Der Weg ist das Ziel

Heute eine Gastrezension von Harald Schwiers, den ihr in dem Fragebogen zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten ein bisschen näher kennenlernen konntet. Herzlichen Dank, lieber Harald!

Das Wandern ist nicht nur bekanntlich „des Müllers Lust“, sondern auch des Maiers…, sprich des Deutschen gemeinhin. Wandern ist der Freizeitsport schlechthin; das zeigen zig Zahlenwerke, aber in erster Linie steht die Anzahl der „Outdoor-Shops“ (und deren Werbung) für die Massenbewegung und ihre Beliebtheit. Ob das etwas mit der Beleibtheit mancher Zeitgenossen zu tun hat, das steht auf einem anderen Blatt. Die Wandervogel-Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts war jedenfalls gegenüber der aktuellen Wanderlust der Deutschen ein gar dürftig’ Häuflein. Der Westweg von Pforzheim nach Basel steht ganz oben auf der Liste, wenn sich der besinnungsträchtige Mensch nicht gleich großspurig (siehe Kerkeling) auf den Weg nach Santiago de Compostela macht.

Es geht auch anders. Auch auf dem zwar nicht staugefährdeten, aber doch gut frequentiertem Westweg. Johannes Schweikle, gebürtiger Freudenstädter, jetzt in Hamburg lebend und bekannter Feuilletonist, macht es vor. Der Weg ist – mal wieder – das Ziel. Aber: Schweikle, der Landessprachen durchaus mächtig, verfranzt sich oft zwischen Nordschwarzwald und Rheinknie. Nicht immer ganz unabsichtlich.

Die Irrungen und Wirrungen des Johannes Schweikle, der sich nicht nur gerne verfranzt, sondern auch – bewusst – ausgefranst den Weg geht (streckenweise mehrfach, zu unterschiedlichen Jahreszeiten), sind höchst köstlich und amüsant nachzuvollziehen. Schließlich mäandert er ganz zielorientiert durch den Schwarzwald. Von Pforzheim bis Basel geht es eben nicht nur „bergab“, wie man glauben könnte. Er streift das Wesentliche auf seinem Weg, trifft Typen, die es (im Norden und in der Mitte des Weges) an der Grenze zwischen Baden und Württemberg gibt und kann sie leicht kennzeichnen. Ohne sie zu überzeichnen. Er mag diese Menschen. Die meisten jedenfalls. Kein Wanderer zwischen den Welten, eher einer in der alltäglichen, scheinbar banalen Wirklichkeit. Echt und von hier!

Johannes Schweikle, Westwegs, 228 S., Klöpfer & Meyer, 19,50 Euro.

Diese Rezension erschien erstmals in der Reihe „Schmökern mit Schwiers“ im Kurier vom 22.06.2012.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Der Weg ist das Ziel

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    vielleicht waren wir einfach nur nicht aufmerksam genug: hast Du schon häufiger Gast-Rezensionen auf Deinem Blog veröffentlicht?
    Diese gefällt uns gut! Überhaupt schätzen wir es, wenn Gastbeiträge auf Blogs stattfinden.
    Wir gehören eher zu den Spaziergängern, als zu den Wanderern, aber darüber zu lesen ist jedes Mal spannend und oft bereichernd. Danke Euch BEIDEN.
    dm und mb

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