Frauen und Frauenbilder

Gelegentlich kaufe ich mir Frauenzeitschriften. Beispielsweise, um nach einem anstrengenden Tag bei einem schönen Kaffee müßig ein wenig darin zu blättern, mich über die neueste Mode (und ihre Torheiten) zu informieren, mich von den Rezepten oder Basteleien inspirieren zu lassen und vieles mehr. Als manche dieser Zeitschriften mit großem Bohei ankündigten, in Zukunft bei ihren Fotostrecken auf Models verzichten zu wollen, war ich erst gespannt – und dann enttäuscht. Denn die „echten“ Frauen, die man für die Fotos erwählt, entsprechen leider selten der Realität, wie wir sie erleben. Wir sehen gerade nicht all die großen, kleinen, dicken, schlanken, üppigen und dünnen Frauen, die alten, mittleren, jungen, mit oder ohne Lachfalten. Diejenigen, die sich am Morgen sorgfältig schminken und jene, die dazu keine Zeit oder Lust haben. Manche sind eindrucksvoll, andere nicht. Selten passen Gürtel zu Schuhen und Handtaschen, noch seltener Lippenstift zum Lack auf Finger- und Fußnägeln. Einige schwanken auf überhöhten Absätzen durch die Stadt, doch eher scheinen Flipflops im Sommer das Pflaster zu beherrschen. Kurz: Was mir die Zeitschriften zeigen, hat wenig bis nichts mit den Frauen zu tun, die ich sehe und als „echt“ empfinde.

Stattdessen sehe ich in den Zeitschriften weiterhin Frauen mit Maßen, die den Macher(innen) ideal scheinen, um die Klamotten zu präsentieren. Alle paar Monate wird ein bisschen Tamtam um „Frauen mit Format“ (oder was derley alberne Umschreibungen mehr sind) gemacht. Und wie toll das doch ist, wenn sie zu sich (also ihrer Kleidergröße) stehen. Wobei diese Frauen schon eher denen gleichen, die mir häufig begegnen. Das Gros scheint mir eher Größe 40+ als 38- zu tragen, zumindest jenseits des 30. Geburtstags. Aber dann gibt es doch wieder Rezepte für die leichte Küche, Diäten und Sportanweisungen und der ganze Bluff fliegt auf.

Oder gar Frauen mit Lebensspuren im Gesicht! Die sollen sich dann gleich die Seniorenvariante der Frauenzeitschriften kaufen. Vielleicht meint ja die Redaktion, dass man jüngeren Frauen den Anblick von Fältchen und Falten nicht zumuten kann. Aber selbst in dieser Variante sieht man den gefältelten Damen noch immer die Disziplin an, mit der sie den Folgen irdischer Genüsse zu Leibe rücken. Traurig. In diesem Zusammenhang eine Empfehlung zu einem Beitrag auf SPON, wo es um einen Fotografen geht, der gerade ältere und alte Frauen fotografiert – das hat mir gefallen.

Ebenfalls gefallen mir zwei Bildbände, die ich euch gern vorstellen möchte. Der erste, Frau im Bild. Inszenierte Weiblichkeit in der Sammlung Würth, zeigt zahlreiche Frauenporträts verschiedener Künstlerinnen und Künstler mit interessanten, gut geschriebenen Texten zu den Werken. Dort gibt es sie wieder, die verschiedenen Frauentypen, die, natürlich aus Sicht der jeweiligen Künstlerinnen und Künstlern, gemalt oder geformt wurden.

Der andere sehenswerte Bildband heißt Frauen, die lesen, sind gefährlich und stammt von Stefan Bollmann. Auch hier wieder wunderbare Frauenbilder, in denen außerdem das Thema Lesen durchdekliniert wird. Einer meiner Lieblinge ist übrigens Eleonore von Aquitaniens Grabmal.

Einen interessanten Artikel zu diesem und weiteren Büchern über lesende und schreibende Frauen findet ihr im Blog von Petra van Cronenburg.

Habt noch einen schönen Sonntag! Ich werde jetzt was Leckeres kochen und mich dann mit einem Buch aufs Sofa begeben ; )

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Mensch und Buch abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Antworten zu Frauen und Frauenbilder

  1. Dina schreibt:

    Liebe Petra,
    danke für den interessanten Bericht. Besonders habe ich mich über den Spiegel Fotografen-Link gefreut, eine Fundgrube für Fotografen, mit vielen weiteren Links. Reinschauen lohnt sich.

    Hab einen feinen, urgemütlichen Abend
    und einen leichten Wochenanfang morgen
    🙂

    Dina

  2. Klausbernd schreibt:

    Liebe Petra,

    die Diktatur der Norm des schönen Körpers bedrängt längst nicht mehr nur die Frauen. Die Männer haben da in Verblendung nachgezogen. Wenn ich Artikel in „Men`s Health“ lese, die man als Mann bei jedem Flug in die Hand gedrückt bekommt, komme ich mir sogleich erschreckend unvollkommen vor. Ja, ich bekomme gar das Gefühl, ich sei eine Beleidigung für die Frauenwelt.

