Unsichtbar

Unsichtbar ist ein sehr schöner, sehr gelungener Roman von Paul Auster. Wenngleich es stimmt, was in manchen Rezensionen bemäkelt wird: Es gibt keinen „richtigen“ Schluss, aber das hat mich nicht im Geringsten gestört. Schließlich ist es für die Qualität eines Buchs oder auch Films nicht entscheidend, dass alles bis ins Letzte aufgedröselt wird.

Der Literaturstudent Adam Walker wäre gern ein Dichter: Er lernt den mysteriösen Rudolf Born kennen, „verfällt“ ihm bzw. steht in seiner Schuld, da jener ihm viel Geld für die Erstellung eines Literaturmagazins anbietet, verliebt sich in dessen Freundin Margot, was Born keineswegs irritiert, und wird schließlich von Born tief enttäuscht. All das erzählt Adam peu à peu einem alten Freund. Wir erfahren die Geschichte also in der Rückschau (mit Kommentaren aus der Gegenwart), nach vielen Jahren und aus mehreren Perspektiven: aus Adams, der seines Freundes und zuletzt aus der Sicht von Cecile, die einst in Adam verliebt war. Außerdem spielt Auster meisterlich mit verschiedenen Textsorten: Mal sind es Briefe, mal Auszüge aus Tagebüchern, Telefonate, mal ein Manuskript, die die Handlung weitererzählen.

Dieses Buch ist nicht nur durch seine verschiedenen Perspektiven und Stile hochinteressant, auch die Handlung fand ich spannend und die vielen Themen, die aufgeworfen werden: Kuppelei, Verführung, Geschwisterliebe, Abhängigkeiten, ein Mord, Rache – alles drin. Für mich wieder ein perfekter Auster.

Rezension erstmals erschienen in „Der virtuelle literarische Salon“, Nr. 57 (2010).

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Unsichtbar

  1. Klappentexterin schreibt:

    Liebe Petra, nachdem mein erster Leseversuch mit Paul Auster kürzlich gescheitert ist, werde ich dem Autor mit genau diesem Werk eine zweite Chance geben. Ich bin gespannt, wie es mit uns beiden dieses Mal ausgehen wird. Viele Grüße, Klappentexterin

  2. Klappentexterin schreibt:

    Hach, wie schön! Das freut mich! Lieben Dank dafür!

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