Dada, Dada, Dada!

Heute vor 125 Jahren wurde Kurt Schwitters geboren, ein Mann, dem wir – gemeinsam mit Hugo Ball, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco, Hans Arp und vielen weiteren – die herrlich schräge „Antigattung“ Dada verdanken. Ich muss bei diesen Namen immer an eine Veranstaltung im „Rauchblauen Salong“ denken, die Dada zum Thema hatte und eine der erfolgreichsten dieser Abende war.

Vor ein paar Jahren habe ich in unserem Wohnzimmer den „Rauchblauen Salong“ abgehalten („rauchblau“, weil man bei uns rauchen darf). Dazu lud ich regelmäßig-unregelmäßig drei Handvoll befreundeter Menschen (Künstler, Autoren und vor allem Leser) ein. Beim traditionellen Salongetränk Tee und weniger traditionellen Spirituosen diskutierten wir ein vorab von mir gestelltes Thema, beispielsweise Reiseliteratur, Vampirliteratur, Dandys & Dekadenz und eben auch Dada.

Für diesen Abend hatte ich zur Einführung mit einer Freundin eine Mini-Dada-Soiree vorbereitet: Zu Beginn verblüfften wir die Gäste mit den ersten Klängen der Schwitter‘schen Ursonate. Danach trugen wir Texte berühmter Dadaisten vor: Teile aus Richard Huelsenbecks Erklärung, die er 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich abgab, Auszüge aus seiner Dada-Rede von 1918 in Berlin, Hugo Balls „Karawane“ und einiges mehr. Außerdem führten wir ein Poème gymnastique vor. Weitere Texte dieser Art versetzten unser geneigtes Publikum zwar nicht in den Schockzustand, den diese Texte vor einem Fast-Jahrhundert noch auslösten, aber immerhin begann sofort eine Diskussion, die durch weitere Beiträge einzelner Gäste zusätzlich angeheizt wurde. Wir intonierten gemeinsam, in drei Gruppen aufgeteilt, sogar Kurt Schwitters „kaa gee dee“, ein Simultangedicht von 1919. So hatte sich die kleine Performance, mit der wir uns gern ein wenig lächerlich machten, auf jeden Fall ihre Wirkung erzielt.

Falls ihr mehr über Dada wissen möchtet, empfehle ich: Die Dadaisten von Hermann Korte, Dada. Eine literarische Dokumentation, herausgegeben von Richard Huelsenbeck und den sehr unterhaltsamen, herrlich schrägen Roman Dada aus dem Koffer von Enrique Vila-Matas. Ich verabschiede mich nun mit Huelsenbecks Dada-Gruß: „Es lebe Dada. Dada, Dada, Dada!“ – bis zum nächsten Mal : )

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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12 Antworten zu Dada, Dada, Dada!

  1. Sonja schreibt:

    Wenn ich Kurt Schwitters Namen höre, muss ich immer an den Merzbau denken. Für Schwitters war dies sein Lebenswerk, für mich (Gott sei Dank) lediglich eine Studienarbeit. Denn abseits seiner dreidimensionalen, begehbaren „Collage“ ist mir vor allem eines in Erinnerung geblieben: die vielen Grotten und Nischen, die er innerhalb dieses immer weiter wachsenden Kunstwerkes errichtet hat. In diesen hat Schwitters zahlreiche Artefakte ausgestellt – darunter ein Fläschchen Urin sowie eine Zigarettenkippe von Hans Arp. Womit wir wieder beim „rauchblauen Salon“ wären 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich hoffe, du assoziierst mit dem Salong eher die Kippe als das gewisse Fläschchen ; ) Das ist ja interessant, liebe Sonja, hast du die Studienarbeit noch? Die würde mich interessieren!

  2. Sonja schreibt:

    Ich schau mal nach. Aber die Chancen sind gering: Der PC, an dem ich die Arbeit geschrieben habe, hat vor ein paar Jahren virendurchflutet den Geist aufgegeben. Und ich glaube, ich habe keine Sicherheitskopie gemacht …

  3. muetzenfalterin schreibt:

    Großartig. An diesem Abend im rauchblauen Salon wäre ich gerne dabei gewesen!

  4. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Danke, ihr lieben Haushundhirsche : )

  5. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Hihi, ich bin nicht sicher, ob ich es schade oder gut finde, dass es von der Veranstaltung keine Fotos gibt : )

  6. Mila schreibt:

    Ach ja, ein Abend im rauchblauen Salon klingt herrlich. Vielleicht solltest du die Tradition mal wieder aufleben lassen. Herzlich Mila

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