uns darüber sicher bei einem Glas Wein unterhalten … vielen Dank dafür!

  5. irrstern schreibt:

    Hallo, ich habe erst heute den Weg zu deinem Blog gefunden und mir gefällt die Idee des Zeitungsfrühstückes sehr gut. Zudem: Eine inspirierende Seite!

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