Fort von hier

Die (italienische) Kritik überschlug sich schier vor Begeisterung. Zu Recht! Fort von hier von Niccolo Ammaniti ist ausgezeichnet, allerdings sehr traurig und deprimierend.

Es geht vor allem um zwei Personen: Den Jungen Pietro, ein intelligenter Außenseiter aus sozial schwachen Verhältnissen, dessen einziger Bonus in den Augen seiner Mitschüler seine Freundschaft zu der schönen, reichen und arroganten Gloria ist. Der schüchterne Träumer, der sich am liebsten um die Tiere im Naturschutzgebiet kümmert, wird von einer Bande brutaler Mitschüler traktiert und zu einer Aktion gezwungen, die ihn die Versetzung kostet.

Die zweite männliche Hauptfigur ist der abgehalfterte Graziano Biglia, ein Frauenheld mit schwindendem Ruhm als Gitarrist. Jahrelang bereiste er die Tourihochburgen, um dort die weiblichen Gäste zu beglücken. Mit Mitte 40 beschließt er, zurückzukehren in sein Heimatdorf Ischiano Scalo. Dort prahlt er vor seinen Freunden mit seiner neuen Flamme, die er zu heiraten gedenkt. Das attraktive Dummerchen aber schmeißt sich ihrer angestrebten Fernsehkarriere wegen einem Anderen an den Hals, und Graziano muss sich etwas einfallen lassen, um von seinen Freunden nicht als Gehörnter verlacht zu werden.

Ebenfalls entscheidend für die Geschichte ist die attraktive Italienischlehrerin Flora Palmieri, die Graziano ersatzweise erobern will. Diese Eroberung hat einen Strudel von Ereignissen zur Folge, in dem etliche Figuren auf die ein oder andere Weise untergehen werden. Und nicht zu vergessen der dumme, aber verschlagene Schulhausmeister Italo Miele, der maßgeblichen Anteil am Schicksal Pietros hat.

Nur noch ein weiteres Buch hat mich bislang noch mehr begeistert in seiner zum Teil fast kühlen Beschreibung verschiedener miteinander verwobener Schicksale, die einen manchmal in ihrer Kuriosität zum Lachen bringen, meist aber deprimieren in all ihrer Misere. Dieses andere fantastische Buch stammt übrigens von Rohinton Mistry und heißt Das Gleichgewicht der Welt. Bei beiden Romanen lassen einen die Schicksale eine ganze Weile nicht mehr los. Einfach runterlesen geht hier nicht.

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Fort von hier

  1. juneautumn schreibt:

    Das kann ich für den Mistry nur absolut bestätigen. Der lässt mich auch nach nunmehr einem halben Jahr nicht los und wird es wohl noch eine ganze Zeit lang nicht tun.

  2. Dina schreibt:

    Liest sich wie eine gute Filmvorlage, danke für den Lesetipp.
    Liebe Grüß
    Dina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s