    Du hast den Artikel wirklich fein recherchiert und toll bebildert.
    Vielen Dank!

    Klausbernd und seine beiden Buchfeen Siri & Selma, die froh sind, dass es keine Fayrie-Illustrierten gibt – noch nicht …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Stimmt, lieber Klausbernd, inzwischen versucht man auch die Männer in bestimmte Schablonen zu pressen. Das fällt meinem Liebsten und mir auch besonders bei Filmen auf, wo es anscheinend keine Männer mehr mit männlicher Brustbehaarung gibt – als hätten die Armen nicht schon genug damit zu tun, ständig ihre Gesichter zu rasieren, nun müssen sie sich auch noch der Himmel weiß wo enthaaren. Und natürlich aus ihrem Sitzpack ein Sixpack machen bzw. aus ihrem Waschbärbauch einen Waschbrettbauch. Glück im Unglück: Mit den Jahren steht man derley Torheiten ja gelassener gegenüber ; )

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Vielen Dank, liebe Haushundhirsche : )

  4. freudefinder schreibt:

    was für wundervolle Frauen -hab Dank für diesen Bericht und diesen links

  5. So ein ansprechender Artikel von Dir, liebe Petra! Die Bände aus dem Elisabeth Sandmann-Verlag gehören auch zu meinen favorisierten Bildbänden, in denen der Text nicht außer Acht gelassen wird – ein gutes Gleichgewicht zwischen Wort und Bild.
    Vor einigen Monaten habe ich mir in der Pinakothek der Moderne die fulminante Ausstellung „Frauen“ angeschaut. Die Frauenportraits von drei Ausnahmekünstlern des 20. Jahrhunderts trafen hier aufeinander: Pablo Picasso, Max Beckmannn und Willem de Kooning. Die Rolle, die in der Kunst den Frauen zugestanden wurde, ging weit über Klischees von Weiblichkeit hinaus. In ihrer eigenständigen Bedeutung sind sie bis heute ein Spiegel gesellschaftlicher wie politischer Umbrüche ihrer Zeit. Eine große, wundervolle Ausstellung, die ich nachhaltig in Erinnerung behalten werde. Als Lesende und Vorlesende wurde die Frau von Max Beckmann gezeigt. Vielleicht finde ich noch eines der schönen Ausstellungsflyer, das ich Dir zusenden könnte…

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank für dein Lob, liebe Karin : )
      Die Ausstellung klingt ja großartig! Die hätte ich mir sicher auch nicht entgehen lassen. Über den Flyer würde ich mich freuen – wie eigentlich immer sehr über Post von dir : )

  6. Lakritze schreibt:

    Och, diese Frauenzeitschriften … im besten Falle Ärgernisse für mich; ansonsten finde ich es einfach nur sterbenslangweilig, Schönheit auf so einen kleinen Ausschnitt menschlicher Erscheinungsformen eingrenzen zu wollen. Insofern interessante Lektüre, die Du da zusammengetragen hast!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke, liebe Lakritze. Und es geht mir ähnlich wie dir, statt mich über die Zeitschrift beim Kaffee zu freuen, ärgere ich mich in den letzten Jahren eher. Weiß auch nicht, warum ich sie dennoch ab und an kaufe. Gewohnheit oder Hoffnung, denke ich mal ; )

  7. Heidrun schreibt:

    Liebe Petra,
    aus der Modewelt kommend (.. meine erste Berufskarriere ..) gehört für mich diese benannte Fashionwelt der Modemagazine zum Zeitgeist: Nicht umsonst hat Coco Chanel versucht durch den Schnitt ihrer Modelle es den Frauen leichter zu machen – einst .. .. heute sind die Ansprüche [ leider ] in Richtung Wegwerf-Kleidung tendiert, da nur noch billigst produziert wird. Nicht umsonst sind die allermeisten Label mit ihren Produktionen bitte wohin gegangen?

    Einleitend war die Rede von Frauenzeitschriften: Hier, denke ich, geht es ausschließlich
    a) um die Werbung (.. meine zweite Karriere..) – Sex sells und
    b) immer wieder um die Jugend (das Kindchenprinzip); die Jugend, die natürlich auch in der Werbung die stärkste Anziehung zum Kaufen z.B. von Kosmetika bietet.

    … Abgesehen davon, dass der Mensch stets nach dem „Jungbrunnen“ gefahndet hat – bis heute sucht.

    Eine Ausnahme ist sicher der italienische Fotograf Oliviero Toscani, der jedoch auch wieder mehr als angeeckt ist. In Erinnerung : Seine Kampagne mit der magersüchtigen Schauspielerin Isabelle Caro.

