Eine Frau mit Möglichkeiten

Louis Auchincloss führte wohl eine Art „Doppelleben“, das er sehr gut zu einem Ganzen zu vereinen wusste: Auchincloss, 1917 geboren und Yale-Absolvent, war Anwalt in einer großen Wall-Street-Sozietät und veröffentlichte 60 Werke. Bisher kannte ich von ihm die Manhattan Monologe, übrigens ebenfalls lesenswert, und seit kurzem auch Eine Frau mit Möglichkeiten. Wie schon in den Manhattan Monologen geht es auch diesmal wieder um das Leben der superreichen, versnobten und erfolgshungrigen Gesellschaft an der Ostküste der USA, die der Autor, vermutlich von innen heraus, immer wieder hervorragend zu porträtieren weiß. Besonders in Eine Frau mit Möglichkeiten kommt dabei nie Mitleid für das „arme, reiche Mädchen“ auf, das wegen all der Gefühlskälte, die es umgibt und die es in sich trägt, zu bedauern ist. Im Gegenteil, man bekommt einen ordentlichen Respekt vor so viel Energie und Willen zum Erfolg.

Schon als junges Mädchen hat Clarabel Longcope, genannt Clara, eigentlich fast alles, was man sich wünschen kann: Ein wohlhabendes Elternhaus, das ihr viele Möglichkeiten bietet, Charme und Schönheit. Von Anfang an versucht ihre Mutter Violet aus diesen Möglichkeiten den größten Nutzen für ihre Tochter zu ziehen, den sie sich vorstellen kann, nämlich die Ehe mit einem vielversprechenden jungen Mann aus besten Verhältnissen. Nicht sofort findet sich Clara mit diesem vorbestimmten Weg ab. Dann aber erkennt sie, dass dieser Weg ihr viel mehr bieten kann, als sich ihre konservative Mutter vorzustellen vermag. So gelingt es ihr nicht nur, sich erfolgsversprechend zu verheiraten, sie beginnt außerdem als Journalistin zu arbeiten und wird am Ende aus eigener Kraft und mithilfe einiger Intrigen an der Spitze einer Stiftung stehen – übrigens ohne den Gatten, von dem sie sich bald wieder getrennt hat.

Eine spannende Erfolgsgeschichte, auch stilistisch ausgezeichnet.

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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