Bücherkoffer Nr. 9, „Insel-Bücher“

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Ihr kennt doch sicher die beliebte Inselfrage: Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Ich könnte mir vorstellen, dass ich unter anderem den Bücherkoffer Nr. 9 mitnehmen würde, in dem sich lauter Bücher befinden, in denen es um Literatur, Autoren, auch Filme geht, um das Wesentliche, worauf es im Leben ankommt, um Humoriges und Ernstes. Ein Koffer für verschiedene Stimmungen, für jede Lebenslage. Also auch für eine einsame Insel.

Und diese Bücher würde ich einpacken:

Ein Bücherkoffer – reif für die Insel. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Was geschah mit Schillers Schädel? von Rainer Schmitz, ein wunderbarer Wälzer über mancherley, was man über Literatur vielleicht noch nicht wusste. Dazu passt auch Scharmützel und Scholien. Über Literatur von dem klugen und hintersinnigen Hans Magnus Enzensberger.

Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben von Joan Didion und Worauf es ankommt von Susan Sontag – bestens geeignet als Einstieg, wenn man sich näher mit den beiden Autorinnen befassen möchte.

Als Hitchcock-Fan darf in meinem Koffer natürlich Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von François Truffaut auf keinen Fall fehlen. Ein mehrtägiges Interview eines Regisseurs mit einem anderen, das viele hochinteressante Hintergrundinfos zu Hitchcocks Arbeit bietet.

Dann etwas Lustiges, Über alles von Robert Gernhardt – vielen vielleicht bekannt von seinen Animalerotica (Das Vorspiel nahm den Hengst so mit, / dass er geschwächt zu Boden glitt) oder seinen Bilden-Sie-mal-einen-Satz-mit-Versen (Symbol: Herr Dschingis Khan, das tut man nicht, / dass man in fremdes Land einbricht. / Nu aber raus mit Ihren Horden – / Sie sym bol wahnsinnig geworden!). In diesem Buch kann ich immer wieder lesen – eine der Grundvoraussetzungen, um in diesen Koffer aufgenommen zu werden. Und natürlich mein anderer Liebling, Christian Morgenstern, vertreten in Das Morgenstern Buch. Sehr amüsant sind auch Goethes schlechteste Gedichte ausgewählt von Gottlieb Amsel und mit Zeichnungen von Walter Schmögner – es kann nicht alles spitze sein, nicht mal bei Goethe.

Hineinlegen würde ich gern Guten Morgen, Mitternacht, ein schmales Bändchen mit Gedichten (zweisprachig) und Briefen von Emily Dickinson, die übrigens einen erfreulichen Humor besaß, wie man an diesem Gedicht sehen kann: To make a prairie it takes a clover and one bee, / One clover, and a bee, / And revery. / The revery alone will do, / If bees are few.

Die paar leuchtenden Jahre, ein Lesebuch über die von mir sehr verehrte, sachlich-melancholische Mascha Kaléko dürfte darin ebenso wenig fehlen wie Shakespeares Sonette und Eliot Weinbergers Essays, die sich in Das Wesentliche versammeln.

Eine Geschichte des Lesens von Alberto Manguel wäre unbedingt dabei. Dazu Der Sprung in den Papierkorb von Thomas Hürlimann, Enrique Vila-Matas‘ Roman über Schreibverweigerer Bartleby & Co., Geschichten vom Buch, Klaus Schöfflings ausgezeichnete Zusammenstellung von Gedichten, Essays u. v. m. rund um Bücher (tolle Fundgrube mit Texten von Tucholksy, Benjamin, Adorno, Flaubert etc.).

Marion Meades Bobbed Hair and Bathtub Gin. Writers Running Wild in the Twenties müsste in den Koffer, eine Vierfachbiographie zu Zelda Fitzgerald, Dorothy Parker; Edna St. Vincent Millay und  Edna Ferber.

Ex Libris und Alles, was das Leben ausmacht von Anne Fadiman kommen in den Koffer, dazu Älter werden von Silvia Bovenschen und Schotts Sammelsurium von Ben Schott.

In Flohmärkte aus der Reihe „Kleine Philosophie der Passionen“ beschreibt Binnie Kirshenbaum sehr anschaulich ihre Leidenschaft für Flohmärkte, die ich teile.

Außerdem würde ich Helene Hanffs Bücher mitnehmen wollen und Shakespeare and Company von Sylvia Beach. Alain de Bottons Wie Proust Ihr Leben verändern kann natürlich und Ulrich Schnabels muße muss mit – davon hätte ich dann ja ordentlich auf einer einsamen Insel, beispielsweise für die wunderbar verträumten Erzählungen Undine Gruenters in Sommergäste in Trouville – und passend Thierry Paquots Die Kunst des Mittagsschlafs. Auch dazu gäbe es dann wohl genug Zeit. Eine schöne Besprechung dazu gibt es bei aus.gelesen.

