Die unsichtbare Frau

Nachdem mich Was ich liebte so begeistert hatte, kaufte ich mir gleich ein weiteres Buch von Siri Hustvedt, das eigentlich ihr Erstling ist. Die unsichtbare Frau wirkt sehr autobiografisch: Denn wie einst die Autorin  studiert auch die Protagonistin Literatur und die Namensgebung Iris – Siri legt den Gedanken nahe, dass Siri Hustvedt Erlebnisse aus eigenen Studententagen mit Fiktion verknüpft haben könnte. Solche Gedanken sind natürlich umso verführerischer, wenn die Autorin in der Ich-Form erzählt.

Machen wir uns also frei davon und stellen fest: Es geht um eine intelligente und attraktive Literaturstudentin, die sich auf emotionale und erotische Experimente einlässt – unter ganz besonderem körperlichem Einsatz. Stress und emotionale Wechselfälle machen sie krank, sie gibt zeitweise ihre Existenz als Frau auf, bis sie auch äußerlich zunehmend androgyn und damit als Frau unsichtbar wird. Zwar lautet der Titel im Original The Blindfold, aber ich finde den deutschen Titel ebenfalls passend.

Die Odyssee zwischen verschiedenen Persönlichkeiten und Möglichkeiten sind in Form von Kurzgeschichten angeordnet, die sowohl für sich allein stehen könnten als auch verknüpft das größere Ausmaß und die Zusammenhänge zwischen diversen Stadien enthüllen. Sehr interessant gemachtes psychologisches Mosaik einer Persönlichkeit, die sich selbst zusammen zu setzen versucht, um sich sichtbar zu machen.

Rezension erstmals erschienen in „Der virtuelle literarische Salon“, Nr. 21 (2004).

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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