    Aber : Mode – Zeitgeist und Kunst gehören für mich persönlich zusammen.

    Die „normale“ Frau finde ich für mich in (Auto-) Biografien, die ich sehr gerne lese – und zusätzlich durch das Kennenlernen von Frauen, bei den verschiedensten Gelegenheiten in dem ich Gespräche pflege.

    Dir danke ich sehr für Deinen Post! War mir ein Vergnügen 😉

    Sonnige Grüße von Heidrun

    PS: Heute bin ich in meiner dritten Lebensphase Freischaffende Künstlerin .. .. ach ja, und meine Schwester ist gelernte Elektrikerin – eine Lehre, die sie vor über 35 Jahren gestemmt hat , bevor sie in die Gastronomie ging ………

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Mode, Zeitgeist, Kunst – gute Assoziationskette, liebe Heidrun. Und in der Tat: Etliches an (neuerer) Kunst würde ohne das Wissen um Mode und Zeitgeist wahrscheinlich gar nicht funktionieren. Dann hab ich ja jetzt eine neue Ausrede, mir weiter diese Zeitschriften zu kaufen ; )
      Und was du über die „normale“ Frau schreibst: Da kann ich dir nur beipflichten. Auch ich liebe (Auto)Biographisches (aber nicht nur von/über Frauen) und Gespräche mit interessanten Frauen (Freundinnen oder neu Kennengelernte). Danke für deinen Kommentar & sonnige Grüße von mir : )

  8. flattersatz schreibt:

    Da Petra meint, das würde gut zum Thema passen, verlink ich hier gerne „meine“ Gemäldesammlung zum Thema „Lesende Frauen“ bei tumblr..

  9. Ich möchte mich anschließen, ein gelungener, gut recherchierter Blogpost von dir. Mir fällt so viel dazu ein, doch möchte ich es kurz halten: So gern ich das ein oder andere Magazin lese, so wichtig ich die Magazinkultur finde, so befremdlich waren mir schon immer Frauen- und auch Männermagazine. Bei ersteres fragte ich mich stets, warum die Selbstgeißelung – bei letzterem fühlte ich mich selten auch nur einen Funken angesprochen. Das Problem besteht meines Erachtens darin, das Magazine eine große Auflage benötigen um wirtschaftlich zu funktionieren und kleine, innovative wenn überhaupt ein Nullgeschäft darstellen. Die große Chance sehe ich in Onlinemagazinen, die viel exakter ihre Zielgruppe treffen können und dennoch wirtschaftlich funktionieren. Auf der anderen Seite frage ich mich natürlich ob und warum diese von dir genannten Merkmale nun gerade bei der Masse so gut funktionieren, denn sie werden ja gekauft, und sich dennoch jeder zu beschweren scheint, mit Recht!? Das genannte Buch von Elke Heidenreich landete gleich einmal auf meinem Wunschzettel, danke dafür!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke für das Lob, lieber Konstantin. Tja, irgendein Bedürfnis erfüllen diese Magazine offenbar bei einer großen Anzahl von Personen. Bei mir u. a., mir unbeschwert die Zeit während einer Tasse Kaffee zu vertreiben bzw. mich nach der Arbeit zu entspannen. Nur tun sie das immer seltener, da ich mich immer öfter über sie ärgere. Aber Heidruns Gedanke, dass Mode und Zeitgeist und Kunst zusammengehören, hat viel für sich. Seltsamerweise ärgere ich mich bei guten Architektur- oder Wohnzeitschriften kein bisschen darüber, dass einem dort Lofts und Häuser präsentiert werden, die nur den Happy Few vorbehalten sind. Vielleicht liegt die Betonung auch einfach auf „gut“ – aber es gibt so wenig richtig „gute“ Modemagazine – die meisten sind eben doch nur Frauenzeitschriften und damit in ihrer Zielrichtung ebenso so banal in ihrer Fülle, Wiederholung und Austauschbarkeit wie Frauenromane.

  10. Ich vergaß, die Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren zu aktivieren. Daher dieser inhaltlich unnötige Kommentar. Entschuldige.

  11. buechermaniac schreibt:

    Ich kaufe nur noch selten Frauenzeitschriften, denn sie sind immer enttäuschender, ganz zu schweigen von reinen Modemagazinen, in denen nur noch ganzseitige Werbungen zu sehen sind und die Mode nicht für Normalsterbliche aufbereitet ist. Zudem falle ich von meiner Körpergrösse völlig aus dem Rahmen und ich fühle mich überhaupt nicht angesprochen. Ich blättere höchstens noch beim Friseur in den Magazinen. In der Schweiz sind sie zudem schweineteuer, da kaufe ich mir für den gleichen Betrag ein Taschenbuch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s