So, ihr Lieben, das wären meine persönlichen „Insel-Bücher“ – welche wären eure?

Dieser Koffer wartet auf die nächste Bücherladung. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Bücherkoffer Nr. 9, „Insel-Bücher“

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Ach, wie schön, liebe Petra! Schotts Sammelsurium wäre vielleicht auch in meinem Insel-Koffer gelandet …
    Ok, jetzt wird die Stiftesammlung also doch nach einem neuen Zuhause suchen müssen! 😉
    Bin selbst schon ganz gespannt…
    Liebe Grüße,
    mb

  2. buchstabenchaos schreibt:

    Oooooh…was für ein toller Koffer! Allerdings: die Frage ist wirklich gemein und ich wüsste so spontan gar nicht, was alles mit rein muss. Gibt es denn eine Gewichtsbegrenzung beim Bücherkoffer? 😉

  3. beatesauer schreibt:

    Ich liebe „84, Charing Cross Road“ von Helene Hanff. Dieses Buch habe ich im Laufe meines Lebens immer wieder einmal gelesen und würde es auch auf jeden Fall auf eine einsame Insel mitnehmen. „Die Stunden“ von Michael Cunningham könnte ich mir auch vorstellen einzupacken. Liebe Grüße Beate

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, Helene Hanffs Bücher haben wirklich einen ganz besonderen Charme, liebe Beate. Man meint sie nach der Lektüre tatsächlich persönlich zu kennen, vielleicht weil so viel Persönlichkeit und Persönliches in ihren Büchern steckt. Darin ist sie für mich geradezu ein Vorbild.

  4. erika stadler schreibt:

    von mir: Wien. Musik. Eros und Thanatos. 18 Wege/Otto Brusatti.

  5. samtundsahne schreibt:

    hallo petra,

    ich finde deine initiative ganz wunderbar…

    wenn du magst, klick doch bitte auch mal hier bei mir vorbei:

    http://samtundsahne.blogspot.de/2012/07/initiative-ideen-reise-truhe.html

    und hier:

    – ich habe dich nämlich verlinkt –
    und hoffe, es ist auch in deinem sinne

    freu mich über rückmeldung!!

    lg nancy von samtundsahne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Nancy, das ist ja eine schöne Idee! Ich kenne mich mit Pinterest noch nicht aus, freue mich aber über deine nette Verlinkung und klicke sicher öfter mal vorbei bei der Ideenreisetruhe : ) Ich freue mich, dass du zu mir gefunden hast : )

  6. ramblingbrother schreibt:

    Das ist wirklich eine Fundgrube, befindet sich außer Emily Dickinson „Guten Morgen, Mitternacht“ doch nichts darunter, was ich kenne. Vielleicht reichst du den Koffer an den hiesigen (Freiburg) Flohmarkt durch, ich mache dir auch einen guten Preis 🙂

    Liebe Grüße

    Achim

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Achim, verleihen gern, verkaufen nicht – was würde ich sonst auf die Insel mitnehmen? ; ) Ich freue mich, dass du so vielleicht auf die ein oder andere Lese-Idee kommst. Lesenswert sind sie alle (klar, sonst würde ich sie ja nicht zum Wieder-Lesen mit auf die Insel nehmen wollen). Liebe Grüße
      Petra

  7. ramblingbrother schreibt:

    Ups, deine Frage nach unseren Inselbüchern hab ich erst einmal überlesen. Hier nun mein Koffer, auch wenn ich nicht weiß, wieviel dort hineinpassen, und wie lange ein Inselaufenthalt dauert:

    1. William Faulkner: Licht im August
    2. Julian Barnes: „Vom Ende einer Geschichte“
    3. Peter Sloterdijk: Zeiten und Tage
    4. Hilary Mantel: „Wolf Hall“ (dt. Wölfe)
    5. Thomas Wolfe: „Schau heimwärts, Engel“
    6. William Butler Yeats: „Die Gedichte“
    7. James Woods: „Die Kunst des Erzählens“
    8.John Kennedy Toole: „Die Verschwörung der Idioten“
    9. Stephen Fry: „Fry Chronicles“
    10. Wallace Stegener: „Vor der Stille der Sturm“
    11. Jennifer Egan: „A visit from the Goon Squad“ (dt: Der größere Teil der Welt)
    12. James Salter: „Lichtjahre“
    13. Jonathan Franzen: „Die 27ste Stadt“

    !2 Bücher für ein Jahr, und eins für die Jahre des restaufenthalts auf der Insel.

    Achim

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